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May-Nachfolge : Boris und die beiden Biester

Gilt vielen als Favorit für die Nachfolge von Theresa May: Boris Johnson Bild: AFP

Eine Nachwahl zum Unterhaus beschert der Brexit Party nur einen halben Sieg – und nährt die Debatte über Mays Nachfolge. Die Zustimmung für Boris Johnson wächst. Auch weil er angeblich der einzige ist, der Farage und Corbyn auf Abstand halten kann.

          Der angesehene Meinungsforscher John Curtice fasste das Ergebnis der Nachwahl in Peterborough in zwei Sätzen zusammen: Es sei „nicht so dramatisch“ wie das Resultat der Europawahl, bei der die Brexit Party und die Liberaldemokraten die alten Volksparteien abgehängt hatten. Gleichwohl sei es geeignet, „den normalen Rhythmus des Zwei-Parteien-Systems durcheinanderzuwirbeln“. Im Unterhaus ändert sich nichts: Mit ihrem knappen Sieg in Peterborough – 31 Prozent – behält die Labour Party ihren Sitz. Aber die neue Brexit Party rückte mit 29 Prozent sehr nah heran. Und die Konservative Partei, die noch größere Verluste als Labour erlitt, erreichte nur noch 21 Prozent.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Lisa Forbes, die Labour-Kandidatin, sah eine Menge Hoffnung in ihrem kläglichen Sieg. „Dass die Brexit Party geschlagen werden konnte, zeigt, dass die Politik der Spaltung nicht gewinnen wird“, sagte sie. Nigel Farage, der Gründer der Brexit Party, erinnerte daran, dass seine Partei „aus dem Nichts“ kam und versicherte, sich von dem Ergebnis „aufgebaut“ zu fühlen. Es demonstriere, dass die Zukunft für die Volksparteien „sehr, sehr unvorhersehbar“ sei. Und natürlich vergaß er nicht, darauf hinzuweisen, dass seine Partei „davonstürmen“ würde, sollte das Land am 31. Oktober nicht die EU verlassen.

          Damit zielte Farage mitten in den Machtkampf der Tories um die Nachfolge Theresa Mays. Je besser die Brexit Party abschneide, desto besser für Boris Johnson, hieß es vor dieser Nachwahl, die wegen eines juristischen Fehlverhaltens der früheren Labour-Abgeordneten aus Peterborough abgehalten werden musste. Johnson hatte seine Favoritenrolle allerdings schon vorher ausgebaut. Am Wahltag hatte sich der einflussreiche Hinterbänkler Damian Collins für den früheren Londoner Bürgermeister und Außenminister ausgesprochen: „Wir brauchen einen klaren Plan, um den Brexit über die Bühne zu bekommen, und einen Premierminister mit einem Plan, wie sich Wohlstand und Chancen im ganzen Land verbreiten – Boris kann das am besten.“

          Kurz zuvor hatten sich drei junge Abgeordnete öffentlich zu Johnson bekannt, die ebenfalls dem moderaten Lager zugerechnet werden. Sie übernahmen Johnsons Botschaft, dass nur er in der Lage sei, die beiden „großen Biester“ auf Abstand zu halten: Nigel Farage und Labour-Chef Jeremy Corbyn. Johnson sei ein „bewährter Gewinner“, schrieben die drei Abgeordneten mit Blick auf dessen Kampagnen bei den Bürgermeisterwahlen und während des Referendumswahlkampfs. Sie trauen ihm außerdem zu, „das Land zu inspirieren und unsere Partei zu beleben“.

          Am Freitag erwartete Johnson ein weiteres Geschenk. Der High Court in London beendete vorzeitig den Rechtsstreit über Johnsons angebliches „Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt“. Ein Anti-Brexit-Aktivist hatte Johnson vorgehalten, vor dem EU-Referendum bewusst über Einsparungen durch den Brexit gelogen zu haben, und eine Amtsrichterin überzeugt, den „Fall“ an ein Strafgericht zu überweisen.

          Bilderstrecke

          Mehr als vierzig Abgeordnete haben sich schon hinter Johnson gestellt. Unter den anderen zehn Kandidaten, die noch im Rennen sind, werden Umweltminister Michael Gove und Außenminister Jeremy Hunt die größten Chancen zugetraut. Beide wurden auch von Donald Trump mit einem persönlichen Gespräch geehrt, der bei seinem Besuch im Königreich sichtlich Spaß daran hatte, bei der Kandidatenkür mitzumischen. Bei den Wettbüros holt Andrea Leadsom auf, die schon im Juni 2016 gegen May kandidiert, sich dann aber zurückgezogen hatte.

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