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Nach Brexit : Die britische Wirtschaft setzt auf „Europe first“

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„Mit Blick auf die Prioritäten kommt die Beziehung zur EU immer noch zuerst“, sagt die Chefin des führenden britischen Unternehmensverbandes CBI. Bild: EPA

Die Chefin des führenden britischen Unternehmensverbandes will für nach dem Brexit mit der EU schnell ein Abkommen schließen. Sie hat auch eine klare Vorstellung davon, wie es aussehen soll.

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          Als die britische Ministerpräsidentin Theresa May Ende Januar nach Washington reiste, war sie die erste europäische Regierungschefin, die den neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus traf. Viel war während dieses Treffens von den „Sonderbeziehungen“ zwischen Amerika und Großbritannien die Rede; in warmen Worten lobten May und Trump sich und ihre Politik gegenseitig. Geht es aber nach der britischen Wirtschaft, dann hat eine andere Beziehung des Vereinigten Königreichs ungleich mehr Gewicht als die britisch-amerikanische: nämlich die zur EU.

          „Mit Blick auf die Prioritäten kommt die Beziehung zur Europäischen Union immer noch zuerst. So sehen wir das“, sagt Carolyn Fairbairn im Gespräch mit der F.A.Z. Fairbairn ist Chefin des führenden britischen Unternehmensverbandes CBI, vergleichbar mit dem deutschen Industrieverband BDI. Die Beziehungen zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten, sagt Fairbairn, seien seit vielen Jahren sehr stark.

          Seit Ronald Reagan und Margaret Thatcher sei die Idee der „besonderen Beziehungen“ lebendig gewesen. Amerika sei der größte Investor im Vereinigten Königreich und umgekehrt. „Unsere Mitglieder begrüßen enge wirtschaftliche Verbindungen zu Amerika; es sei wichtig, ein gutes Verhältnis zur neuen amerikanischen Regierung zu haben – sie sei schließlich demokratisch gewählt. „Trotzdem“, sagt sie, „ist die EU bei weitem der wichtigste Handelspartner für das Vereinigte Königreich.“

          „Wir sollten die WTO-Regeln vermeiden“

          50 Prozent des britischen Exports gingen in die EU, nach Amerika nur halb so viel. Zwar könne es in der Zukunft durchaus richtig sein, ein neues Freihandelsabkommen mit Amerika voranzutreiben. Doch das brauche Zeit und könne ohnehin erst nach dem endgültigen Austritt Großbritanniens aus der EU passieren. „Unsere Prioritäten liegen immer noch sehr stark darauf, die Beziehung zur Europäischen Union zu schützen, zu bewahren und zu stärken“, sagt Fairbairn. Die britische Wirtschaft wolle nichts anderes als den Erfolg der Europäischen Union.

          Carolyn Fairbairn

          In Berlin, wo Fairbairn vergangene Woche unterwegs war, um Regierungs- und Wirtschaftsvertreter zu treffen, dürfte man das gerne hören. Naturgemäß auch beim BDI, dem deutschen Pendant zu Fairbairns CBI. BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber hatte kürzlich erst deutlich gemacht, dass es aus seiner Sicht für die Brexit-Verhandlungen nur eine Devise geben dürfe: Europa zusammenzuhalten und zu stärken. Fairbairn wirbt derzeit in Berlin für einen „fairen Deal“ mit Europa und einen sanften Ausstieg aus der EU. Ihr CBI wie auch der deutsche BDI sehen in der aktuellen Verunsicherung über den Ablauf der Austrittsverhandlungen eine zusätzliche Gefahr.

          Im Blick haben die Briten vor allem den Übergang zwischen dem tatsächlichen Austritt aus der EU – und dem Inkrafttreten möglicher neuer Handelsverträge und Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und dem dann nicht mehr Mitgliedstaat Großbritannien. Eine längere Übergangszeit, in der mangels Alternativen die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) gelten würden, samt allen Zöllen, wäre aus Sicht der britischen Wirtschaft eine Katastrophe. „Wir sollten die WTO-Regeln vermeiden, denn sie würden unsere und die europäische Wirtschaft schädigen“, sagt Fairbairn.

          Kein Freihandelsabkommen ohne Personenfreizügigkeit

          Die Ökonomin will, dass der Handel ohne Zölle und ohne andere, nicht-tarifäre Hindernisse auch nach dem Brexit möglich bleibt, ebenso die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Wissenschaft und Bildung. „Der Fokus muss jetzt darauf liegen, wie die neue ökonomische Partnerschaft aussehen wird.“ Am liebsten wäre der britischen Wirtschaft ein entsprechendes Handelsabkommen. Nicht mit jedem EU-Staat einzeln, sondern mit allen zusammen. Verhandelt werden müsse das parallel zu den Austrittsgesprächen, damit beides gleichzeitig in Kraft treten könne.

          Das sei in zwei Jahren „machbar“, sagt Fairbairn, wenn der Wille da sei – zumindest eine erste Absichtserklärung. „Die EU hat ja Freihandelsabkommen mit Drittstaaten wie Kanada oder Südkorea.“ Man könne auf diese Verträge schauen und sehen, wo sie verbessert und erweitert werden könnten. Der große Unterschied zu diesen Abkommen sei bei Großbritannien: „Wir starten mit freiem Handel, normalerweise startet man mit Grenzen. Das sollte es einfacher und schneller machen.“

          Auch der BDI favorisiert ein „tiefgehendes und umfassendes Partnerschafts-, Investitions- und Handelsabkommen“ zwischen der EU und Großbritannien. Hauptgeschäftsführer Kerber hält aber die zuletzt von der britischen Regierung geäußerten Hoffnungen auf einen Brexit mit „minimalen Schmerzen“ für eher unrealistisch. Ein neues Handelsabkommen etwa, das gleichzeitig mit dem Brexit in Kraft treten würde, lässt sich seiner Meinung nach kaum in so kurzer Zeit verhandeln.

          Zudem glaubt Kerber nicht an ein Freihandelsabkommen ohne Personenfreizügigkeit. Die aber nicht mehr zulassen zu müssen war das Kernanliegen der Brexit-Befürworter. Aus Sicht des BDI hat es die britische Regierung in der Hand, für Schadensbegrenzung zu sorgen. Einig sind sich BDI und CBI darin, dass die Kosten des Brexits minimiert werden sollten – und nicht maximiert, als Abschreckung gegenüber anderen, potentiell austrittswilligen Ländern. Der BDI warnt vor einer „Trennung im Dissens“. Doch bei aller Vorliebe für einen sanften Übergang – auch der BDI hat eine Priorität Nummer eins: den Zusammenhalt der EU als Ganzes zu sichern.

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