https://www.faz.net/-icu-912ty

Kommentar : Der Brexodus

  • -Aktualisiert am

Fast fünf Monate nach ihrer Austrittserklärung aus der EU hat die Regierung immer noch (fast) keinen Plan. Die Unternehmen sind zunehmend fassungslos.

          Es ist schon ein bizarres Schauspiel, das sich dieser Tage in London ereignet. Da ist eine Regierung, die auch fast fünf Monate nach ihrer Austrittserklärung aus der EU nur einen sehr vagen Plan hat, wie das künftige Verhältnis zum Kontinent aussehen soll. Und dann sind da die Unternehmen, die das ewige Hin und Her zwischen den Kabinettsmitgliedern zunehmend fassungslos verfolgen – und nun notgedrungenerweise eigene Pläne schmieden.

          Die Banken verlagern schon kräftig Stellen nach Frankfurt und Dublin, während sich Easyjet mit Hilfe von Air Berlin die Vorzüge des europäischen Binnenmarktes sichern will. Die britische Lebensmittelindustrie warnt unterdessen schon mal, dass es mit der nächsten Erdbeerernte eng werden könnte, weil bereits so viele ausländische Pflücker das Land verlassen.

          Das alles zeigt: Der Brexodus ist längst keine abstrakte Gefahr mehr, er wird nach und nach real. Es ist zu hoffen, dass die Regierung diese Warnsignale ernst nimmt. Nicht, indem sie nun wie von der Finanzbranche gefordert ein eigenes Abkommen für die Londoner City aushandelt. Sondern indem sie die Unternehmen endlich wissen lässt, auf welche Art von Brexit sie sich konkret einstellen müssen.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Was ist daran „kühn“?

          Brexit-Abstimmung : Was ist daran „kühn“?

          Die britische Premierministerin Theresa May will den Parlamentariern ein Angebot unterbreiten, das sie nicht ablehnen können. Doch dem Vernehmen nach wird es kaum der erhoffte große Wurf sein.

          Topmeldungen

          Wer drehte das Ibiza-Video? : Ein Wiener Anwalt und seine Mandanten

          Das heimlich aufgenommene Video, das die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus die Karriere kostete und Österreichs Regierung zu Fall brachte, läuft inzwischen unter dem Rubrum „Ibiza-Gate“. Die Hinweise auf Mittelsmänner verdichten sich.
          Durch die Druschba-Pipeline fließt zur Zeit kein Öl.

          Versorgung stockt : Lieferstopp für russisches Öl trifft Ostdeutschland

          Seit vier Wochen erreicht kein russisches Öl mehr die deutschen Raffinerien. In Berlin wurde nun sogar das Flugbenzin knapp. Immer mehr drängt sich die Frage auf, wer für den Schaden aufkommt.
          Wolfgang Schäuble kritisiert den Drang nach „immer perfekteren Regelungen“ auch beim Bundesverfassungsgericht

          FAZ Plus Artikel: 70 Jahre Grundgesetz : Mehr Freiraum!

          Das Grundgesetz wurde als Fundament für einen freiheitlichen, handlungsfähigen Staat geschaffen. Diesen Gedanken sollten wir wieder stärker freilegen, statt uns weiter einzumauern hinter immer neuen Regelungen, die noch detailliertere nach sich ziehen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.