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Nach dem Brexit : Bundesbanker warnt vor Deregulierungswettlauf

  • Aktualisiert am

Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank Bild: dpa

Andreas Dombret wirbt für ein Freihandelsabkommen für Bankdienstleistungen zwischen Großbritannien und der EU. Gemeinsame Regeln seien notwendig, denn „es gibt keine rein nationalen Finanzsysteme mehr.“

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          Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret warnt vor einem Deregulierungswettlauf mit Großbritannien nach dem Brexit. „Manche britischen Politiker rechnen sich ja Vorteile im Wettbewerb der Finanzplätze aus. Einen Deregulierungswettbewerb hielte ich aber für äußerst gefährlich“, sagte Dombret im Interview mit der „Welt“. „Wir brauchen gemeinsame Regeln, um Risiken im globalen Finanzsystem einzugrenzen. Es gibt keine rein nationalen Finanzsysteme mehr.“

          Dombret spricht sich zudem dafür aus, in den Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien offen für neue Optionen zu sein. Konkret nannte er das von der britischen Bankenlobby vorgeschlagene Freihandelsabkommen für Bankdienstleistungen, das den Instituten auch nach dem Austritt des Landes aus der EU grenzüberschreitende Geschäfte erleichtern könnte. „Ein solches Freihandelsabkommen wäre ein Novum. Es darf also nicht übers Knie gebrochen werden und wäre sicher sehr zeitaufwendig zu verhandeln“, sagte Dombret. „Nur weil etwas neu ist, sollte man es aber nicht kategorisch ausschließen. Wir sollten auch auf Seiten der EU darüber nachdenken, wie die zukünftigen Beziehungen bei Finanzdienstleistungen aussehen könnten.“

          Parallele Entwicklung könnte Abkommen erleichtern

          Der Bankenverband UK Finance hatte einen entsprechenden Vorschlag bereits Ende 2017 vorgelegt und darin angeregt, die Lizenzen der Banken und Finanzdienstleister gegenseitig anzuerkennen und bei der Aufsicht auch nach dem Austritt des Landes am 29. März 2019 weiterhin eng zusammenzuarbeiten. Allerdings lehnt die EU-Kommission ein solches Ansinnen bisher kategorisch ab. Man werde den Binnenmarkt nicht aufweichen, heißt es dazu bisher aus Brüssel. „Wir haben uns in der EU gemeinsam mit Großbritannien über Jahrzehnte parallel entwickelt. Das könnte ein solches Freihandelsabkommen deutlich einfacher machen“, warb Dombret für den Vorschlag.

          Der Bundesbanker, dessen Vertrag am 30. April nach acht Jahren offiziell endet, äußerte sich in dem Gespräch auch zu den Spekulationen um seine Person. Er sei „zuversichtlich, dass man zu gegebener Zeit eine gute Lösung präsentieren wird. Da bitte ich um etwas Geduld", antwortete Dombret auf die Frage nach einer zweiten Amtszeit. „Ich bin nicht amtsmüde und werde meine Verpflichtungen mit Freude erfüllen. Es ist schließlich noch viel zu tun.“

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