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Kommentar : Der Brexodus

  • -Aktualisiert am

Fast fünf Monate nach ihrer Austrittserklärung aus der EU hat die Regierung immer noch (fast) keinen Plan. Die Unternehmen sind zunehmend fassungslos.

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          Es ist schon ein bizarres Schauspiel, das sich dieser Tage in London ereignet. Da ist eine Regierung, die auch fast fünf Monate nach ihrer Austrittserklärung aus der EU nur einen sehr vagen Plan hat, wie das künftige Verhältnis zum Kontinent aussehen soll. Und dann sind da die Unternehmen, die das ewige Hin und Her zwischen den Kabinettsmitgliedern zunehmend fassungslos verfolgen – und nun notgedrungenerweise eigene Pläne schmieden.

          Die Banken verlagern schon kräftig Stellen nach Frankfurt und Dublin, während sich Easyjet mit Hilfe von Air Berlin die Vorzüge des europäischen Binnenmarktes sichern will. Die britische Lebensmittelindustrie warnt unterdessen schon mal, dass es mit der nächsten Erdbeerernte eng werden könnte, weil bereits so viele ausländische Pflücker das Land verlassen.

          Das alles zeigt: Der Brexodus ist längst keine abstrakte Gefahr mehr, er wird nach und nach real. Es ist zu hoffen, dass die Regierung diese Warnsignale ernst nimmt. Nicht, indem sie nun wie von der Finanzbranche gefordert ein eigenes Abkommen für die Londoner City aushandelt. Sondern indem sie die Unternehmen endlich wissen lässt, auf welche Art von Brexit sie sich konkret einstellen müssen.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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