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Reaktion auf Johnsons Aus : Boris, der Feige

  • Aktualisiert am

Er ist raus: Boris Johnson möchte nicht für Camerons Nachfolge kandidieren. Bild: Reuters

Boris Johnson, der Kopf der „Vote Leave“-Kampagne zum Brexit, wird nicht um David Camerons Nachfolge kandidieren. Deutsche Politiker sind empört, die Twitter-Gemeinde wird in ihrem Hohn kreativ.

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          Nach dem Brexit kommt nun der Borexit. Denn Boris Johnson ist raus, er sei „nicht der richtige Mann“, wie er sagt. Boris, wie ihn die Briten oft einfach nur nennen, möchte nicht für die Nachfolge David Camerons kandidieren, möchte nicht Premierminister werden, nicht einmal mehr Parteivorsitzender der konservativen Tories.

          Mit seinem „Nein“ zur Kandidatur hat Johnson zumindest eines bewiesen: Es ging ihm nicht, wie seine Gegner stets behaupteten, um den Posten als Premierminister – zumindest vorerst nicht. Als nobel wird seine Entscheidung trotzdem nicht bewertet. Britische Medien, deutsche Politiker, internationale Organisationen: Sie alle sind entsetzt über den Borexit und finden, Johnson hat sich feige der Verantwortung entzogen.

          „Der Mann, der sein eigenes Chaos nicht wegmachen wollte“, titelte die Online-Ausgabe des britischen „Guardian“ am Donnerstagnachmittag. Auch in anderen britischen Zeitungen sitzt der Schock tief. Hier wird allerdings nicht ausschließlich auf Johnson rumgehackt. Viele machen seinen parteiinternen Konkurrenten Michael Gove, der in letzter Minute seinen Hut in den Ring geworfen hatte, für das Aus von Johnson verantwortlich.

          Gove und Johnson kämpften Seite an Seite für den Brexit, waren beide prominente Gesichter der „Vote Leave“-Kampagne. Zunächst schien es so, als werde Gove Johnson beim Kampf um die Parteispitze unterstützen. Am Donnerstag erst habe Gove seinem Parteifreund von seinem Meinungsumschwung berichtet, mit „fünf Minuten Vorwarnung“ schreibt der britische „Daily Telegraph“.

          In Deutschland sind viele Politiker derweil entrüstet über Johnsons Rückzug. „Erst Brexit erlügen, Land ins Chaos stürzen und dann vor Verantwortung fliehen“, schreibt Grünen-Chef Cem Özdemir auf Twitter. Ähnlich äußerte sich Katja Kipping, Parteivorsitzende der Linken, zum Borexit. Johnson sei das „Paradebeispiel des verantwortungslosen Populisten“, schrieb sie auf Twitter. Auch Manfred Weber (CSU), Chef der EVP-Fraktion im EU-Parlament, bezeichnete Johnson als Angsthase, der erst Chaos stiften würde und dann keine Verantwortung übernehmen wolle.

          Auch auf internationaler Ebene und im Netz wurde Johnson stark kritisiert. Kenneth Roth, Vorsitzender der Non-Profit-Organisation Human Rights Watch schrieb auf Twitter, Johnson habe Großbritannien über die Klippe des Hasses gesteuert, wolle aber jetzt nicht das Auto fahren. Die linke Organisation „Occupy London“, die mit Protestbewegungen gegen den Finanzsektor der britischen Hauptstadt vor einigen Jahren viel Aufmerksamkeit erregte, bezeichnete Boris Johnson als Angsthase, der sich der innerparteilichen Konkurrenz von Michael Gove nicht stellen wolle.

          Kipping, Özdemir, Weber: Sie stehen mit ihrer Meinung nicht alleine da. Die Twitter-Gemeinde stimmt zu, und wird in ihrem Hohn sehr kreativ.

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