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Bayerischer Separatismus : Kommt nach dem Brexit der Bayxit?

  • -Aktualisiert am

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Bayerns: Schloss Neuschwanstein Bild: dpa

Nach dem Brexit bricht auch andernorts der Drang nach Unabhängigkeit aus – zum Beispiel in Süddeutschland. In Bayern macht sich die zweitstärkste Oppositionspartei Münchens für einen Ausstieg des Freistaats stark.

          Die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, ist in Deutschland außerhalb der AfD und ihres Umfelds weitgehend auf Entsetzen gestoßen. Aber im Südosten der Republik scheinen einige Menschen die Sache anders zu sehen. „Der Austritt Großbritanniens kann zur Chance für die Demokratie in der EU werden. (…) Diese demokratische Entscheidung gilt es zu respektieren und jede Form von Panikmache ist unbegründet“ schrieb die Bayernpartei kurz danach auf Facebook, und weiter: „Auch für Bayern ist die Zeit eines Volksbegehrens gekommen.“ Die Kleinpartei fordert bereits seit 1946 einen unabhängigen bayrischen Staat. Dabei ist man durchaus zur Selbstironie fähig: Im Europawahlkampf 2009 hängte die Bayernpartei in Berlin jede Menge Plakate auf mit dem Spruch „Wollt ihr nicht auch die Bayern loswerden?“. Auch die Domain bayern-loswerden.de hat sie sich reserviert.

          Auf den ersten Blick wirkt die Sezession Bayerns wie die absurde Forderung einer Splittergruppe. Aber derartige Wünsche sind offenbar weiter in der bayrischen Gesellschaft verbreitet, als man meinen könnte: Laut einer Umfrage der Hanns-Seidel-Stiftung von 2011 wünschen sich 40 Prozent aller Bayern mehr Unabhängigkeit vom Bund, knapp ein Viertel befürwortet einen autonomen bayerischen Staat.

          In der letzten Zeit ist die Bayernpartei im Aufwind

          Zwar fristete die Bayernpartei während eines Großteils ihrer Geschichte eine Randexistenz, damit könnte es jedoch bald vorbei sein: 2013 kam sie sowohl bei den Bundes- als auch bei den Landtagswahlen auf das beste Ergebnis seit den sechziger Jahren. Die Fünfprozenthürde hat sie dabei allerdings noch nicht überschritten. Als im September 2014 die Schotten über ihre Unabhängigkeit Schottlands abstimmten, wünschte die Bayernpartei auf ihrer Website den „schottischen Freunden von Herzen einen Sieg beim Referendum“. Ein unabhängiges Schottland, so hoffte man, könne ein Exempel für die bayrische Unabhängigkeit statuieren.

          Die Schotten stimmten schließlich für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Die Bayernpartei jedoch ist weiterhin im Aufwind: Zuletzt wechselten im Mai 2016 vier Münchener Stadträte aus anderen Parteien dorthin, was die Bayernpartei zur zweitgrößten Oppositionspartei in der Hauptstadt machte. Alleine in den ersten drei Monaten dieses Jahres gewann die Partei 200 neue Mitglieder.

          Aber auch in der CSU hat der bayerische Separatismus Freunde. Nicht nur den Bamberger Kreisrat Georg Pfister, der auf Parteitagen seit Jahren immer wieder flammende Reden für die Unabhängigkeit des Freistaats hält: Auch Franz-Josef Strauß‘ langjähriger Weggefährte Wilfried Scharnagl schrieb vor vier Jahren das Buch „Bayern kann es auch allein“, in dem er für einen eigenständigen bayerischen Staat plädiert.

          Bayern als „Sponsor der Bundesrepublik Deutschlands“

          Wenn man bayerische Separatisten nach ihrer Motivation fragt, argumentieren sie gerne mit eigenständiger Tradition, Kultur und Geschichte Bayerns, mit Heimatverbundenheit. Man könnte den Eindruck haben, die Bayernpartei sei in erster Linie ein politischer Trachtenverein. Das SZ-Magazin „jetzt“ spottete einmal, die Partei spreche Menschen an, die „mehr Lederhosen als Laptop wollen“. Doch es geht auch um Geld: Die Tatsache, dass Bayern mehr als die Hälfte der Gesamtsumme in den Länderfinanzausgleich einzahlt, scheint einigen nicht zu schmecken. Die Bayernpartei jedenfalls bezeichnet ihr Bundesland auf Facebook als „offiziellen Sponsor der Bundesrepublik Deutschland“.

          Auch wenn sich die meisten Menschen in Deutschland wohl nicht vorstellen können, dass in absehbarer Zeit ein Bayxit stattfindet, bleibt die Bayernpartei optimistisch: Ihr Vorsitzender Florian Weber sagte der „Süddeutschen Zeitung“ im April, ein Jahr vor dem Mauerfall habe auch niemand gedacht, dass es ein wiedervereinigtes Deutschland geben könne. Und: Anders als beim Brexit sind es nicht die Alten, die die Sezession befürworten. Die stärkste Wählergruppe der Bayernpartei bei der Landtagswahl 2013 waren die 18- bis 30-Jährigen.

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