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Mays Rücktritt : Ein bitterer Abschied

Die Fraktion trieb sie in die Enge

Danach trieb sie die Fraktion immer weiter in die Enge, bis zu diesem Freitag, als ihr Graham Brady, der die konservativen Hinterbänkler vertritt, keine Wahl mehr ließ. Seine Ansage war unmissverständlich: Wenn May nicht noch am selben Tag ihren Rücktritt bekanntgebe, werde er einen Umschlag öffnen, der ihr keinen ehrenvollen Abgang mehr verschaffe. Der Brief enthielt das Ergebnis einer geheimen Wahl, die das fraktionsinterne „1922 Committee“ zwei Tage zuvor abgehalten hatte. Niemand bestätigte es, aber alle nehmen an, dass sich der Vorstand des Komitees dafür ausgesprochen hatte, die Statuten zu ändern und unverzüglich ein neues Misstrauensvotum gegen die Parteivorsitzende einzuleiten.

Für alle durchsichtig wurde so der Schein aufrechterhalten, dass Theresa May ihre Ämter aus freien Stücken räumt. Man mag sich nicht ausmalen, mit welchem Gesichtsausdruck sie die triefenden Nachrufe gelesen hat, die ihre ärgsten Gegner am Freitag in Umlauf brachten.

„Würdevoll wie immer hat Theresa May ihre Integrität gezeigt“, twitterte Dominic Raab, der aus Protest gegen ihre Politik als Brexit-Minister zurückgetreten war und nun zu denen gehört, die ihre Nachfolge anstreben. „Sie bleibt eine hingebungsvolle Dienerin des Staates, eine Patriotin und eine loyale Konservative“, fügte er hinzu. Die Abgeordnete Heidi Allen, die frühzeitig Mays Rücktritt gefordert und dann die Tories verlassen hatte, würdigte gar ihre Tränen: „Oh Theresa May, warum haben wir nicht mehr solcher Emotionen gesehen? Die Dinge hätten sich so anders entwickeln können.“

Wegen Trump kein sofortiger Rücktritt

Noch zwei Wochen bleiben May im Parteivorsitz. Dass sie nicht mit sofortiger Wirkung zurücktrat, liegt wohl am Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten, mit dem sie in der ersten Juniwoche auch an Gedenkfeiern zu 75 Jahren „D-Day“ teilnehmen will. Zu einer Krönung ihrer Amtszeit dürften die drei Tage mit Donald Trump kaum werden. May wird den Besuch gegen Proteste in der Opposition und auf der Straße verteidigen müssen, und der Gast könnte sich bedanken, indem er Mays größtem Widersacher eine Aufwartung macht. Dass er lieber mit Boris Johnson zusammenarbeiten würde (und ihn überdies für den geeigneteren Brexit-Verhandler hält), hatte Trump schon während seines letzten Besuchs wissen lassen.

Spätestens vier Tage nach ihrem Rücktritt, am 11. Juni, ist mit der ersten Abstimmung über Mays Nachfolger zu rechnen. Die Tory-Fraktion hat die Aufgabe, das Feld der Kandidaten zu lichten. In einer Abfolge von Sitzungen wird so lange über die Bewerber abgestimmt, bis nur noch zwei übrigbleiben. Die sollen dann den fast 130.000 Parteimitgliedern zur Briefwahl vorgelegt werden. Bei den Tories hofft man, dass der Prozess noch im Juli beendet wird und die Briten mit einem neuen Tory-Vorsitzenden und damit einem neuen Premierminister in die Sommerpause gehen können.

Aber der Prozess ist von vielen Unwägbarkeiten begleitet. Die Anzahl der Kandidaten entscheidet darüber, wie lange die erste Phase der Wahl dauern wird. Werfen alle, die sich interessiert gezeigt oder schon beworben haben, ihren Hut in den Ring, wird die Fraktion viel zu tun bekommen.

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