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Nach Rücktritten in London : „Der Brexit-Traum stirbt“

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Am 13. Juli 2016 übernahm Boris Johnson das Amt des britischen Außenministers – knapp zwei Jahre später tritt er zurück. Bild: dpa

Innerhalb kurzer Zeit hat die britische Premierministerin Theresa May zwei Minister verloren. Während das in Brüssel die Hoffnung auf einen Kurswechsel nährt, findet der scheidende Außenminister deutliche Worte.

          EU-Ratspräsident Donald Tusk hat nach den Rücktritten der wichtigsten Brexit-Hardliner in der britischen Regierung die Hoffnung bekräftigt, dass der EU-Austritt des Landes noch aufzuhalten ist. „Politiker kommen und gehen, aber die Probleme, die sie geschaffen haben, bleiben für die Menschen“, schrieb er am Montag auf Twitter. „Ich kann nur bedauern, dass die Brexit-Idee nicht mit Davis und Johnson gegangen ist. Aber ... wer weiß?“

          Mit Brexit-Minister David Davis und Außenminister Boris Johnson waren am Montag zwei Organisatoren des britischen Brexit-Referendums zurückgetreten. Beide hatten Premierministerin Theresa May immer wieder vorgeworfen, in den Austrittsverhandlungen mit Brüssel zu weich zu sein und den Willen der britischen Wähler beim Referendum nicht umzusetzen.

          In seinem Rücktrittsschreiben an May klagte Johnson: „Der Brexit-Traum stirbt, erstickt von unnötigen Selbstzweifeln.“ Weiter heißt es in dem Brief an die Premierministerin, solle der „weiche Brexit“, auf den sich die britische Regierung am Wochenende geeinigt hatte, in die Tat umgesetzt werden, entwickele sich das Vereinigte Königreich hin zu „dem Status einer Kolonie“. Der Wortlaut der Einigung sei Johnson bei dessen genauem Studium „im Hals stecken geblieben“.

          May forderte die EU am Montag bei einer Debatte im Unterhaus über ihre Brexit-Pläne zu mehr Entgegenkommen in den Verhandlungen auf. Falls Brüssel sich nicht konstruktiver verhalte, drohe ein EU-Ausstieg des Königreichs ohne Abkommen, sagte die Premierministerin. Das britische Angebot sei herausfordernd für die EU und müsse von dieser nun eingehend studiert werden – eine Aussage, die bei den anwesenden Abgeordneten Gelächter hervorrief. Viele fürchten, dass Londons Verhandlungsposition durch die jüngsten Pläne Mays für einen weicheren Brexit geschwächt wurden.

          Kein zweites Referendum in Sicht

          Tusk hat seinerseits immer wieder für die Idee geworben, dass Großbritannien doch in der EU bleiben könnte. Unter anderem auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani oder der frühere Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatten vergangenes Jahr betont, dass die Tür für einen Verbleib Großbritanniens offen bleibe.

          Das Schreiben Boris Johnsons an Theresa May im Wortlaut.

          Auch wenn es in der britischen Politik Befürworter eines zweiten Referendums über den Brexit gibt, ist eine Entscheidung zur Abkehr vom EU-Austritt derzeit nicht in Sicht. Ein Verbleib Großbritanniens müsste dann auch noch einstimmig von den anderen 27 EU-Staaten gebilligt werden.

          Die FDP forderte am Montag aber dennoch ein neues Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU. „Angesichts der Zerstrittenheit der Regierung ist eine zweite Volksabstimmung dringend erforderlich“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Alexander Graf Lambsdorff, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

          „Es könnte dabei über verschiedene Szenarien abgestimmt werden – auch über einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union.“ Seine Partei habe das Votum der Briten immer respektiert, sagte Lambsdorff und ergänzte: „Jetzt haben wir eine neue Lage.“

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