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Großbritannien und der Brexit : Ein Land wie Prinz Philip

Spiegelt sich im Prinzen einfach ein unverbesserliches Volk, das sich gegen die Gesetze der Vernunft auflehnt? Bild: AFP

Großbritannien wählte den Brexit und weiß nun nicht weiter. Auch die kommende Woche mit all ihren Entscheidungen verspricht keine Erlösung.

          9 Min.

          Als Prinz Philips schwerer englischer Geländewagen von rechts erfasst wurde, es war ein südkoreanischer Kia, überschlug er sich, trieb dabei nach links ab und blieb dann als Wrack auf der Seite liegen. Die Zeugen waren schockiert, als der Herzog von Edinburgh vom Fahrersitz durch das Schiebedach ins Freie gezogen wurde. „Entsetzlich“ sei der Unfall gewesen, sagten Passanten, die an diesem 17. Januar zusahen. Umso mehr staunten sie, als sich der 97 Jahre alte Prinzgemahl kurz schüttelte, fasste und dann zum anderen Wagen hinüberging, um die Fahrerin zu fragen: „Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Es war nur ein Zwischenfall, ohne schwere Verletzungen der Beteiligten, und er ereignete sich in Norfolk, mehr als zwei Stunden von London entfernt. Man könnte ihn also getrost auf sich beruhen lassen, wäre da nicht die Verführung, etwas mehr in dem Unfall des Prinzen zu sehen. Hat dieser – trotz seiner gemischten Herkunft – englischste aller Engländer vielleicht eine Allegorie auf das ganze Land in Szene gesetzt? Vollzieht sich im Vereinigten Königreich nicht gerade Vergleichbares in Zeitlupe? Augenzeugen beobachten schon lange eine politische Kollision, die ihnen den Atem verschlägt. Der Brexit mit all seinen Verwerfungen – er riecht nach Unheil, nach Tragödie, ja nach Totalschaden. Aber kann man völlig ausschließen, dass die Briten am Ende halbwegs intakt aus dem Spektakel hervorgehen, nur ein bisschen durchgerüttelt, und besorgt über den Kanal fragen: „Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“

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