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Gespaltenes Land : Was der Brexit für Nordirland bedeutet

  • -Aktualisiert am

Jeder weiß eine Geschichte zu erzählen: In der Bogside in Derry eskalierte die Gewalt am Bloody Sunday 1972. Bild: Mona Jaeger

Vor zwanzig Jahren endete der nordirische Bürgerkrieg, doch die Gesellschaft ist weiter gespalten. Der Brexit wird zur Bewährungsprobe für den fragilen Frieden auf der Insel.

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          Wenn man eine Pistole 40 Jahre lang gut pflegt, dann rostet sie nicht. Und wenn man den Hass gut pflegt, dann rostet der auch nicht. „Das Ding hat mich immer daran erinnert, dass es jederzeit wieder losgehen kann“, sagt Peter Flor. Und obwohl er schon lange nicht mehr als Forstaufseher arbeitet, trägt er noch immer die dunkelgrüne Hose und die schweren Schuhe, unter denen hier, am nördlichen Zipfel Nordirlands, der Matsch in Peters Garten quietscht. Das Zerbrechlichste an ihm ist eine Porzellantasse in einer Vitrine in seinem Wohnzimmer, auf der die lächelnde Queen abgebildet ist. Peter ist Witwer. Er ist jederzeit bereit.

          Mona Jaeger

          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten.

          Als er mal eine große Britannien-Flagge auf eine Leinwand spannte und die auf den Bordstein stellte, weil er keinen Fahnenmast im Garten hat, an dem er seine Loyalität zeigen kann, kam die Polizei vorbei und forderte ihn auf, alles wieder einzupacken. „Ich kämpfe für unsere Sache, und unsere Polizisten sagen mir, das geht nicht.“ Peter Flors Faust saust durch die Luft. „Das ist verrückt.“ Seiner Meinung nach müsste jeder Unionist von der britischen Regierung in London einen Fahnenmast in den Garten gestellt bekommen. Und jeder gute Bürger müsste beim Einschlafen an den Union Jack denken und beim Aufwachen auch.

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