https://www.faz.net/-icu-9pcnn

Boris Johnson : Alles andere als irrwitzig

Boris Johnson ist eine sehr englische Version des modernen Volkstribuns. Bild: EPA

Der neu gewählte Tory-Vorsitzende und künftige Premierminister Boris Johnson ist nicht „mad“. Verrückt ist nur die Lage des Landes – drei Jahre nach dem Brexit-Referendum.

          3 Min.

          Fällt nun das nächste westliche Land an einen „Populisten“? Viele sehen Boris Johnson in einer Linie mit Trump in Amerika, Salvini in Italien und Orbán in Ungarn. Gemeinsamkeiten lassen sich nicht leugnen: von der harschen Kritik an der EU über die Begabung, mit „dem Volk“ zu kommunizieren, bis hin zur Lust, sich über die Standards politischer Korrektheit zu erheben. Auch die Sorge, zuweilen ist es Hysterie, mit der Johnsons Gegner auf dessen Aufstieg reagieren, erinnert an die aufgeladene Polarität in „populistisch“ regierten Ländern. Einige sollen sogar versucht haben, die Queen von der Ernennung abzubringen.

          Aber Johnson ist eine sehr englische Version des modernen Volkstribuns. Ihn einen „Rassisten“ zu nennen, wie der irische Publizist Fintan O’Toole, ist ein bisschen plump. Johnson gehört zweifellos dem Teil der Oberschicht an, welche die eigene Nation für die Krönung der Zivilisation hält. Das könnte einen neuen, irritierenden Ton in die Brexit-Verhandlungen tragen. Aber Johnson ist kein engstirniger „Little-Englander“. Dafür verehrt er das Bild des polyglotten Briten zu sehr und auch die Idee des Freihandels. Migration sieht er als Gewinn, nicht als Bedrohung.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Windräder in Hessen

          CO2-Reduktion : Die Klimawahl

          Union und SPD verschärfen die Klimaziele. Aber um die eigentlichen Fragen drücken sie sich herum. Wo etwa sollen neue Stromleitungen entstehen und wie stark steigt der CO2-Preis?
          Am Ende der Welt: der Checkpoint Kalanchak zur Krim

          Russlands Okkupation : Kein Wasser für die Krim

          Im Donbass wird fast täglich geschossen, um die Krim aber ist es ruhig. Welche Ziele Russland hier verfolgt, verrät ein Blick auf das Asowsche Meer. Eine Reise im Süden der Ukraine.
          Polizisten 2005 während Unruhen in der Banlieue Clichy-sous-Bois nördlich von Paris. Vorausgegangen war der Tod zweier Jugendlicher, die auf der Flucht vor der Polizei durch einen Stromschlag in einer Trafostation ums Leben kamen.

          Verrohung in Frankreich : „Die Republik zerlegt sich“

          Ehemalige französische Generäle warnen vor islamischen „Horden in der Banlieue“ und einem Bürgerkrieg. Der Politikwissenschaftler Jérôme Fourquet erklärt im Interview, was in seinem Land im Argen liegt.