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Großbritannien : Zwei Minister und eine Staatssekretärin wollen Cameron beerben

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Downing Street Nummer 10 - warum nicht. Sagt sich wohl auch Innenministerin Theresa May. Sie will die Nachfolge von Premierminister Cameron antreten. Bild: AFP

Innenministerin May, Justizminister Gove und Staatssekretärin Leadsom haben angekündigt, bei den Konservativen für die Nachfolge von Parteichef David Cameron zu kandidieren. Für Boris Johnson ist das ein Rückschlag.

          Für die Briten bleibt auch eine Woche nach dem Brexit-Votum unklar, wer künftig die Verhandlungen über den EU-Austritt des Landes führen wird. In beiden großen Parteien wird um den Posten des Vorsitzenden gerungen. Bei den konservativen Tories geht es zugleich darum, wer auf den scheidenden Premier David Cameron folgt und das Königreich in ruhigere Fahrwasser steuern soll.

          Nach Innenministerin Theresa May kündigte am Donnerstagmorgen auch Justizminister Michael Gove an, für den Vorsitz der Tories und das Amt des Premierministers zu kandidieren. Eigentlich war erwartet worden, dass Gove, ein Unterstützer der Brexit-Kampagne, sich für eine Kandidatur von Boris Johnson einsetzen würde. Nun ließ Gove wissen, er glaube nicht, dass Johnson „die Führung übernehmen und das Team für kommenden Aufgaben aufbauen könne“.

          Außerdem kündigte die Staatssekretärin im Energieministerium Andrea Leadsom an, David Cameron als Parteichefin beerben zu wollen, wie sie auf Twitter mitteilt. Auch Leadsom hatte sich für einen Brexit ausgesprochen. Das Brexit-Lager in der Konservativen Partei ist damit gespalten. Johnsons offizielle Bewerbung wurde am Vormittag noch erwartet.

          Im Labour-Lager will die Abgeordnete Angela Eagle nach Medienberichten am Donnerstag den Oppositionschef Jeremy Corbyn zu einer Kampfabstimmung über den Parteivorsitz herausfordern. Damit würden sich beide großen Parteien in einen wochenlangen Wahlkampf um die Parteiführung stürzen.

          Corbyn war von der Parteibasis im Spätsommer 2015 mit überwältigender Mehrheit ins Amt gewählt worden. Obwohl er mittlerweile in der Fraktion kaum noch Rückhalt hat, will der 67-Jährige bei einer Neuwahl wieder kandidieren. Ihm wird vorgeworfen, im Wahlkampf vor dem historischen Brexit-Referendum zu wenig Einsatz gezeigt zu haben.

          Bei den Konservativen läuft am Donnerstagmittag die Frist für Bewerbungen auf das Amt des Parteichefs und damit des Premierministers ab. Nach Außenseiter Stephen Crabb und dem ehemaligen Verteidigungsminister Liam Fox ist nun auch auch Theresa May mit im Rennen. In einem Gastbeitrag für die Zeitung „The Times“ distanziert sich May von Politikern, die die Härten des Lebens nicht kennen und das Regierungsgeschäft für „ein Spiel“ halten würden – eine kaum verhohlene Spitze gegen Johnson und dessen privilegierte Herkunft.

          Folgt Boris Johnson David Cameron als Premierminister? Diese Frage interessiert viele Briten derzeit mit am meisten.

          Mit Spannung wird nun die offizielle Kandidatur von Londons ehemaligem Bürgermeister erwartet. Beobachter rechnen damit, dass Johnson bis zur letzten Minute um Anhänger in der Tory-Fraktion wirbt.

          „Mann, gehen Sie!“

          Cameron mischte sich derweil in den Führungsstreit der Labour-Partei ein und rief Jeremy Corbyn zum Rücktritt auf. „In Gottes Namen, Mann, gehen Sie!“, rief der Regierungschef in einer Parlamentsdebatte am Mittwoch dem Oppositionsführer zu. Es sei zwar für die Konservativen nützlich, aber nicht im nationalen Interesse, wenn Corbyn weiter die Opposition führe.

          Die Labour-Fraktion revoltiert seit Tagen gegen den Parteilinken Corbyn und hatte ihm am Dienstag mit großer Mehrheit das Misstrauen ausgesprochen. Die Fraktion befürchtet, er könnte der Partei im Fall einer Neuwahl eine verheerende Niederlage einbrocken. Das Votum hat aber keine bindende Konsequenz, und Corbyn verweigert den Rücktritt. Sollte er bei einer abermaligen Urwahl wieder gewinnen, stünde die Labour-Partei möglicherweise vor einer Spaltung.

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