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Nachwahlen zum Unterhaus : Kein Brexit-Enthusiasmus

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Da hatten sie noch Lust auf ein „Cheers“: Nigel Farage und Spitzenkandidat Mike Greene von der Brexit-Partei am Donnerstag vor der Auszählung der Stimmen in Peterborough Bild: AP

Die Labour Party gewinnt die Nachwahl in Peterborough. Die Konservativen werden nicht vernichtend geschlagen. Und das in einem Wahlkreis, der deutlich für den Brexit gestimmt hatte. Euphorie für den EU-Austritt sieht anders aus.

          Bei Nachwahlen zum Unterhaus lassen britische Wähler seit vielen Jahren gerne „Dampf ab“. Gemessen daran, hat die Abstimmung im Wahlkreis Peterborough ein sehr bemerkenswertes Ergebnis gebracht. Der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug der Brexit-Partei ist nicht weitergegangen. Labour hat den traditionell umkämpften Wahlkreis wieder gewonnen, wenn auch knapp. Die Konservativen, 2017 von Labour noch knapp geschlagen, haben zwar viele Stimmen verloren, wurden aber nicht vernichtend geschlagen. Vor allem aber: In einem Wahlkreis, der beim Referendum mit 61 gegen 39 Prozent für den Brexit gestimmt hatte, haben die Liberaldemokraten deutlich dazu gewonnen.

          Das alles spricht nicht dafür, dass Großbritannien, dass England einmütig um jeden Preis dem Brexit entgegenstrebt und sich für das eigene Land nichts Schöneres vorstellen kann. Vielen Wählern ist mittlerweile klar, was der Austritt – schon gar einer ohne Abkommen – für sie ganz konkret bedeuten würde. Besonders rosig sind die Aussichten in aller Regel nicht.

          Das ist auch eine Botschaft an die Bewerberinnen und Bewerber, die Theresa May an der Spitze der Konservativen Partei und der Regierung beerben wollen. Sollen sie sich aus Prinzipienreiterei den Weg zu einem zweiten Referendum verbauen? Wenn sich die Brexit-Befürworter ihrer Sache so sicher wären wie sie immer tun, müssten sie eigentlich keine Angst vor einem weiteren Votum des Volkes haben.

          Sie erwecken allerdings genau diesen Eindruck. Das Ergebnis von Peterborough könnte sie in ihrer Angst bestätigen. Was das für die Stabilität der Regierung heißt, steht in den Sternen.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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