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Flughafen Tel Aviv : Sicherheit in mehreren Kreisen

Am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv ist man entsetzt über die Anschläge am Atatürk-Flughafen in Istanbul. Dank höchster Sicherheitsstandards hat es am Tel Aviver Flughafen schon lange keinen Anschlag mehr gegeben. Bild: dpa

Am Tel Aviver Flughafen beginnen die Kontrollen schon mehrere Kilometer vom Terminal entfernt. Passagiere müssen zudem mit vielen Fragen rechnen.

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          Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul hat auch in Israel große Besorgnis hervorgerufen. Trotz der Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen in den vergangenen Jahren ist „Turkish Airlines“ die wichtigste ausländische Fluglinie, die mit neun Flügen am Tag den Tel Aviver Flughafen anfliegt. Nur wenige Israelis bleiben in der Türkei, die meisten steigen in Istanbul um. Trotzdem war man erleichtert, dass keine israelischen Opfer zu beklagen waren.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Am Tel Aviver Ben-Gurion-Flughafen fühlen sich die meisten Israelis sicher. Dort hätten es potentielle Attentäter sehr schwer, überhaupt in die Nähe des Abfertigungsgebäudes zu gelangen. Das Sicherheitssystem besteht aus einer Reihe von Kreisen. Mehrere Kilometer vom Terminal entfernt müssen alle Fahrzeuge einen Kontrollpunkt passieren, den Beamte mit Maschinenpistolen sichern. Nicht alle Fahrzeuge werden kontrolliert, aber alle Taxis sowie Fahrgäste, die den Sicherheitskräften auffallen. Zudem werden die Nummernschilder der Autos erfasst und mit Datenbanken abgeglichen. An den Türen des Terminals stehen ebenfalls Sicherheitsleute mit Metalldetektoren und kontrollieren stichprobenartig, ohne dass sich dort lange Schlangen bilden.

          Zwar gehören israelische Unternehmen international zu den Marktführern bei Sicherheitstechnologie. Aber im Alltag setzt man in Israel immer noch stark auf Menschen und nicht nur auf Hightech. Für viele ausländische Israel-Besucher wie israelische Araber bedeutet das, dass sie am Ben-Gurion-Flughafen oft Geduld und Zeit mitbringen müssen. Dort steht immer noch kein einziger Ganzkörper-Scanner, dafür müssen sich die Reisenden vor dem Check-In auf viele Fragen gefasst machen: Wer sich gegenüber den Kontrolleuren in Widersprüche verwickelt und zum Beispiel nicht plausibel erklären kann, wo und warum er in Israel oder in den Palästinensergebieten war, dessen Befragung kann sich in die Länge ziehen.

          Ungleichbehandlung von Passagieren im Zeichen der Sicherheit

          Aufkleber auf Gepäck und Pass zeigen an, zu welcher Kategorie der Passagier gehört und wie genau sich die Sicherheitsleute ihn ansehen: Jüngere Männer müssen mit mehr Fragen rechnen als Rentner; das gilt auch für die Besitzer eines Passes mit vielen Visastempeln aus Staaten, die Israel feindlich gesinnt sind, und viele Angehörige der arabischen Minderheit in Israel – Palästinenser aus den nahen Autonomiegebieten dürfen den Flughafen nicht benutzen. Eine solche Ungleichbehandlung von Passagieren würde in westlichen Staaten bisher meist an juristischen Hürden scheitern.

          In Tel Aviv lassen sich solche aufwändigen Verfahren auch deshalb leichter praktizieren, weil das Passagieraufkommen mit 16 Millionen Menschen deutlich geringer ist als etwa in Istanbul oder Frankfurt mit jährlich mehr als 60 Millionen Fluggästen. Das aufgegebene Gepäck wird vor dem Verladen geröntgt, während sich die Passagiere einer Handgepäckkontrolle unterziehen und einen Metalldetektor durchschreiten müssen.  In Tel Aviv dürfen sie zudem mitgebrachte Flüssigkeiten behalten. Das Sicherheitskonzept hat sich bewährt. Seit 1972 Terroristen dort 26 Menschen töteten, kam es dort zu keinem größeren Zwischenfall mehr.

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