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Brexit : Irische Wirtschaft fordert Krisenfonds

Irische Westküste: Die Wirtschaft der grünen Insel ist stark von Großbritannien abhängig. Bild: Julia Bähr

Niemand hat bei einem „harten“ Brexit mehr zu verlieren als das kleine Irland. Die Pfund-Abwertung setzt schon den Exportunternehmen zu. Jetzt will die irische Wirtschaft Hilfe.

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          Betont gelassen fielen vergangene Woche die Kommentare von EU-Politikern und -Wirtschaftsführern auf die Brexit-Rede der britischen Premierministerin Theresa May aus. Doch ganz im Westen Europas gibt es einen Mann mit Wut im Bauch: Für Danny McCoy waren die Worte Mays eine Kampfansage. „Die Reaktionen darauf waren viel zu ängstlich“, sagt der Chef des irischen Unternehmensverbands Ibec, der damit das Sprachrohr der Wirtschaft auf der Grünen Insel ist.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Britin May hat angekündigt, dass ihr Land beim Brexit nicht nur den EU-Binnenmarkt, sondern auch die Europäische Zollunion verlassen wolle. McCoy spricht von einem „aggressiven Eröffnungszug Großbritanniens, der wenig Rücksicht auf die irisch-britischen Handelsbeziehungen nimmt. Jeder, der das nicht wahrhaben will, gibt sich einer Täuschung hin“, warnte er in einem Gespräch mit der F.A.Z.

          Eine Milliarde in drei Monaten?

          „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Briten nicht mehr im selben Team spielen wollen wie wir.“ Warum gerade der Wirtschaftsmann aus Dublin so beunruhigt ist, liegt auf der Hand: Kein EU-Mitglied hat bei einem „harten“ Brexit, mit dem nun zu rechnen ist, mehr zu verlieren als das kleine Irland, das mit Großbritannien politisch und wirtschaftlich eng verflochten ist.

          Irlands Wirtschaft hat konkrete Forderungen: McCoy will von der Regierung einen staatlichen Brexit-Krisenfonds zur Unterstützung heimischer Unternehmen. „500 Millionen bis eine Milliarde Euro sollten binnen drei Monaten bereitgestellt werden“, sagt der Ibec-Chef.

          Für die kleine Inselrepublik mit knapp 5 Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung, die kleiner ist als die von Hessen, wäre das eine stattliche Summe. Von der irischen Regierung war zunächst keine Stellungnahme zu der Forderung aus der Wirtschaft zu erhalten. Irland brauchte für solche Beihilfen auch den Segen der EU-Kommission in Brüssel.

          „Wäre ein Schock“

          Vor allem die irische Nahrungsmittelindustrie, die zu den größten Arbeitergebern im Land zählt, leidet unter dem Austrittsvotum der Briten: Das Vereinigte Königreich ist der mit Abstand wichtigste Abnehmer für Fleisch und Milchprodukte aus Irland. Mehr als ein Drittel aller Ausfuhren der Branche gehen nach Großbritannien. Doch 2016 ist der Export ins Nachbarland schon um rund 8 Prozent gefallen – die Schwäche und die starken Schwankungen des Pfundkurses schaden dem Geschäft. Der irische Nahrungsmittel- und Agrarsektor beschäftigt direkt und indirekt rund 230000 Personen.

          Längerfristig sieht die irische Wirtschaft vor allem den angekündigten Austritt der Briten aus der Europäischen Zollunion als Bedrohung an. „Das würde für unsere Wirtschaft einen Schock bedeuten“, sagt der Ibec-Chef McCoy. Irland ist das einzige EU-Land, das mit Großbritannien eine Landgrenze teilt: Der britische Norden der irischen Insel und die Republik Irland im Süden sind, trotz unterschiedlicher Währungen, wirtschaftlich eng verbunden.

          Doch wenn Großbritannien die Zollunion verlasse, sei an der grünen Grenze zwischen dem Norden und dem Süden die Wiedereinführung von Grenzkontrollen zwingend, erwartet auch der irische Ökonom John Fitzgerald. „Im Einzelhandel wird das enorme Auswirkungen haben“, prognostiziert er. Die Kosten der Zollformalitäten könnten zu erheblichen Preissteigerungen für irische Verbraucher führen. Der Verbandschef McCoy befürchtet außerdem, dass irische Unternehmen, die stark vom Export nach Großbritannien abhängig sind, nach dem Brexit ins Königreich umsiedeln werden, um Zölle und Wechselkursnachteile zu vermeiden.

          „Mit der Ankündigung, das Großbritannien aus der Zollunion rausgeht, hat das Brexit-Problem für Irland eine neue Dimension erreicht“, sagt er.

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