https://www.faz.net/-icu-8wt9c

EZB-Aufsicht mahnt : Londons Banken sollen sich rasch auf den Brexit vorbereiten

  • Aktualisiert am

In der „City“: Londons Banken müssen handeln, wenn sie auch nach dem Brexit noch Geschäfte in der EU machen wollen. Bild: dpa

Die Briten verlassen die Europäische Union. Das hat vor allem für die wichtige Finanzbranche des Landes eine bedeutende Folge. Sie muss handeln.

          1 Min.

          Die in der EZB angesiedelte Bankenaufsicht mahnt in Großbritannien ansässige Finanzhäuser wegen des Brexits zur Eile. Denn: Banken, die nach dem Austritt des Landes aus der Europäischen Union weiter Geschäfte in der Gemeinschaft machen wollen, brauchen dafür einen Sitz und eine Banklizenz innerhalb der EU. „Sie sollten entsprechend planen, um ihre Lizenz fristgerecht zu erhalten“, erklärten die Euro-Bankenaufseher in einem an diesem Dienstag veröffentlichten Informationsschreiben für die Geldhäuser.

          Sie mahnten zugleich: „Die Voraussetzungen für eine gut funktionierende Bank müssen erfüllt sein, bevor eine Institution irgendwelche Bankgeschäfte in der Eurozone tätigen darf.“

          Großbritannien hatte Ende März offiziell die Scheidung von der EU eingereicht. Nun läuft eine zweijährige Frist, in der geklärt werden muss, wie genau die Ehe gelöst wird. Die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens endet dann voraussichtlich im März 2019. Die Banken benötigen für Dienstleistungen wie Einlagen- und Kreditgeschäft in der Union rechtlich selbstständige Töchter mit Sitz in einem EU-Staat.

          „Es dauert üblicherweise sechs Monate von der Einreichung eines vollständigen Antrags bis zur Entscheidung über eine Lizenz“, erklärte die EZB. Die Anträge würden nach ihrem Eingang bearbeitet. Spätestens erfolge eine Entscheidung binnen zwölf Monaten. Die EZB kommt dabei aus London umziehenden Banken entgegen. Sie dürfen „für eine begrenzte Zeit“ intern weiter nach britischen Regeln arbeiten.

          Die Aufsichtsbehörde stellte klar, dass es nicht reicht, wenn Banken nur Briefkastenfirmen in der EU installierten und die Geschäfte dann weiter von London aus betrieben. „Alle wesentlichen Risiken müssen lokal verantwortet werden“. Die Institute müssten vor Ort auch über die nötigen Mitarbeiter verfügen. So werden Frankfurt gute Chancen zugeschrieben, zu den Gewinnern des Brexit zu gehören. „Die EZB ist komplett neutral in Sachen Standort“, betonte die Aufsicht.

          Weitere Themen

          EU-Staaten billigen Brexit-Deal

          Nach Verhandlungsdurchbruch : EU-Staaten billigen Brexit-Deal

          Die Chefs der verbleibenden 27 EU-Staaten billigen das neue Brexit-Abkommen. Zudem sagen sie ihre Unterstützung für ein pünktliches Inkrafttreten zu. Jetzt fehlt jedoch noch die Zustimmung des britischen Unterhauses.

          Die EU in Zahlen Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : Die EU in Zahlen

          Die Europäische Union mit ihren 28 Staaten und 512 Millionen dort lebenden Menschen ist einer der bedeutendsten Wirtschaftsräume der Welt. Den Ursprung hat die EU in den Römischen Verträgen von 1957 und sechs Staaten.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson (links) und Jean-Claude Juncker in Brüssel.

          Brexit-Einigung : Abschied von London

          Die Chance auf einen geregelten Brexit besteht. Europa muss das Thema hinter sich lassen, das so viele physische und psychische Ressourcen verbraucht hat. Doch die EU sollte sich nicht täuschen: Es verlässt nicht nur ein Nettozahler das gemeinsame Haus.
          Wolfgang Tiefensee beim Wahlkampf in Thüringen

          Wahlkampf in Thüringen : Frühstück bei Tiefensee

          Ob Rot-Rot-Grün in Thüringen weitermachen kann, hängt von vielen Dingen ab – unter anderem vom Abschneiden der FDP. Die schickt einen Spitzenkandidaten ins Rennen, der ganz nach dem Geschmack von Parteichef Christian Lindner ist.

          Globales Ranking : Apple ist die wertvollste Marke der Welt

          Die Marken von Amerikas Digitalkonzernen sind die wertvollsten der Welt, befindet eine neue Untersuchung. Deutschlands Autobranche schwächelt. Dennoch führt ein Autohersteller das deutsche Ranking an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.