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Nach Brexit-Votum : Merkel will Briten Zeit geben

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Mahnen eine besonnene Reaktion Deutschlands und der EU auf den Brexit an: Bundeskanzlerin Merkel, CSU-Chef Seehofer Bild: dpa

Nach der Brexit-Entscheidung verlangt Kanzlerin Merkel von London Klarheit über das weitere Vorgehen. Im Vergleich zur EU-Position macht sie jedoch einen wichtigen Unterschied.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat von der britischen Regierung nach dem Brexit Auskunft über das weitere Vorgehen im nun anstehenden konkreten Scheidungsprozess mit der EU verlangt. Großbritannien müsse jetzt sagen, wie es sich die Beziehungen zur Europäischen Union weiter vorstelle, sagte Merkel am Samstag zum Abschluss eines Spitzentreffens von CDU und CSU in Potsdam.

          Die EU müsse sich dann auch vor dem Hintergrund der eigenen Interessen mit den Konsequenzen aus dem EU-Austritt der Briten befassen. Sie gehe davon aus, dass die britische Regierung das Ergebnis des Referendums auch umsetzen wolle, sagte Merkel vor dem Hintergrund von Befürchtungen in der EU, London könne nun auf Zeit spielen. „Ehrlich gesagt, soll es nicht ewig dauern (...), aber ich würde mich jetzt auch nicht wegen einer kurzen Zeit verkämpfen.“

          Merkel: London vorerst weiter vollwertiges EU-Mitglied

          Solange die britische Regierung den Antrag auf einen Austritt aus der EU nicht gestellt habe und das entsprechende Abkommen nicht fertig sei, sei das Land mit allen Rechten und Pflichten weiterhin EU-Mitglied.

          Bei den konkreten Austrittsverhandlungen gehe es nicht darum, andere EU-Mitglieder vor möglichen ähnlichen Referenden abzuschrecken, sagte Merkel. Die Verhandlungen müssten sachlich geführt werden, da die EU mit Großbritannien etwa in der Nato und in zahlreichen anderen internationalen Gremien auch künftig zusammenarbeiten werde.

          Seehofer: Europa darf sich nicht mehr verzetteln

          Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer forderte Deutschland und die EU unterdessen zu einer besonnenen Reaktion auf den Brexit auf. Die Europäische Union müsse näher an die Menschen heranrücken, verlangte er am Samstag zum Abschluss des Strategietreffens von CDU und CSU in Potsdam. Auf dieser Grundlage könne es in der EU „sowas wie eine neue Epoche“ geben. „Wir brauchen in großen Fragen, (...) sogar mehr Europa, aber (...) in den vielen kleinen Alltagsfragen darf sich Europa nicht so verzetteln, wie oft in der Vergangenheit“, so Seehofer. Das habe zu mehr Bürokratie und damit bei den Menschen zu Unmut geführt.

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