https://www.faz.net/-icu-9lfl2

May, Cameron und der Brexit : Was für ein Traum!

David Cameron in der Traumszene aus der Fernsehserie „Dallas“ als Bobby Ewing (Bildmontage) Bild: Montage F.A.S.

Wie David Cameron ganz heldenhaft Theresa May das Leben rettete – und plötzlich unter der Dusche stand. Eine Satire.

          Woher kam dieses Rauschen? Samantha Cameron schmiegte sich an ihr Kopfkissen. Doch es ging nicht weg. Sie schlug die Augen auf. Das Geräusch kam aus dem Bad. Aber das war völlig unmöglich, sie lebte ja jetzt alleine, nach dem jähen Tod ihres Mannes. Samantha stieg aus dem Bett. Hatte sie vielleicht vergessen, das Wasser abzudrehen? Nein, da stand wirklich jemand unter der Dusche.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Kabinenwand war beschlagen, doch die Silhouette kam ihr bekannt vor. Samantha zog die Duschtür auf. „Guten Morgen“, sagte David und lächelte. Sie starrte ihn an. Dann machte sie die Tür schnell wieder zu und drehte um ins Schlafzimmer. Er stand hinter ihr. „Was ist denn los, Sam? Du siehst ja aus, als ob du gerade einen Geist gesehen hast“ – „Ich hatte einen Albtraum, einen furchtbaren Albtraum“, sagte sie, „ich habe geträumt, dass du tot bist und wir aus der Europäischen Union geflogen sind.“

          Und was das für ein Traum gewesen war! David hatte vor der letzten Unterhauswahl eine Volksabstimmung über den Austritt aus der EU versprochen, um die Quälgeister bei seinen Tories ruhigzustellen. Er dachte, dass er das niemals einlösen müsste, weil er ja sowieso wieder mit den Europafreaks von den Liberaldemokraten regieren würde. Aber dann hatte er auf einmal diese absolute Mehrheit, völlig unerwartet. Und die Idioten fragten nur noch: Wann stimmen wir endlich über den Brexit ab?

          „Darling, was hast du da bloß geträumt?“, sagte David, während er sich das Handtuch um die Hüften band. Er schmunzelte, seine Frau verstand eben mehr von Mode als von Politik. Was für eine Wahnsinnsidee: die Briten über Europa abstimmen zu lassen! Da hätte er ja gleich zurücktreten können. Aber jetzt wollte er unbedingt wissen, wie dieser Traum weiterging.

          Sam berichtete: Das Referendum war an einem schönen Sommertag – und natürlich lagen die Austrittsbefürworter vorn, mit einer Million Stimmen. David hatte sich für Europa stark gemacht, er stand belämmert da. Nichts war vorbereitet. Am Morgen nach dem Referendum erklärte er seinen Rücktritt. Und ein paar Tage später wählte seine Partei Theresa zur Nachfolgerin.

          „Theresa“, unterbrach David sie, „Du meinst Theresa May?“ Sam nickte stumm. David lachte. Er machte sich immer über seine Innenministerin lustig, ihre albernen Tigerpumps und die gigantischen Halsketten. „Du brichst dir noch das Genick!“, hatte er sie gerade gestern nach der Kabinettssitzung angepflaumt. Was sie gar nicht lustig fand. Ach, dieser Traum war einfach zu gut, er würde ihn seinem Freund Rupert erzählen, Rupert Murdoch, wenn sie das nächste Mal in der Downing Street einen Whiskey tranken. Rupert, diese Story könnte nicht mal die „Sun“ erfinden!

          Sam erzählte weiter. Theresa hatte keinen Plan, sie sagte monatelang immer nur „Brexit heißt Brexit“. Boris Johnson nervte die ganze Zeit, den hatte Theresa sich als Außenminister ins Kabinett geholt. – „Was?“, entfuhr es David, „den Bürgermeister von London?“ – Genau den. Boris sagte: Lass uns einfach gehen, raus aus der EU! Diese Eurokraten werden uns auf Knien anbetteln, damit wir ihnen ein Freihandelsabkommen anbieten. Theresa war unsicher. Aber sie wollte sich auch keine Blöße geben, schließlich hatte sie selbst gegen den Austritt gestimmt – aus Pflichtbewusstsein. Und so setzte sie sich an die Spitze der Brexiteers. Sie schloss alles aus: den Verbleib im Binnenmarkt, eine Zollunion, ein Assoziationsabkommen. Stattdessen schwärmte sie von „Global Britain“. Die Tories lagen ihr zu Füßen.

          Weitere Themen

          „Wo ist Boris?”

          TV-Duell für Tory-Vorsitz : „Wo ist Boris?”

          In einer lebendigen Debatte stellen die Kandidaten für den Vorsitz bei den britischen Konservativen unter Beweis, wie groß das Arsenal präsentabler Politiker der Tory-Partei noch ist. Boris Johnson bleibt der Runde fern – und ein anderer sticht heraus.

          Am Ende der Straße

          Bei den Cree in Kanada : Am Ende der Straße

          Eeyou Istchee ist das Land der Cree-Indianer. Die Region liegt im Norden von Quebec, sie ist größer als Deutschland, nur 18.000 Menschen leben hier: Eine Reise an die Gestade der James Bay.

          Vom Winde umweht

          Mikrofonwindschützer aus OWL : Vom Winde umweht

          Mikrofonwindschützer sind die heimlichen Ikonen der Medienwelt. Hergestellt werden sie in Handarbeit. Weltmarktführer des Reporter-Accessoires ist ein Unternehmen in Ostwestfalen.

          Topmeldungen

          Die Spitzen der großen Koalition bei ihrem Treffen im Kanzleramt

          Große Koalition : Union und SPD einigen sich bei Grundsteuer

          Die Spitzen der großen Koalition haben bei der Reform der Grundsteuer einen Kompromiss erzielt. Das Gesetz soll nach monatelangem Streit noch vor der Sommerpause im Bundestag beraten werden.

          TV-Duell für Tory-Vorsitz : „Wo ist Boris?”

          In einer lebendigen Debatte stellen die Kandidaten für den Vorsitz bei den britischen Konservativen unter Beweis, wie groß das Arsenal präsentabler Politiker der Tory-Partei noch ist. Boris Johnson bleibt der Runde fern – und ein anderer sticht heraus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.