https://www.faz.net/-icu-9imij

Rumänen in London : Brexit? Na und!

  • -Aktualisiert am

Die Bäckerei „Romana“ wurde durch einen Bericht der britischen Boulevardzeitung „Sun“ bekannt. Bild: Markus Kollberg

Im Vereinigten Königreich wird ein harter Brexit immer wahrscheinlicher. Neben der britischen Wirtschaft träfe der vor allem Einwanderer aus Osteuropa. Zu Besuch in Burnt Oak – einem Stück Rumänien mitten in London.

          Nur 22 Minuten dauert die Zugfahrt aus dem Londoner Stadtzentrum nach Burnt Oak. Am Horizont lässt sich die Silhouette des berühmten Wembley-Stadions erahnen, ab und zu zieht ein Rugby-Feld vorbei, ansonsten nur Reihenhäuser aus Backstein. Doch kaum hat man die Northern Line an ihrer vorletzten Haltestelle verlassen, befindet man sich in einer anderen Welt. 411.000 Rumänen leben mittlerweile im Vereinigten Königreich, damit stellen sie nach den Polen die zweitgrößte Zuwanderergruppe dar. 2007, als Rumänien der EU beitrat, waren es nur 24.000. Diese Entwicklung wird auch in Burnt Oak offenbar.

          Direkt am Bahnhof verkauft ein kleines Geschäft „Covrigi“, Brezel-ähnliche Teigwaren. Nicht weit entfernt, gibt es ein Notariat und einen Buchhalter, die sich auf Transaktionen und Geschäfte mit rumänischen Unternehmen spezialisiert haben. Außerdem finden sich rumänische Friseure, Supermärkte, Restaurants und Bäckereien. „Romania mica“, kleines Rumänien, nennen die Einheimischen das Viertel, in dem mehr als die Hälfte der Kinder eine andere Muttersprache als Englisch hat. Neben Rumänisch und Polnisch sind das vor allem Somali und Arabisch.

          Kein Vorzeigeviertel

          Eine Vorzeigegegend ist Burnt Oak dabei nicht: Bei den standardisierten Prüfungen am Ende der zehnten Klasse schneiden Schüler aus dem Viertel schlechter ab als ihre Altersgenossen in anderen Stadtteilen. Auch das Durchschnittseinkommen und die Lebenserwartung liegen Unterhalb des britischen Durchschnitts.

          Doch hiervon ist an diesem Donnerstagnachmittag nichts zu spüren. Mütter schieben Kinderwagen, eine Gruppe Senioren sitzt in einem Café zusammen, auf einem großen Plakat wirbt ein Bauunternehmen für Luxusappartements, die bald entlang der Hauptstraße entstehen sollen. Direkt gegenüber liegt die Bäckerei „Romana“. Wenn Burnt Oak ein rumänisches Dorf wäre, dann wäre die Bäckerei das Rathaus.

          Blick auf den Burnt Oak Broadway in London

          Das Geschäft erreichte im vergangenen Jahr große Bekanntheit, als sein Betreiber Ovidiu Sarpe der britischen Boulevardzeitung „Sun“ ein Interview gab, in dem er verkündete, er stelle aus Prinzip nur Rumänen ein, weil diese härter arbeiteten und sich weniger beklagten als Briten. Hinter dieser Aussage stehe er auch heute noch, sagt Sarpe. Mittlerweile hat er 18 Mitarbeiter, die in seinem Geschäft Brote backen, Torten dekorieren und Pizzen belegen – alle mit rumänischen Wurzeln.

          Der Brexit ist gut für das Geschäft

          Die Geschäfte liefen gut, daran werde auch der Brexit nichts ändern, versichert er. Im Gegenteil, er sei sogar ein Brexit-Befürworter, denn unkontrollierte Zuwanderung mache den Markt kaputt. „Rumänische Arbeiter sind für ihre gute Qualität bekannt. Wenn die Briten die ungelernten Immigranten rauswerfen, können wir höhere Preise nehmen“, sagt er. Für die meisten Osteuropäer werde der Brexit keine Auswirkungen haben. „Wenn wir Rumänen einen Tag lang nicht zur Arbeit gehen, steht das Land still“, sagt Sarpe. Tatsächlich ist die britische Wirtschaft in vielen Bereichen auf Arbeitskräfte aus Osteuropa angewiesen. So zum Beispiel in der Pflege oder in der Landwirtschaft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Busunglück von Madeira : Das Gaspedal oder die Bremsen

          Nach dem schweren Busunglück auf Madeira mit 29 Toten wird über die Ursache gerätselt. Augenzeugen berichten, dass der Fahrer vergeblich versuchte, den Bus gegen eine Mauer zu steuern. Bremsspuren soll es keine geben.

          Brisantes Werbevideo : Kamerahersteller Leica droht Bann in China

          Das Massaker auf dem Tiananmen ist in China ein Tabu-Thema. Der Kamerahersteller Leica bringt es nun in einem Werbevideo zur Sprache. Wie reagiert der Leica-Kunde Huawei?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.