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Kampagne gegen EU-Ausstieg : Mehr als zwei Millionen Stimmen für ein zweites Brexit-Referendum

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Getrübt: Stimmung und Wetter in London Bild: dpa

Brexit? Nicht mit uns, denken sich Hunderttausende und fordern ein weiteres Referendum über die EU-Mitgliedschaft. Ein Labour-Abgeordneter rief das Parlament auf, das Brexit-Votum außer Kraft zu setzen.

          Der Austritt Großbritanniens aus der EU ist besiegelt – doch viele Menschen wollen sich mit dem knappen Sieg der Brexit-Befürworter offenbar nicht so einfach abfinden. In einer Petition fordern Tausende eine zweite Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft. Schon am Freitagnachmittag hatten mehr als 115.000 Menschen die Petition unterzeichnet, bis zum Samstagabend waren es mehr als zwei Millionen Stimmen. Unter dem Ansturm der Unterzeichner brach die offizielle Parlamentsseite vorübergehend zusammen.

          Allerdings lässt sich aus der großen Zahl nicht schließen, wie viele Briten sich beteiligt haben. FAZ.NET gelang es, in kürzester Zeit selbst abzustimmen. Voraussetzung ist lediglich ein Kreuz an der Stelle, an der der Nutzer versichert, britischer Staatsbürger zu sein. 

          In der Petition fordern die Unterzeichner die britische Regierung dazu auf, ein neues Gesetz zu erlassen, nach dem automatisch ein weiteres Referendum erforderlich wird, wenn bei einer Wahlbeteiligung von bis zu 75 Prozent keine Seite mehr als 60 Prozent der Stimmen erreicht. Die Petition war bereits Ende Mai gestartet worden, fand am Freitag aber schnell Zehntausende neue Unterstützer.

          Das Parlament werde das Anliegen für eine Debatte in Betracht ziehen, hieß es auf der Webseite, nachdem die Marke von 100.000 Unterzeichnern erreicht worden war. Zudem soll die Regierung auf die Petition antworten – dafür waren 10.000 Unterstützer notwendig.

          Der britischer Labour-Abgeordnete David Lammy rief das Parlament auf, das Brexit-Referendum zu kippen. Das Ergebnis sei nicht bindend, das Parlament solle es mit einem Votum außer Kraft setzen, forderte er. Die britische Agentur PA zitierte ihn am Samstagabend mit den Worten: „Wir können diesen Wahnsinn durch eine Abstimmung im Parlament stoppen und diesen Albtraum beenden.“

          London soll unabhängig werden und EU beitreten

          In einer weiteren Petition fordern zudem Zehntausende Londoner den Verbleib ihrer Stadt in der EU. Bis Samstagvormittag unterzeichneten mehr als 114.000  Menschen die Petition auf der Online-Plattform change.org, in der Bürgermeister Sadiq Khan aufgefordert wird, die Hauptstadt für unabhängig zu erklären und ihren EU-Beitritt zu beantragen. Im Gegensatz zur Mehrheit der Briten haben 60 Prozent der Londoner gegen den EU-Austritt gestimmt.

          Monothematisch: die Abendzeitungen am Freitag in London

          „London ist eine internationale Stadt, und wir wollen im Herzen Europas bleiben“, heißt es in der Petition: „Machen wir uns nichts vor – der Rest des Landes ist anderer Meinung. Deshalb sollten wir, statt bei jeder Wahl künftig passiv-aggressiv gegeneinander zu stimmen, die Scheidung vollziehen und mit unseren Freunden auf dem Kontinent zusammenziehen“. Eine weitere Online-Petition mit dem Titel „London soll Teil der Europäischen Union bleiben“ sammelte über 9000 Unterschriften.

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