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Brexit-Umfrage : Knappe Mehrheit der Briten will in EU bleiben

Gut gelaunt: Nonnen am Donnerstag beim Verlassen eines Wahllokals in London Bild: dpa

In Großbritannien stimmen die Wähler über ihren Verbleib in der EU ab. Eine Internet-Umfrage sieht eine knappe Mehrheit für die Brexit-Gegner – und hat dafür vor allem eine Erklärung.

          Die Briten sollen in der EU bleiben: Zum Beginn des Referendums in Großbritannien an diesem Donnerstag gibt es dafür eine knappe Mehrheit – zumindest in einer Internet-Umfrage des britischen „Independent“ und des Internet-Dienstleisters Apester. In der Online-Befragung, die die Zeitung vom 12. Mai bis zum 20. Juni in 123 Artikeln auf ihrer Webseite veröffentlicht hat und die FAZ.NET vorliegt, gaben insgesamt 359.217 Nutzer ihre Stimme ab. Das Ergebnis: 48,9 Prozent (175.838 Nutzer) stimmten für den Brexit, 51,1 Prozent (183.379) dagegen.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Die Aussagekraft der Umfrage ist zwar mit Vorsicht zu genießen, weil nicht nur britische, sondern Internetnutzer weltweit an der Befragung teilnehmen konnten, was das Ergebnis entsprechend verzerrt. Trotzdem gibt ein genauerer Blick interessante Hinweise auf die Stimmungslage kurz vor der Entscheidung. Denn die meisten Stimmen (rund 252.000) wurden in der Umfrage tatsächlich von Nutzern aus dem Vereinigten Königreich abgegeben – und bei ihnen fällt das Ergebnis für einen Verbleib in der EU mit 53 Prozent sogar noch eindeutiger aus als in der Gesamtumfrage.

          Aber auch ein Blick auf die Ergebnisse in den anderen Ländern ist interessant. Denn in Europa stimmten die Leser ausnahmslos für einen Verbleib Großbritanniens in der EU. In Frankreich sprachen sich knapp 70 Prozent der Teilnehmer gegen einen EU-Austritt aus, in Deutschland sogar rund 71 Prozent – schon in den vergangenen Tagen hatten vergleichbare Umfragen gezeigt, dass das Vertrauen der Deutschen in die EU weiter ungebrochen ist. Auch in Spanien (knapp 63 Prozent) und den Niederlanden (knapp 67 Prozent) fiel die Umfrage eindeutig gegen einen Brexit aus.

          FAZ.NET-Umfrage

          Selbst in Irland, wo viele Bürger Angst vor negativen Auswirkungen eines Brexit für die Wirtschaft haben, stimmten knapp 64 Prozent der Teilnehmer gegen einen Ausstieg Großbritanniens aus der EU – annähernd so viele wie in Spanien und deutlich mehr als in Großbritannien. Insgesamt stimmten in den EU-Ländern im Schnitt 68 Prozent der Befragten für einen Verbleib Großbritanniens in der EU.

          Die Umfrage zeigt deutlich: Wer in der EU ist, will mein der Regel in ihr bleiben, wer nicht, hält nicht allzu viel von ihr. Das belegt auch ein Blick auf die Ergebnisse aus den Vereinigten Staaten und Kanada, wo eine große Mehrheit von 77 Prozent der Befragten für den Brexit stimmte. Auch in den weit entfernten Commonwealth-Ländern Neuseeland und Australien stimmten 57 Prozent und damit deutlich mehr als in Großbritannien für einen Brexit. Unter den Umfrageteilnehmern aus dem Rest der Welt empfahlen sogar 59 Prozent den Briten einen EU-Ausstieg.

          Hat der Mord an Jo Cox die Stimmung gedreht?

          Einer der wohl spannendsten Erkenntnisse der Umfrage findet sich in der Auswertung erst am Ende: Der Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox am 16. Juni, der die britische Öffentlichkeit erschütterte und den Brexit-Wahlkampf für einen Weile unterbrach, hat das Blatt möglicherweise gewendet. Cox war eine glühende Verfechterin der britischen EU-Mitgliedschaft.

          Bis zum 16. Juni war demnach eine knappe Mehrheit von 51,5 Prozent der britischen Umfrageteilnehmer für einen Brexit. Seit dem 16. Juni ist das völlig anders: Bis zum Ende der Umfrage wollten unter den britischen Teilnehmern nur noch 40,3 Prozent die EU verlassen, fast 60 Prozent stimmten jetzt für einen Verbleib.

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