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Chef der Brexit-Partei : Nigel Farages Rede ruft Polizei auf den Plan

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Nigel Farage, Chef der Brexit-Partei, nannte Regierungsbeamte in einer Rede „überbezahlte Schreibtischtäter“ Bild: AFP

Durch aggressive Äußerungen beunruhigte Nigel Farage Zuhörer seiner Rede, die daraufhin die Polizei alarmierten – er habe zur Gewalt gegen Regierungsbeamte aufgerufen.

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          Der Chef der Brexit-Partei, Nigel Farage, hat mit einer aggressiven Äußerung zum EU-Austritt Großbritanniens die Polizei auf den Plan gerufen. Sie sehe in seiner Wortwahl aber keinen Grund für weitere Ermittlungen, teilte die Polizei von Gwent in Wales am Samstag nach der Überprüfung der Redepassage mit.

          Farage hatte sich vor einer Woche vor Anhängern in Newport despektierlich über die Arbeit von Regierungsbeamten geäußert: Sie seien „überbezahlte Schreibtischtäter“, die „keine neutrale Arbeit“ leisteten. „Wenn der Brexit vollendet ist, bringen wir das Messer zu ihnen. In Ordnung? Ich habe genug von allem.“ Man solle lieber den Chefs der Häfen von Calais und Dover am Ärmelkanal glauben, die sagten, dass sie 100-prozentig auf den Brexit vorbereitet seien.

          Bei der Polizei gingen Beschwerden ein, die in der Rede einen Aufruf zur Gewalt sahen. Andere meinten im Kurznachrichtendienst Twitter, dass es sich um eine nicht wörtlich zu nehmende Phrase handele.

          Neuen Trubel um Johnson

          Auch Premierminister Boris Johnson war kürzlich wegen seiner Wortwahl im Parlament stark in die Kritik geraten. Er selbst zeigte sich davon unbeeindruckt: Würde man Wörter wie „Kapitulation“ aus dem politischen Diskurs verbannen, drohe die Sprache zu verarmen.

          Seine Schwester Rachel Johnson nannte dagegen eine solche Wortwahl „in höchstem Maße verwerflich“. Ihr Bruder benutze Worte wie „Kollaborateur“ und „Verräter“ in Verbindung mit Gegnern eines ungeregelten Brexits, als ob diese für ihre Meinung „gehängt, ausgeweidet und gevierteilt“ werden sollten.

          Derweil gerät Boris Johnson kurz vor dem Parteitag der regierenden Konservativen immer stärker unter Druck. Bei seiner Ankunft mit seiner Freundin Carrie Symonds am Samstagabend in Manchester empfing ihn eine Gruppe von Demonstranten mit Sprüchen wie „Boris ist ein Lügner“. Fragen von Journalisten zu seiner politischen Zukunft und neuen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs in seiner Zeit als Bürgermeister beantwortete er nicht. Die Tories tagen von Sonntag bis Mittwoch.

          Johnson wird vorgeworfen, als Bürgermeister eine Geschäftsfrau aus Amerika begünstigt zu haben. Es geht dabei um Fördergelder und die Teilnahme an Reisen, von denen die mit Johnson befreundete Jennifer Arcuri profitiert haben soll, obwohl sie nicht die erforderlichen Bedingungen erfüllte. Sowohl Johnson als auch Arcuri wiesen die Vorwürfe zurück. Arcuri soll früher auch als Model gearbeitet haben.

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