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IS zum Brexit : „Gott ist groß, Europa ist zerstört“

Der IS versucht schon länger, im Westen Hass und Misstrauen zu schüren. Der Brexit kommt da gelegen. Bild: AFP

Der Brexit ist ein Rückschlag im Kampf gegen den IS. Der will die europäischen Gesellschaften spalten und feiert das Ergebnis. Beschäftigt sich Europa zu sehr mit sich selbst?

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          Der Anführer des „Islamischen Staates“ (IS), Abu Bakr al Bagdadi wäre froh, sollten die Briten für den „Brexit“ stimmen, hatte Premierminister David Cameron während seiner Kampagne gesagt. Und tatsächlich war das Votum für den Austritt aus der EU ein Fest für die Propaganda der Dschihadisten.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der IS rief seine Anhänger in einer Botschaft dazu auf, Anschläge in Berlin und Brüssel zu verüben, um Europa jetzt zu „paralysieren“. Und auch in Internetforen wurde gefeiert: IS-Anhänger zeigten sich erfreut über die Abstürze auf den Finanzmärkten, Cameron wurde verspottet. „Gott ist groß, Europa ist zerstört“, hieß es. Ein französischer Extremist schuf das Wort „Dar al Kufrexit“ – als Bezeichnung für den Ort des Unglaubens, aus dem es auszuziehen gelte.

          „Ob es stimmt oder nicht – der IS verkauft den Brexit als seinen Sieg“, sagt Asiem El Difraoui, Dschihadismusexperte und Politikwissenschaftler von der Denkfabrik Candid Foundation. Die Propaganda beschreibe die Flüchtlingsströme und die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Europa als Werk des IS und als Hauptgrund für das britische Referendum. „Der Brexit hat den IS seinem Ziel, die europäischen Gesellschaften zu spalten und Furcht zu schüren, auch näher gebracht“, sagt Difraoui. „Das Votum war ein verheerendes Signal.“

          Die Unruhe in der militärischen Führungsmacht Großbritannien fällt in eine Zeit, in welcher der militärische Druck auf den IS zunimmt und dessen Herrschaftsgebiet schrumpft – sowohl im Irak als auch in Syrien und in Libyen. Im Kampf, der IS-Ideologie den Nährboden zu entziehen, ist der Brexit ein Rückschlag.

          Die IS-Propaganda hat sich schon länger darauf verlegt, die Anhänger zu ermutigen, im Westen durch Anschläge Hass und Misstrauen zu schüren. „Auch die dysfunktionalen Diktaturen in der arabischen Welt, die entfremdete junge Männer in die Arme der Dschihadisten treiben, werden sich über ein geschwächtes Europa freuen“, sagt Asiem El Difraoui. Wenn in Zeiten, in denen Einheit gefordert sei, die europäischen Staaten in der Krisenregion zunehmend Einzelinteressen verfolgten, spiele das autoritären Machthabern wie zum Beispiel dem ägyptischen Präsidenten Abd al Fattah al Sisi in die Hände – von Baschar al Assad ganz zu schweigen.

          Auch aus den fortschrittlichen Kreisen in der arabischen Zivilgesellschaft wird schon die Sorge geäußert, Europa, auf dessen Unterstützung man dringend angewiesen sei, werde sich jetzt zu sehr mit sich selbst beschäftigen. „Die Diktatoren nutzen Interessenunterschiede und die Angst vor den Flüchtlingen für ihre Zwecke aus“, sagt Difraoui. Der syrische Machthaber Baschar al Assad und der IS würden weiter Chaos stiften. Europa werde weiter gespalten, die Angst werde weiter geschürt. „Wir sind in einem Teufelskreis gefangen, aus dem wir mit aller Macht ausbrechen müssen“, sagt Difraoui.

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