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Großbritannien verlässt die EU : Kommt ein Steuerkrieg mit den Briten?

  • -Aktualisiert am

Noch weht die Europa-Flagge vor Big Ben. In zwei Jahren soll sie eingeholt werden. Bild: EPA

Am Mittwoch schickt Theresa May die Austrittserklärung der Briten nach Brüssel. Was bedeutet das für uns? Muss Deutschland künftig mehr zahlen? Und welche Rechte haben Deutsche auf der Insel künftig? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Brexit.

          Großbritannien ist die sechstgrößte Volkswirtschaft der Erde, nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte in der EU. Der Brexit schwächt deshalb das wirtschaftliche Gewicht der Gemeinschaft und damit auch Deutschlands Stimme in der Welt. Außerdem erwirtschaften wir im Handel mit Großbritannien einen großen Überschuss, vor allem Autos gehen auf die Insel. Zölle und andere Handelsbarrieren könnten das gefährden.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Andererseits haben die Briten nicht viele Alternativen dazu, weiterhin Waren aus der EU einzuführen. Eine eigene Industrieproduktion hat das Mutterland der industriellen Revolution kaum noch. Dadurch ist eine enorme Abhängigkeit vom Finanzsektor entstanden. Der Einbruch in der Finanzkrise nach 2008 ist einer der Gründe dafür, dass Großbritannien ein immenses Defizit mit sich herumschleppt. Die Gesamtverschuldung liegt viel höher als in Deutschland und ungefähr auf gleichem Niveau wie in Frankreich. Schatzkanzler Philip Hammond hat schon angekündigt, dass die Staatsverschuldung durch den Brexit weiter steigt. Ganz so stark, wie es sich die britische Regierung selbst einredet, ist das Land also nicht.

          Angst vor einem harten Brexit

          Jene Briten, die ursprünglich gegen den Brexit stimmten, hoffen nun auf einen halbwegs gütlichen Deal mit Brüssel. Dass er kommt, ist jedoch alles andere als sicher. Von der Lieblingsvariante der britischen Europa-Freunde hat sich die Premierministerin schon im Januar verabschiedet. Aus dem Binnenmarkt will sie auf jeden Fall ausscheiden, weil sich die wichtigsten Ziele der Brexit-Befürworter sonst gar nicht erreichen lassen: Kontrolle über die Einwanderung und volle Souveränität über die Gesetzgebung.

          Ein „weicher“ Brexit kann jetzt allenfalls noch heißen, sich gütlich über die Modalitäten der Trennung zu verständigen und mit Übergangsfristen ein Freihandelsabkommen anzustreben. Auf dem Weg dahin gibt es viele Klippen. Es kann sein, dass die Verhandlungen schon an Finanzfragen scheitern. Es kann auch sein, dass eines der beteiligten Parlamente den Trennungsvertrag ablehnt. Und es kann sein, dass ein Freihandelsabkommen nicht oder nicht rechtzeitig zustandekommt. Dann ist das „Cliff Edge“ erreicht, die Klippenkante.

          Die Briten würden von einem Tag auf den anderen behandelt wie ein Land, mit dem die EU kein Handelsabkommen hat. Das bedeutet Zölle und viel Papierkram, etwa bei der Einfuhr von Lebensmitteln. Vernetzte Produktionsketten wären kaum noch möglich, Autokonzerne vom Festland würden ihre Fabriken auf der Insel vermutlich schließen. Auch im Flugverkehr käme es zu Einschränkungen. Ein Schaden wäre das für beide Seiten, aber für die Briten wäre er wohl größer als für die Rest-EU. Manche Ökonomen rechnen damit, dass die wirtschaftlichen Folgen des Brexits in der zweiten Jahreshälfte spürbar werden, weil die Austrittserklärung nun Realität ist. Ein Zurück gibt es für die Briten von Mittwoch an nicht mehr: Ist die Austrittserklärung erst einmal abgeschickt, lässt sie sich nicht mehr einseitig annullieren.

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