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Camerons Warnung : Keine zweite Chance nach Brexit-Abstimmung

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Der britische Premierminister David Cameron am 10. Juni 2016 während einer Brexit-Debatte auf Buzzfeed und Facebook Bild: AFP

Wenige Tage vor dem Referendum erinnert Premier David Cameron seine Landsleute daran, dass sie bei der Brexit-Abstimmung nur eine Chance haben. Mittlerweile hat sich nach dem Cox-Attentat die Stimmung wieder leicht gedreht.

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          Nach dem tödlichen Attentat auf die proeuropäische britische Abgeordnete Jo Cox sieht eine aktuelle Umfrage die EU-Befürworter wenige Tage vor dem Brexit-Referendum wieder in Führung: Laut der Umfrage des Instituts Survation für die Sonntagszeitung „The Mail On Sunday“ wollen 45 Prozent am Donnerstag für den EU-Verbleib des Königreichs stimmen und 42 Prozent für den Ausstieg.

          Die Umfrage wurde am Freitag und Samstag vorgenommen und ist damit die erste, die die Stimmung nach dem Attentat auf Cox am Donnerstag erhob. Bei der letzten Umfrage des Instituts, die am Donnerstag veröffentlicht worden war, hatte das Brexit-Lager noch mit 45 zu 42 in Führung gelegen.

          Die Website What UK Thinks ermittelt einen Durchschnittswert der letzten sechs veröffentlichten Umfragen. Hatte dieser am Donnerstag die EU-Gegner noch mit vier Punkten in Führung gesehen, so lagen am Sonntag beide Lager wieder bei 50 Prozent.

          Cameron: Brexit ohne Rückkehroption

          Wenige Tage vor der Abstimmung formulierte Großbritanniens Premierminister David Cameron eine eindringliche Warnung an das britische Volk: Er sehe keine Möglichkeit einer Rückkehr seines Landes in die Europäische Union, sollten seine Landsleute am Donnerstag mehrheitlich für einen Austritt aus der Staatengemeinschaft stimmen. Es werde keine zweite Chance geben, über die Rolle Großbritanniens in der EU zu entscheiden, sagte Cameron der „Sunday Times“. „Das ist eine unumkehrbare Entscheidung mit sehr schlechten Konsequenzen für die britische Wirtschaft.“

          Die Zeitung selbst empfahl dagegen ihren Lesern in einem Leitartikel, zunächst für einen Austritt zu stimmen. So solle der Druck erhöht werden, um eine tiefergehende Reform der EU zu erzielen. Diese würde es den Briten dann leichter machen, nach einem zweiten Referendum letztendlich doch in der Gemeinschaft zu bleiben. Die „Sunday Times“ griff damit einen Vorschlag des ehemaligen Londoner Bürgermeisters Boris Johnson auf, einem der prominentesten Verfechter eines „Nein“ zur EU.

          Die Briten stimmen am 23. Juni ab, ob sie die EU verlassen oder Mitglied bleiben wollen. Jo Cox hatte seit Beginn der Kampagne für den Verbleib Großbritanniens in der EU geworben. Sie war am Donnerstag vor einer Bürgersprechstunde in ihrem Heimatort Birstall von dem 52 Jahre alten Thomas Mair getötet worden. Bei seiner ersten Gerichtsanhörung am Samstag hatte er gerufen: „Tod den Verrätern. Freiheit für Großbritannien.“ Ob er Cox ermordete, weil sie für den EU-Verbleib kämpfte, ist aber noch nicht geklärt.

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