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Fremdenhass in Großbritannien : Eine deutsche Einwanderin bittet im Radio um Hilfe

  • Aktualisiert am

Eine Demonstration gegen Rassismus in London, 2015 Bild: Picture-Alliance

Eine deutsche Einwanderin berichtet mit gebrochener Stimme im britischem Radio von dem Fremdenhass, der ihr täglich entgegenschlägt. Die Gegenreaktion im Internet bestätigt ihre Ängste.

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          „Ich wohne seit 43 Jahren hier, und ich habe jetzt solche Angst.“ Das sind die ersten Worte einer älteren deutschen Einwanderin, die beim Radiosender „Leading Britain's Conversation“ (LBC) anruft. Sie heiße Karen, sagt die Frau, und lebe in einer Mittelklasse-Gegend. Seit drei Tagen traue sie sich nicht mehr aus dem Haus.

          Als Karen das erzählt, klingt sie zittrig, ängstlich. Sie berichtet von Hundekot, den jemand an die Fassade ihres Hauses gewofen haben soll; keiner ihrer Freunde wolle noch etwas mit ihr zu tun haben. „Ich verstehe nicht, was los ist“, sagt Karen am Telefon. Die Leute würden ihr sagen, sie solle zurück nach Deutschland. „Aber ich habe dort niemanden“, beklagt Karen mit zittriger Stimme.

          1973 sei sie nach Großbritannien gekommen, ihr Mann war Brite. Seit er tot ist, lebt sie in dem Haus alleine, muss nun auch mit dem Fremdenhass alleine klarkommen.

          Denn helfen möchte ihr keiner, sagt Karen. Beim Bürgerbüro sei sie gewesen, sogar bei der deutschen Botschaft habe sie angerufen. „Sie müssen verstehen, dass die Leute frustriert sind“, erhielt sie nach eigenen Angaben als Antwort. Der Radiomoderator, der ihrer schluchzenden Stimme am Telefon etwa acht Minuten lang zuhört, schlägt vor, bei einer religiösen Gemeinde Hilfe zu suchen. „Sie werden einen Arm um dich legen“, verspricht er.

          Karen scheint das nicht zu glauben. Sie habe eine Freundin gehabt, die seit 20 Jahren regelmäßig in die Kirche gehe, berichtet Karen, und die habe ihr zuletzt gesagt: „All diese verdammten Fremden müssen raus aus dem Land.“

          Das Thema Fremdenhass beschäftigt die Briten seit einigen Tagen. Dass er im Vereinigten Königreich existiert, lässt sich auch an den Kommentaren zum Fall der deutschen Einwandererin auf Twitter ablesen. „Meine 70 Jahre alte Mutter wurde von einer Gang aus obdachlosen Osteuropäern eingeschüchtert, als sie das letzte Mal in London war, und das ist okay?“ fragt ein Nutzer. Andere werfen den Medien vor, Großbritannien als fremdenfeindlich darstellen zu wollen.

          Auf ihre Schilderung kam die ältere Deutsche auch positive Rückmeldungen: „Herzzerreißend“, finden manche Nutzer die Geschichte der älteren Frau. „Das ist so ärgerlich, zu hören. Was stimmt nicht mit den Menschen?“, fragt ein Nutzer.

          Auch Karen versteht nicht, was los ist, sagt sie. Als sie nach Großbritannien kam, hätten ihr die Leute gesagt, ihr deutscher Akzent sei schön. Heute werde sie dafür beschimpft.

          Nachdem die Sendung für viel öffentliche Aufmerksamkeit sorgte, reagierte die deutsche Botschaft kurz darauf mit einer Entschuldigung für Probleme mit der Kommunikation. „Es tut uns sehr leid, was die deutsche Dame erlebt hat, und wir entschuldigen uns von Herzen“, sagte ein Sprecher der „Daily Mail". Bisher gibt es laut Botschaft keine Nachweise für die Schilderung der deutschen Einwanderin. Auch das Bürgerbüro will die Frau ausfindig machen und ihr helfen.

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