https://www.faz.net/-icu-9aotx

Milliardär und Investor : Soros will neues Brexit-Referendum erzwingen

  • Aktualisiert am

Der aus Ungarn stammende amerikanische Investor George Soros Bild: EPA

Der Investor George Soros hat schon viel Geld für Politik- und Bildungseinrichtungen gespendet. Jetzt will er offenbar den Brexit verhindern – mit einer Kampagne in Großbritannien.

          2 Min.

          Der aus Ungarn stammende Investor George Soros will mit einer Kampagne offenbar eine abermalige Abstimmung über den Brexit erzwingen. Die Initiative „Best for Britain“ soll die Briten binnen eines Jahres gegen das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union mobilisieren, wie die britische Zeitung „Guardian“ berichtet.

          Der Brexit sei ein „immens schädlicher Prozess für beide Seiten“, sagte der 87 Jahre alte Soros demnach in einer Rede am Dienstag in Paris, wenige Tage vor dem für den 8. Juni geplanten Start seiner Kampagne. Diese habe schon mehrere Millionen Pfund von Spendern erhalten und erfolgreich Einfluss auf britische Parlamentarier genommen, damit die sich in Abstimmungen gegen Theresa Mays Pläne für den Brexit stellten.

          „Die Trennung wird ein langer Prozess, der womöglich mehr als fünf Jahre in Anspruch nehmen wird. Fünf Jahre sind in der Politik eine Ewigkeit, besonders in unruhigen Zeiten wie heute“, warnte Soros dem „Guardian“ zufolge in seiner Rede mit dem Titel „Wie man Europa rettet“. Die EU stehe vor einer existenziellen Krise.

          In der Vergangenheit sei zwar vieles in der Gemeinschaft schiefgelaufen, aber dennoch sei es besser, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, sagte der Investor. Weil die Zeit dränge, wolle seine Initiative deshalb bald mit den britischen Wählern, aber auch mit Brüssel in den Dialog zu treten, um sie davon zu überzeugen, dass Großbritannien Teil der EU bleiben sollte.

          Eine der größten privaten Stiftungen weltweit

          Soros wurde 1930 in Budapest geboren, ist aber seit 1961 amerikanischer Staatsbürger. Mit seinem 1969 in Curaçao gegründeten Hedgefonds Quantum hat er Märkte, Zentralbanken und Regierungen unter Druck gesetzt. Bekannt wurde Sorros 1992, als „Mann, der die Bank von England knackte“. Er hatte gegen das Pfund gewettet, verdiente damit eine Milliarde Dollar und beschädigte zudem den Mythos der Bank of England. Andere Spekulationen wie jene gegen den Euro oder gegen die Wahl von Donald Trump gingen später aber daneben.

          Seit den siebziger Jahren engagiert sich Soros immer wieder politisch – 2016 unterstützte er im amerikanischen Präsidentenwahlkampf die demokratische Kandidatin Hillary Clinton. Zudem tritt er immer wieder als Philanthrop in Erscheinung, vor allem in Ost- und Ostmitteleuropa. Seine Stiftungen hat er in den Open Society Foundations (OSF) gebündelt. Der Fonds ist inzwischen einer der größten privaten Stiftungen weltweit.

          In den achtziger Jahren finanzierte Soros noch den damaligen Regimekritiker Viktor Orbán und dessen Fidesz, wurde später aber zu einem der prominentesten Kritiker des ungarischen Politikers. Kürzlich wurde bekannt, dass Soros sich mit seiner proeuropäischen Stiftung Open Society Foundation aus Ungarn zurückziehen will. Seit Jahren wird der Investor von Orbán attackiert, der ihm auch vorwirft, Europa mit Flüchtlingen zu „überschwemmen“.

          Mit der Kampagne „Best of Britain“ will sich Soros nun offenbar für das Wohl der EU einsetzen – auch mit Blick auf die Finanzierungslücke, die durch das Ausscheiden Großbritanniens im EU-Haushalt entstehen wird, wie er in seiner Rede sagte. Letztlich komme es aber auf die Briten an; sie müssten ihren Wunsch, weiterhin in der Gemeinschaft zu bleiben, überzeugend ausdrücken. Beim Referendum 2016 hatten 52 Prozent der Briten für den Brexit gestimmt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          SPD unter neuer Führung : Auf Linkskurs

          Unter Esken und Walter-Borjans wird die SPD einen Linkskurs einschlagen, mit dem sie vor die „Agenda 2010“ zurückfällt. Damit gibt sie allerdings auch den Anspruch auf die „Mitte“ auf.

          Bundesliga im Liveticker : 2:2 – Frankfurt ärgert Klinsmann

          Die Hertha von Jürgen Klinsmann geht in der zweiten Halbzeit mit 0:2 in Frankfurt in Führung. Doch die Eintracht gibt nicht auf – und kommt kurz vor dem Ende zum Ausgleich. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.