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Nachfolge von Theresa May : Der Machtkampf geht in die Endrunde

Boris Johnson eröffnet am Mittwoch in London seinen Wahlkampf für den Posten als Parteivorsitzender der Tories. Bild: dpa

Nach dem heutigen Tag könnte die Zahl der Bewerber für den Vorsitz der Konservativen Partei signifikant geschrumpft sein. Die Augen richten sich auf Boris Johnson. Er gilt als Favorit – und hatte sich bei seinem ersten Wahlkampfauftritt erstaunlich gemäßigt gegeben.

          Sechzehn Stimmen anderen Abgeordneter der Konservativen Partei benötigen die zehn Kandidaten für die Nachfolge von Theresa May als Vorsitzende der Partei und damit auch im Amt des Premierministers. Wie viele derjenigen, die ihren Hut in den Ring geworfen haben, damit die heutige geheime Abstimmung  überstehen und auch am nächsten Dienstag für eine zweite Wahlrunde auf dem Abstimmungszettel stehen, wird sich erst zeigen, wenn die Stimmen ausgezählt sind.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Damit treten die Tories heute in die erste Phase des Prozesses der Nachfolgefindung ein. In diesem reduzieren die Tory-Abgeordneten die Anzahl der Kandidaten in mehreren Wahlgängen auf zwei, die sich dann in mehreren Regionalkonferenzen den Parteimitgliedern vorstellen sollen. Abschließen entscheiden die Mitglieder in einer Urwahl über ihren neuen Parteiführer.

          Die besten Chancen werden derzeit dem früheren Außenminister Boris Johnson zugestanden, der sich der öffentlichen Unterstützung von mehr als 80 Tory-Abgeordneten sicher sein kann. Für ihn lautet die Frage heute, wie viele Stimmen er bekommt – alles über hundert wäre ein deutliches Zeichen der Stärke – und wie weit er damit vor dem Rest des Feldes liegt. Am Ende der Skala werden die Kandidaten Mark Harper, Andrea Leadsom, Esther McVey und Rory Stewart geführt, die Mühe hatten, überhaupt die acht Unterstützer zu finden, die notwendig waren, um in das Rennen eintreten zu können. Für die nächste Runde, die am Dienstag der kommenden Woche stattfinden soll und in der dann 33 andere Stimmen notwendig sind, könnten also nur noch sechs Kandidaten zur Verfügung stehen, sollten alle, die heute die entsprechenden Stimmen erhalten, auch weiterhin daran interessiert sein, sich an dem Auswahlprozess zu beteiligen.

          Johnson hatte am gestrigen Mittwoch offiziell seinen Wahlkampf begonnen. Im Stil trat er dabei gemäßigt auf, was er in der Vergangenheit nicht immer tat. Einen Brexit ohne Abkommen mit der EU nannte der frühere Bürgermeister von London dabei nur einen „letzten Ausweg“, er werde versuchen, in Brüssel in Nachverhandlungen ein besseres Abkommen zu erreichen. Daran war jedoch auch die noch im Amt befindliche Theresa May gescheitert.

          Ein weiterer Aufschub über den 31. Oktober hinaus bedeute allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit, dass Labour an die Macht komme und der Parteivorsitzende Jeremy Corbyn Premierminister werde – ein Schreckensszenario, das viele Konservative fürchten. Johnson versprach jedoch, das wegen des Brexits gespaltene Land wieder zu einen. Probleme könnte ihm seine Weigerung einbringen, auf die Frage nach früherem Kokain-Konsum eine eindeutige Antwort zu geben.

          Johnson war im Vorfeld der Brexit-Abstimmung für den Austritt aus der Europäischen Union eingetreten und der wirksamste Wortführer der Brexit-Kampagne. Im Juli 2016 macht May den früheren Journalisten und Brüssel-Korrespondenten zum Außenminister, den Posten legte er jedoch zwei Jahre später nieder, aus Kritik am Brexit-Kurs der Premierministerin.

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