https://www.faz.net/-icu-8jdbq

Großbritannien : Johnsons Talent

Erst wurde Boris Johnson Fahnenflucht vorgeworfen, nun beschwert man sich über seinen Eintritt ins neue britische Kabinett. Das sagt vor allem viel über die Gefühlswelt mancher Politiker hierzulande aus.

          1 Min.

          Boris Johnson kann es seinen Kritikern auf dem Kontinent nicht recht machen. Erst wurde ihm (nicht zu Unrecht) Fahnenflucht vorgeworfen; jetzt beschwert man sich darüber, dass er doch ins Kabinett eintritt. Das sagt mehr über die Gefühlswelt mancher Politiker in Deutschland oder Brüssel als über das Gewicht, dass dieser Personalie beizumessen ist.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Eine wohlwollende Deutung lautet, dass Johnson noch bewusst geworden ist, dass er als Wortführer der Brexit-Bewegung das Vaterland in dieser ungewissen Stunde nicht im Stich lassen sollte. Dagegen spricht jedoch, dass er sich mit einem Außenministerium zufriedengibt, das in den Austrittsverhandlungen mit der EU keine zentrale Rolle spielen wird. Das ist ein bemerkenswerter Kompetenzverzicht.

          Es gibt kein politisches Thema, das in den nächsten Jahren wichtiger für Großbritannien sein wird als der Brexit; hier entscheidet sich das Schicksal der Nation für eine Generation. Johnson wird sich damit trösten, dass rhetorisches Talent auf diplomatischen Empfängen mindestens so geschätzt wird wie in Zeitungskolumnen.

          Weitere Themen

          Johnson kommt nach Brüssel

          Drama um Brexit-Deal : Johnson kommt nach Brüssel

          Die nächste Verlängerung: Ursula von der Leyen und Boris Johnson wollen ihre „bedeutsamen Meinungsunterschiede“ zu den künftigen Beziehungen zwischen EU und Großbritannien in einem persönlichen Treffen klären. Der Zeitdruck ist enorm.

          Topmeldungen

          Schwieriges Terrain für die grüne Parteichefin: Annalena Baerbock am Freitag im Stahlwerk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt

          Besuch im Stahlwerk : Baerbocks Auswärtsspiel

          Ausgerechnet in einem Stahlwerk in Eisenhüttenstadt präsentiert die Kanzlerkandidatin der Grünen ihre Pläne für eine klimafreundliche Wirtschaftpolitik. Wie kommt das an?
          Die frühere AfD-Vorsitzende Frauke Petry stellt am 18. Juni ihr neues Buch vor.

          Neues Buch : Frauke Petry rechnet mit der AfD ab

          Die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry meint, dass ihre frühere Partei einen langsamen Tod sterben werde. Gegen Jörg Meuthen und Alice Weidel erhebt sie in ihrem Buch „Requiem für die AfD“ schwere Vorwürfe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.