https://www.faz.net/-icu-9qtbe

Nickerchen bei Brexit-Debatte : „Die Verkörperung von Arroganz und Dünkel“

  • Aktualisiert am

Gute Nacht! Brexit-Hardliner Jacob Rees-Mogg streckt sich während der Debatte im Parlament aus und schließt immer wieder die Augen. Bild: AFP

Ganz Großbritannien ist wegen des anstehenden Brexit in Aufruhr – doch Hardliner Jacob Rees-Mogg interessierte die Debatte im Parlament offenbar nicht so sehr. Sein provokatives Nickerchen sorgt für Empörung.

          1 Min.

          Es ist wahr, die Debatte, wann, wie, in welcher Form und ob überhaupt Großbritannien die Europäische Union verlässt, zieht sich in die Länge. Auch nach mehr als drei Jahren ist längst noch nicht klar, unter welchen Umständen die Briten aus der EU ausscheiden. Am Dienstagabend kehrte das britische Parlament aus seiner Sommerpause zurück – und wieder einmal diskutierten und stritten die Abgeordneten stundenlang über den Brexit.

          Wohlgemerkt wurden einige bedeutende Ergebnisse erzielt und haben sich wegweisende Dinge ereignet: Doch den Brexit-Hardliner Jacob Rees-Mogg schien die historische Runde am Abend nur noch am Rande zu interessieren. Provozierend und für längere Zeit streckte sich der Fraktionsvorsitzende der Konservativen über mehrere Plätze hinweg und schloss zwischendurch immer wieder die Augen.

          „Verachtung für dieses Haus und das Volk“

          Die Aktion von Rees-Mogg blieb bei den meisten Abgeordneten nicht unbemerkt und rief sogar lautstarken Widerspruch hervor. Auf einem Video ist zu hören, wie der angeblich so müde Rees-Mogg während einer Rede der Grünen-Parlamentarierin Caroline Lucas immer wieder aufgefordert wird, sich gerade hinzusetzen. Lucas selbst erklärte, Rees-Mogg habe mit seiner Körpersprache „die Verachtung für dieses Haus und das Volk deutlich gemacht“. Rees-Mogg selbst grinste daraufhin nur und rückte seine Brille zurecht.

          Auch die Labour-Abgeordnete Anna Turley echauffierte sich via Twitter über die Aktion des Brexit-Hardliners, stellte ein Foto von Rees-Mogg online und kommentierte es eindeutig: „Die Verkörperung von Arroganz, Dünkel, Respektlosigkeit und Geringschätzung unseres Parlaments.“

          Dass britische Abgeordnete sich während der Debatten etwas verrenken und zurücklehnen, kommt durchaus häufiger vor, da sich in den Lehnen ihrer Bänke Lautsprecher verbergen und die Parlamentarier so besonders die Wortbeiträge aus den hinteren Reihen besser verstehen können. Eine solch exzessives Ausbreiten, wie es Rees-Mogg zur Schau gestellt hat, ist britischen Medien zufolge indes dennoch selten. Deswegen rief die Aktion des Politikers auch generell in den sozialen Netzwerken binnen weniger Stunden tausende Kommentare und jede Menge Häme und Spott hervor:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abwärtstrend der Union : Die verlorene Heimat

          Für viele in der Union war Schwarz-Grün mal eine moderne Idee. Jetzt wächst die Angst, dass die Grünen übermächtig werden – und sie selbst als Juniorpartner enden.
          Unser Sprinter-Autor: Oliver Georgi

          F.A.Z.-Sprinter : Wer kann SPD-Vorsitz?

          Während es bei der SPD zum nächsten Duell um den Vorsitz kommt, läuft es bei den Grünen prächtig. Es steht sogar die Frage nach der Kanzlerkandidatur im Raum. Was sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Sprinter.
          Die Polizei nimmt an der Polytechnischen Universität in Hongkong Protestierende fest.

          Krise in Hongkong : Unter Belagerung

          Hunderte Hongkonger Aktivisten harren auf dem Campus der Polytechnischen Universität aus. Die Polizei hat das Gelände umstellt – und droht mit dem Einsatz scharfer Munition.

          DFB-Team vor EM 2020 : Der Zauber lässt sich nicht zurückholen

          Vor der EM 2020 sollen bei der DFB-Elf die Kräfte von 2010 reanimiert werden. Die Analogie liegt auf der Hand. Wie damals wurde die Auswahl verjüngt, Hierarchien wurden aufgebrochen. Doch so leicht ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.