https://www.faz.net/-icu-9roqz

Ton im britischen Parlament : Es wird immer giftiger

Gegner von Boris Johnson sehen seine Rhetorik als Teil einer sinistren Strategie. Bild: Reuters

Der Brexit hat die Briten verändert. Die Menschen sind gereizter als früher. Manche Politiker heizen den Zorn an. Andere bekommen Morddrohungen.

          5 Min.

          George Orwell, der Sprachlehrer der gebildeten englischen Stände, hielt nicht viel von Politiker-Rhetorik. „Die politische Sprache – und in Variationen gilt dies für alle politischen Parteien, von den Konservativen bis zu den Anarchisten – ist dafür gemacht, Lügen wahr und Mord respektabel klingen zu lassen sowie dem Wind einen Klang von Solidität zu verleihen“, schrieb er ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Boris Johnson, der als gelernter Journalist seinen Orwell gelesen hat, ist zumindest das nicht vorzuwerfen. Er hält sich auch im Amt des Premierministers an Orwells Rat, sich vor jeder Formulierung vier Fragen zu stellen: „Was will ich sagen? Welche Wörter drücken das aus? Welches Bild macht das klarer? Ist das Bild frisch genug, um zu wirken?“

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Aussprechen, was andere verklausulieren, Gedanken auf den Punkt bringen, originelle Bilder finden – so konnte Johnson in die erste Reihe der Politik aufsteigen. Die Menschen hörten ihm gerne zu, weil er verständlich und unterhaltsam sprach. Doch nun, im höchsten Regierungsamt, wendet sich die Gabe gegen ihn. In einem Land, das bedrohlich auseinanderdriftet, sind nicht mehr Zuspitzung und Provokation gefragt, sondern Mäßigung und Brückenbau.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. + F.A.S. – Adventsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          SPD-Parteitag beginnt : Was ist links?

          Das neue Führungsduo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken wird die SPD weiter ins Abseits treiben – und die reine linke Lehre die Sozialdemokratie nicht retten. Eine Analyse.