https://www.faz.net/-icu-8jdbq

Großbritannien : Johnsons Talent

Erst wurde Boris Johnson Fahnenflucht vorgeworfen, nun beschwert man sich über seinen Eintritt ins neue britische Kabinett. Das sagt vor allem viel über die Gefühlswelt mancher Politiker hierzulande aus.

          Boris Johnson kann es seinen Kritikern auf dem Kontinent nicht recht machen. Erst wurde ihm (nicht zu Unrecht) Fahnenflucht vorgeworfen; jetzt beschwert man sich darüber, dass er doch ins Kabinett eintritt. Das sagt mehr über die Gefühlswelt mancher Politiker in Deutschland oder Brüssel als über das Gewicht, dass dieser Personalie beizumessen ist.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Eine wohlwollende Deutung lautet, dass Johnson noch bewusst geworden ist, dass er als Wortführer der Brexit-Bewegung das Vaterland in dieser ungewissen Stunde nicht im Stich lassen sollte. Dagegen spricht jedoch, dass er sich mit einem Außenministerium zufriedengibt, das in den Austrittsverhandlungen mit der EU keine zentrale Rolle spielen wird. Das ist ein bemerkenswerter Kompetenzverzicht.

          Es gibt kein politisches Thema, das in den nächsten Jahren wichtiger für Großbritannien sein wird als der Brexit; hier entscheidet sich das Schicksal der Nation für eine Generation. Johnson wird sich damit trösten, dass rhetorisches Talent auf diplomatischen Empfängen mindestens so geschätzt wird wie in Zeitungskolumnen.

          Weitere Themen

          Norbert Hofer wird neuer FPÖ-Chef

          Nach Strache-Rücktritt : Norbert Hofer wird neuer FPÖ-Chef

          Wie erwartet soll Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer Heinz-Christian Strache als Chef der FPÖ ablösen. Er pflegt das Image des „Sorgen-Onkels“ und gilt als „Mann des Volkes“. Johann Gudenus zieht indes Konsequenzen aus der Videoaffäre.

          Großer Protest gegen Nationalismus Video-Seite öffnen

          Europa vor den Wahlen : Großer Protest gegen Nationalismus

          Eine Woche vor der Europawahl sind tausende Menschen in mehreren Städten in Deutschland auf die Straße gegangen, um ein Zeichen gegen Nationalismus zu setzen. Europaweit waren Demonstrationen in rund 50 Städten geplant.

          Zehntausende demonstrieren für Europa Video-Seite öffnen

          Gegen Nationalismus : Zehntausende demonstrieren für Europa

          Sie sind für Europa und gegen Nationalismus – das zeigten zehntausende in vielen Städten Deutschlands. Auch das Scheitern der rechtspopulistischen Koalition in Österreich war auf den Demonstrationen ein Thema.

          Topmeldungen

          Ihr Europawahlkampf für die SPD gestaltet sich schwer: Katarina Barley

          Barleys zäher Wahlkampf : Im Netz unten durch, sonst kaum beachtet

          Die SPD hat für die Europawahl eine sympathische Kandidatin aufgestellt. In den Umfragen hilft das aber nicht. Warum hat es Katarina Barley trotz ihrer sympathischen und kompetenten Art so schwer?

          Kurz’ Zögern : Gefangen in der Ibiza-Falle

          Lange wartete Österreichs Kanzler, bis er sich zum Video von FPÖ-Chef Strache äußerte. Dabei war ihm schnell klar, dass sein Vize nicht zu halten ist. Dessen Parteifreund Gudenus soll derweil weiter Kontakt zu der vermeintlichen Oligarchennichte gehalten haben.

          Bürgerschaftswahl in Bremen : Rot-Rot-Grün oder nichts

          In den Umfragen steht die Bremer SPD schlecht da. Jetzt schließt sie ein Bündnis mit der CDU aus. Sie setzt damit die anderen Parteien unter Druck – und könnte so die Karten neu mischen.
          Heiko Maas vor einer Regierungsmaschine auf dem Flughafen in Berlin-Tegel

          Antrittsbesuch in Bulgarien : Maas hat wieder Pech mit seinem Flieger

          Zum dritten Mal in drei Monaten: Heiko Maas hat wieder Ärger mit einem Flieger der deutschen Bundeswehr. Bei seiner Reise nach Bulgarien hatte der deutsche Außenminister mehr als eine Stunde Verspätung, weil ein Triebwerk nicht ansprang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.