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Großbritanniens Nabelschnur

Von MICHAELA WIEGEL, Bewegtbild DANIEL PILAR

18.10.2019 · Ein Drittel aller Güter, die zwischen dem europäischen Festland und dem Vereinigten Königreich gehandelt werden, passiert den Eurotunnel. Was ändert sich nach dem Brexit?


„Wir sind bereit!“

... , sagt François Gauthey. Der Vizechef von Eurotunnel sieht dem Brexit gelassen entgegen, wie er auf dem Weg zum Tunneleingang erläutert. Das Gebiet um die zwei riesigen Tunnelröhren, die seit einem Vierteljahrhundert Großbritannien mit dem europäischen Kontinent verbinden, gleicht einer Festung: Meterhohe, in mehreren Reihen gestaffelte Sicherheitszäune, Überwachungskameras und Infrarot-Bewegungsmelder sollen Unbefugte abschrecken. Mit einem immer lauter werdenden Grollen kündigt sich ein Zug an. Schon rattert ein Güterwaggon nach dem anderen über die Gleise. In Stoßzeiten fährt alle drei Minuten ein Zug durch den Tunnel, Passagierzüge von Eurostar, Shuttlezüge, die Lastwagen oder Pkws transportieren, sowie Frachtzüge.

Ob Apfelsinen aus Spanien oder Champagner aus Frankreich, die Briten beziehen 70 Prozent von dem, was sie essen und trinken, aus Kontinentaleuropa. Ein Drittel aller Güter, die zwischen Großbritannien und dem Kontinent gehandelt werden, wird auf Schienen durch die 50 Kilometer langen Röhren unter dem Ärmelkanal transportiert. Die Deutschen nutzen den Tunnel sogar mehr als die Franzosen, merkt Manager Gauthey an. Deutsche Unternehmen exportieren pro Jahr Güter im Wert von 15 Milliarden Euro und importieren in etwa gleicher Höhe aus Großbritannien. Damit das auch nach dem Austritt der Briten aus der EU so bleibt, hat Eurotunnel 30 Millionen Euro in eine „intelligente Grenze“ investiert. Hinter dem Schlagwort „smart border“ verbirgt sich ein ausgeklügeltes Abfertigungssystem, damit niemand Zeit verliert während der Fahrt zwischen Calais und Folkstone.


„Die größte Herausforderung ist für uns, dass alle Kontrollen reibungslos funktionieren und keine Warteschlangen entstehen.“
François Gauthey, Eurotunnel-Vizechef

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