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Kampf um Cameron-Nachfolge : Leadsom spielt die Mutter-Karte

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Nach dem Interview distanziert sich Andrea Leadsom von ihren Äußerungen. Bild: AP

Andrea Leadsom will die nächste Premierministerin Großbritanniens werden und bezeichnet ihre Mutterschaft als Vorzug im Gegensatz zu ihrer Konkurrentin Theresa May. Dafür erntet sie heftige Kritik in der eigenen Partei.

          Der Kampf innerhalb der britischen Konservativen um die Nachfolge des scheidenden Premierministers David Cameron wird mit immer härteren Bandagen ausgefochten: Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom suggerierte, sie als Mutter wäre für das Land eine bessere Regierungschefin als ihre kinderlose Konkurrentin Theresa May. Zwar sei eine Debatte, „Andrea hat Kinder, Theresa hat keine“ fürchterlich, sagte Leadsom der „Times“ vom Samstag. „Aber ganz ernsthaft fühle ich, eine Mutter zu sein bedeutet, dass dir ganz viel an der Zukunft unseres Landes liegt.“ Die Außenseiterin Leadsom und die favorisierte Innenministerin May sind die beiden letzten von ursprünglich fünf Bewerbern um die Nachfolge von Cameron, der nach dem Brexit-Votum seinen Rücktritt als Partei- und Regierungschef angekündigt hat.

          Leadsom löste mit ihren Äußerungen eine Welle der Empörung unter den britischen Tories aus. „Ich bin kinderlos“, twitterte etwa die Vorsitzende der Konservativen in Schottland, Ruth Davidson. „Ich glaube, dass mir – wie jedem anderen auch – sehr viel an unserem Land liegt.“ Leadsom bezeichnete den „Times“-Artikel als Gossen-Journalismus. Vor laufenden Kameras vor ihrem Haus erklärte sie, Mutterschaft spiele keine Rolle in ihrer Wahlkampagne.

          Die „Times“ veröffentlichte nach der Kritik einen Mitschnitt des Interviews mit Leadsom, der landesweit in den Morgensendungen wiederholt wurde. May selbst beließ es bei einer Twitter-Botschaft: „Gestern habe ich mein Versprechen einer sauberen Kampagne abgegeben und ich lade Andrea Leadsom dazu ein, sich diesem Verprechen anzuschließen.“ May hatte vergangenen Sonntag in der „Mail on Sunday“ davon gesprochen, wie traurig sie und ihr Ehemann Philipp über die erzwungene Kinderlosigkeit seien: „Du siehst Freunde, die nun erwachsene Kinder haben, aber du akzeptierst, was das Schicksal für dich vorgesehen hat.“

          May und Leadsom müssen sich einem Votum der Parteibasis stellen, das bis zum 9. September vorliegen soll. Die Siegerin wird nach Margaret Thatcher die zweite Regierungschefin in der Geschichte des Landes und steht vor der Aufgabe, es aus der Europäischen Union zu führen. May hatte sich im Brexit-Wahlkampf für einen Verbleib in der EU stark gemacht. Leadsom gehörte zu den lautstarken Befürwortern eines Austritts.

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