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Nach dem Brexit-Referendum : Johnson & Co haben keinen Plan

Bild: Reuters

Die Brexit-Befürworter geben sich sicher, dass für Großbritannien alles gut wird. Von den Kosten haben sie aber keine Ahnung. Das Referendum könnte zu einem teuren und bösen Witz werden.

          Waren es also doch Märchen, welche die Austrittsbefürworter gutgläubigen Wählern erzählt haben? Nachdem er übers Wochenende abgetaucht war, überwältigt oder baff überrascht von „seinem“ Erfolg, hat sich Boris Johnson, der Kopf des Brexit-Lagers, mit der Versicherung zurückgemeldet, Großbritannien werde auch künftig Zugang zum Binnenmarkt haben. Das mag so sein; es wäre, zum Beispiel, im Interesse der deutschen Wirtschaft. Aber wann würde das sein und zu welchen Bedingungen?

          Wenn es nach dem Austritt aus der EU zu Neuverhandlungen über das künftige Verhältnis zwischen dem Vereinigten Königreich – oder dem, was davon noch geblieben sein wird – und der EU kommt, wird es vor allem um die Wirtschaft gehen. Zugang zum Binnenmarkt wird es nicht zum Nulltarif geben, London wird dessen Regeln akzeptieren müssen. Eine davon ist die Freizügigkeit. Aber war es nicht so, dass die Brexit-Befürworter genau diese einschränken wollten?

          Den Binnenmarkt gibt es nicht ohne Freizügigkeit. Das Austrittslager sollte nicht so tun, als habe es diese Verbindung erst jetzt entdeckt. Das ist Wählertäuschung. Und warum dann das Ganze, wenn überdies auch Beiträge an den Brüsseler Haushalt überwiesen werden müssten? Die Wahrheit dürfte sein: Johnson & Co hatten keinen Plan für den Tag danach. Deswegen sagen sie nun auch, dass es keine Eile habe mit dem Austritt – auch das eine merkwürdige Aussage von Leuten, die vorher die EU als eine Art Völkergefängnis denunziert hatten. Wer Briten (und Nordiren) als Sklaven der EU sieht, der dürfte doch keine Sekunde damit warten, die Ketten zu sprengen, die jene vom Aufbruch in Freiheit und Glück abhalten, jetzt, da die Wähler entschieden haben. Vielleicht dämmert es denen, die besonders auf die Pauke geschlagen und den Leuten das Blaue vom Himmel versprochen haben, was da auf das Land zukommt.

          Das Referendum hat gravierende Folgen für alle, für das Vereinigte Königreich und für dessen europäische Partner. Alle sind unvorbereitet, es gibt keine Vorlage, die man abarbeiten könnte, um nach einer Scheidung ein neues, gutes Verhältnis miteinander einzugehen. Sollte sich herausstellen, dass Britannien auch künftig Lasten zu tragen hätte, welche die Wähler soeben abgelehnt haben, dann werden viele das Referendum als teuren und bösen Witz empfinden, erzählt von Politunternehmern in eigener Sache.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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