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Hat er eine Frau begrapscht? : Journalistin erhebt Vorwürfe gegen Johnson

Boris Johnson am Sonntag beim Besuch des North Manchester General Hospital Bild: AFP

Ab Sonntag diskutieren die Tories bei einem Parteitag in Manchester über den Brexit-Kurs. Unterdessen wächst der Druck auf Premierminister Johnson – nicht nur wegen der Affäre um ein Ex-Model.

  • Aktualisiert am
          4 Min.

          Zum Beginn des Parteitags der regierenden Konservativen ist der britische Premierminister Boris Johnson noch stärker unter Druck geraten. Ihm wird vorgeworfen, als Londoner Bürgermeister eine Freundin bevorteilt zu haben, Ängste vor Unruhen zu wecken und Kriegsrhetorik zu verwenden. Zudem bezichtigte ihn am Sonntag auch noch eine Journalistin, sie begrapscht zu haben. Die Tories tagen von Sonntag bis Mittwoch in Manchester.

          Der Brexit-Fachmann der Labour-Partei, Keir Starmer, warf Johnson in der Nacht zu Sonntag via Twitter vor, vorsätzlich Ängste vor Unruhen – sogar mit Toten – zu schüren, wenn der Brexit Ende Oktober nicht stattfände. Auf diese Weise könnte der Premier versuchen, eine Notstandsermächtigung zu aktivieren und so die Verlängerung der EU-Mitgliedschaft vermeiden. Es sei ziemlich offensichtlich, dass das so abgestimmt sei. „Wenn das Teil des Plans von Johnson ist, die Kompetenzen unter einer Notstandsgesetzgebung zu missbrauchen, werden wir ihn vor Gericht und im Parlament besiegen“, schrieb Starmer.

          Notstandsgesetzgebung – der einzig mögliche Weg?

          Der von Johnson geschasste ehemalige Tory-Abgeordnete Dominic Grieve sagte nach Angaben des „Guardian“, er sehe keinen anderen Weg, wie Downing Street das Gesetz einhalten und den Brexit bis zum 31. Oktober erreichen könne. Eine Notstandsgesetzgebung sei der einzig mögliche Weg, den er sich vorstellen könne, sagte der ehemalige Generalstaatsanwalt. „Aber wenn sie das versuchen, wäre das eine verfassungswidrige Empörung. Und wenn es das Parlament passieren würde, würde es sofort gerichtlich angefochten.“

          Johnson war schon zuvor quer durch alle Parteien wegen seiner kriegerischen Ausdrucksweise im Brexit-Streit scharf kritisiert worden. Er hatte die Befürworter einer weiteren Verlängerung der Brexitfrist der „Kapitulation“ und des „Verrats“ beschuldigt.

          Johnson wird außerdem vorgeworfen, als Bürgermeister von London Jennifer Arcuri, Start-up-Gründerin und Ex-Model aus den Vereinigten Staaten, begünstigt zu haben. Nach Angaben der „Sunday Times“ sollen die beiden ein Verhältnis miteinander gehabt haben. Johnson und Arcuri wiesen die Vorwürfe zurück.

          Für Johnson könnte es noch schlimmer kommen: Die „Sunday Times“-Kolumnistin Charlotte Edwardes bezichtigte ihn, sie in seiner Zeit als Chefredakteur des konservativen „Spectator“-Magazins um die Jahrtausendwende begrapscht zu haben. Später habe sie erfahren, dass es einer anderen Frau genauso ergangen sei, schrieb Edwardes zum zweiten Jahrestag der Metoo-Bewegung.

          Hammond: Johnson genießt Unterstützung von Spekulanten

          Der frühere Finanzminister Philip Hammond warf Johnson unterdessen vor, die Unterstützung von Spekulanten zu genießen, die Milliarden auf einen No-Deal-Brexit gesetzt hätten, um von dem erwarteten Währungsverfall zu profitieren. „Für sie taugt nur ein einziges Ergebnis: ein krachender No-Deal-Brexit, der die Währung abstürzen und die Inflation ansteigen lässt“, schrieb Hammond in der „Sunday Times“. Der Tory-Politiker wurde von Johnson aus der Fraktion geworfen, nachdem er mit der Opposition für ein Gesetz gestimmt hatte, mit dem ein ungeregelter Brexit verhindert werden soll.

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