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May, Cameron und der Brexit : Was für ein Traum!

David Cameron in der Traumszene aus der Fernsehserie „Dallas“ als Bobby Ewing (Bildmontage) Bild: Montage F.A.S.

Wie David Cameron ganz heldenhaft Theresa May das Leben rettete – und plötzlich unter der Dusche stand. Eine Satire.

          4 Min.

          Woher kam dieses Rauschen? Samantha Cameron schmiegte sich an ihr Kopfkissen. Doch es ging nicht weg. Sie schlug die Augen auf. Das Geräusch kam aus dem Bad. Aber das war völlig unmöglich, sie lebte ja jetzt alleine, nach dem jähen Tod ihres Mannes. Samantha stieg aus dem Bett. Hatte sie vielleicht vergessen, das Wasser abzudrehen? Nein, da stand wirklich jemand unter der Dusche.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Die Kabinenwand war beschlagen, doch die Silhouette kam ihr bekannt vor. Samantha zog die Duschtür auf. „Guten Morgen“, sagte David und lächelte. Sie starrte ihn an. Dann machte sie die Tür schnell wieder zu und drehte um ins Schlafzimmer. Er stand hinter ihr. „Was ist denn los, Sam? Du siehst ja aus, als ob du gerade einen Geist gesehen hast“ – „Ich hatte einen Albtraum, einen furchtbaren Albtraum“, sagte sie, „ich habe geträumt, dass du tot bist und wir aus der Europäischen Union geflogen sind.“

          Und was das für ein Traum gewesen war! David hatte vor der letzten Unterhauswahl eine Volksabstimmung über den Austritt aus der EU versprochen, um die Quälgeister bei seinen Tories ruhigzustellen. Er dachte, dass er das niemals einlösen müsste, weil er ja sowieso wieder mit den Europafreaks von den Liberaldemokraten regieren würde. Aber dann hatte er auf einmal diese absolute Mehrheit, völlig unerwartet. Und die Idioten fragten nur noch: Wann stimmen wir endlich über den Brexit ab?

          „Darling, was hast du da bloß geträumt?“, sagte David, während er sich das Handtuch um die Hüften band. Er schmunzelte, seine Frau verstand eben mehr von Mode als von Politik. Was für eine Wahnsinnsidee: die Briten über Europa abstimmen zu lassen! Da hätte er ja gleich zurücktreten können. Aber jetzt wollte er unbedingt wissen, wie dieser Traum weiterging.

          Sam berichtete: Das Referendum war an einem schönen Sommertag – und natürlich lagen die Austrittsbefürworter vorn, mit einer Million Stimmen. David hatte sich für Europa stark gemacht, er stand belämmert da. Nichts war vorbereitet. Am Morgen nach dem Referendum erklärte er seinen Rücktritt. Und ein paar Tage später wählte seine Partei Theresa zur Nachfolgerin.

          „Theresa“, unterbrach David sie, „Du meinst Theresa May?“ Sam nickte stumm. David lachte. Er machte sich immer über seine Innenministerin lustig, ihre albernen Tigerpumps und die gigantischen Halsketten. „Du brichst dir noch das Genick!“, hatte er sie gerade gestern nach der Kabinettssitzung angepflaumt. Was sie gar nicht lustig fand. Ach, dieser Traum war einfach zu gut, er würde ihn seinem Freund Rupert erzählen, Rupert Murdoch, wenn sie das nächste Mal in der Downing Street einen Whiskey tranken. Rupert, diese Story könnte nicht mal die „Sun“ erfinden!

          Sam erzählte weiter. Theresa hatte keinen Plan, sie sagte monatelang immer nur „Brexit heißt Brexit“. Boris Johnson nervte die ganze Zeit, den hatte Theresa sich als Außenminister ins Kabinett geholt. – „Was?“, entfuhr es David, „den Bürgermeister von London?“ – Genau den. Boris sagte: Lass uns einfach gehen, raus aus der EU! Diese Eurokraten werden uns auf Knien anbetteln, damit wir ihnen ein Freihandelsabkommen anbieten. Theresa war unsicher. Aber sie wollte sich auch keine Blöße geben, schließlich hatte sie selbst gegen den Austritt gestimmt – aus Pflichtbewusstsein. Und so setzte sie sich an die Spitze der Brexiteers. Sie schloss alles aus: den Verbleib im Binnenmarkt, eine Zollunion, ein Assoziationsabkommen. Stattdessen schwärmte sie von „Global Britain“. Die Tories lagen ihr zu Füßen.

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