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Nach Brexit : Klare Mehrheit der Schotten für Unabhängigkeit

  • Aktualisiert am

Viele Schotten wollen weiterhin Teil der EU sein. Bild: AFP

Einer Umfrage zufolge plädiert jetzt eine deutliche Mehrheit für eine Abspaltung von Großbritannien. Aus der EU kommt bereits die erste Einladung an ein unabhängiges Schottland. Unterdessen gewinnt ein EU-Kritiker im Kampf um die Cameron-Nachfolge Unterstützung.

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          Eine deutliche Mehrheit der Schotten ist einer Umfrage zufolge nach dem Brexit-Votum für ein neues Referendum zur Abspaltung von Großbritannien. 59 Prozent der Befragten sind jetzt für die Unabhängigkeit, wie aus der Erhebung für die Zeitung „Sunday Post“ hervorgeht.

          Beim letzten Referendum zu der Frage im Jahr 2014 waren es nur 45 Prozent. Die Mehrheit war dafür, im Vereinigten Königreich zu bleiben. Eine Sorge war damals, dass Schottland nicht mehr Teil der Europäischen Union sein könnte.

          Nachdem Großbritannien am Donnerstag aber mit einer Mehrheit von 52 zu 48 Prozent für einen EU-Austritt votierte, hat sich die Stimmung in Schottland geändert. Dort stimmten 62 Prozent der Bürger für den britischen EU-Verbleib.

          EU-Politiker wirbt um Schotten

          Die schottische Regierung bereitet eigenen Angaben zufolge bereits ein zweites Referendum vor. „Ein zweites Unabhängigkeitsreferendum ist ganz klar eine Option, die auf den Tisch muss und sie ist sehr präsent auf dem Tisch“, hatte Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon am Samstag erklärt. Sollte sich Schottland tatsächlich von Großbritannien abspalten, könnte das Land wieder der EU beitreten.

          Aus Kontinentaleuropa kommen schon die ersten Einladungen. Der CDU-Europapolitiker Gunther Krichbaum hat sich für eine baldige Aufnahme Schottlands in die EU ausgesprochen. „Die EU wird weiter aus 28 Mitgliedstaaten bestehen, denn ich rechne mit einem neuerlichen Unabhängigkeitsreferendum in Schottland, das dann Erfolg haben wird“, sagte der Vorsitzende des Ausschusses für EU-Angelegenheiten im Bundestag. „Einen Aufnahmeantrag des EU-freundlichen Landes sollten wir schnell beantworten.“

          EU-Kritiker gewinnt Unterstützung

          Im Vereinigten Königreich gewinnt unterdessen EU-Kritiker Boris Johnson im Kampf um die Nachfolge auf den britischen Premier David Cameron an Unterstützung. Justizminister Michael Gove habe Johnson am Samstag angerufen und dem früheren Londoner Bürgermeister seine Unterstützung zugesagt, berichtete die „Sunday Times“. Gove gehörte beim historischen Referendum am Donnerstag ebenfalls zu den EU-Gegnern. Großbritannien stimmte mit 52 zu 48 Prozent für einen Austritt aus der Europäischen Union.

           Die regierende konservative Partei von Cameron und Johnson ist wegen der EU-Frage tief gespalten. Laut „Sunday Times“ wird Innenministerin Theresa May in den nächsten Tagen noch in das Rennen einsteigen. May hatte für einen EU-Verbleib geworben. Sie kann deswegen wahrscheinlich auf Unterstützung aus dem Cameron-Lager zählen.

          Streit um Austrittsverhandlungen

          Am Sonntag treffen sich Diplomaten aus den 27 verbleibenden EU-Mitgliedsstaaten ohne britische Vertreter in Brüssel, um den EU-Gipfel kommende Woche vorzubereiten. Am Dienstag soll Cameron den anderen Staats- und Regierungschefs beim Gipfel erklären, wie er sich das Scheidungsverfahren mit der EU vorstellt.

          Die Debatte könnte laut werden, denn die Vorstellungen über den Brexit gehen weit auseinander. Am Mittwoch ist dann erstmals ein informelles Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs ohne Großbritannien geplant. Das EU-Parlament wird London laut einem Bericht der F.A.S. auffordern, bereits am Dienstag die Austrittsverhandlungen einzuleiten,

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