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Schottland nach Brexit-Votum : Stolz auf das eigene Volk

„Für heute“ bitte sie das Parlament jedoch zunächst lediglich um Unterstützung für die anstehenden Verhandlungen mit der Regierung, Brüssel „und dem Bürgermeister von London“. Sie fordert die Regierung des Königreichs auf, das endlich „in den Griff“ zu bekommen.

„Man hatte dort keinen Plan“

Sturgeon will geordnete Verhältnisse in Schottland demonstrieren und zeigen, dass ihr Parlament in der Brexit-Frage vereint dasteht. Ganz im Gegensatz zur Chaos-Regierung in Westminster und ihrem Machtvakuum, das eher einen apathischen Eindruck vermittelt. „Anscheinend gab es in London keine wirklichen Vorbereitungen auf einen Brexit“, sagt Sturgeon, „man hatte dort keinen Plan.“

Sturgeon achtet darauf, keine direkte Verbindung zwischen den anstehenden Brexit-Gesprächen und der Unabhängigkeitsfrage Schottlands herzustellen, auch wenn einer jüngsten Umfrage des Instituts Survation zufolge mittlerweile 54 Prozent der Schotten für „Independence“ stimmen würden.

Stattdessen kündigt sie den Aufbau eines ständigen Expertenrats an, dessen 17 Mitglieder – Ökonomen, Politiker und Verfassungsrechtler – die Regierung bei den anstehenden Verhandlungen beraten sollen. Ihren Vorstoß, einen Brexit durch Parlamentsabstimmung blockieren zu können, wiederholt sie in Holyrood nicht. Auch ihr Vorgänger Alex Salmond hatte dies vor der Debatte als unrealistisch abgetan.

Sturgeon gibt sich vorsichtig

Die konservative Oppositionsführerin Ruth Davidson stellt sich gegen Sturgeons Ankündigung der getrennten Verhandlungen in Brüssel. Auch sie habe zwar für „Remain“ gestimmt, erwidert sie auf die Rede Sturgeons, aber schiebt sicherheitshalber eine Warnung hinterher: „Die Schockwellen einer Abstimmung kann man nicht dämpfen, indem man die Lunte einer anderen anzündet.“

Sturgeon gibt sich vorsichtig im Parlamentsgebäude, das ein ebenso vorsichtiger Bau ist. Es war der erste „First Minister“ Schottlands, Donald Dewar, der die Entwürfe und deren Umsetzung überwachte, und er soll besonders darauf geachtet haben, das Gebäude nicht zu groß und zu mächtig erscheinen zu lassen.

Der Labour-Mann war kein ausgesprochener Verfechter einer schnellen schottischen Unabhängigkeit. Und so liegt der Bau am unteren Ende der Royal Mile, deren Kopf die Burg von Edinburgh bildet, und fast versteckt vom höchsten Berg der Stadt. Der katalanische Architekt hatte den Parlamentskomplex mehreren umgedrehten mittelalterlichen Schiffen nachempfunden, deren Führer zur Versammlung in der Natur zusammenkommen.

„Angstkampagnen“

Vor dem Plenum, in der Natur, steht der frühere SNP-Abgeordnete Bill Wilson. „Siehst du, das ist Schottland“, sagt er, „hier kann jeder zusammenkommen.“ Das sei ohnehin einer der wesentlichsten Unterschiede zwischen Schottland und Westminster. „Beim Unabhängigkeitsreferendum 2014 durften alle wählen, die hier gemeldet waren, auch Ausländer.“

Jetzt, im vom Vereinigten Königreich organisierten Referendum, sei das nicht erlaubt gewesen. „Und was das Schlimmste ist: Die Angstkampagnen aus London hatten 2014 gewirkt, die EU-Ausländer stimmten alle gegen die Unabhängigkeit, weil sie in der EU bleiben wollten.“ Jetzt sei es an der Zeit, noch einmal abzustimmen.

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