https://www.faz.net/-icu-9p94b

Anti-Brexit-Demo in London : „Nein zu Boris, Ja zu Europa“

  • Aktualisiert am

Boris Johnson als „Baby Blimp“-Puppe: In London demonstrieren Menschen gegen den Brexit und Johnson als Premierminister. Bild: dpa

Am Dienstag wird der Name des neuen Premiers verkündet. Brexit-Hardliner Boris Johnson werden die größten Chancen zugerechnet, Theresa May abzulösen. EU-freundliche Gruppen in London wollen das unbedingt verhindern.

          2 Min.

          Mit einer riesigen Boris-Johnson-Puppe am Himmel haben Demonstranten in London gegen den voraussichtlich neuen britischen Premierminister protestiert. Unter dem Motto „Nein zu Boris, Ja zu Europa“ zogen sie am Samstag durch die Innenstadt.

          Der Protestzug wurde von „March for Change“ organisiert, einem Zusammenschluss EU-freundlicher Gruppen. Die Puppe „sieht vielleicht ein bisschen nach unbeschwertem Spaß aus, aber sie hat eine ernsthafte Botschaft“, sagte Tom Brufatto, einer der Organisatoren.

          Die aufblasbare Boris-Puppe namens „Baby Blimp“ erinnert an „Baby Trump“, eine riesige Figur am Himmel, die den amerikanischen Präsidenten Donald Trump während seines Besuchs in London im Juni verspottete. In Großbritannien wird mit dem Wort „Blimp“ sowohl ein Luftschiff als auch ein selbstgefälliger Erzkonservativer bezeichnet.

          Johnson soll Wähler in die Irre geführt haben

          Die Boris-Puppe trägt ein T-Shirt mit einem roten Doppeldeckerbus und dem Schriftzug „350 Millionen Pfund“ darauf. Dies ist eine Anspielung auf eine Kampagne, mit der Johnson Wähler beim Brexit-Referendum in die Irre geführt haben soll. Er hatte damals behauptet, dass das Vereinigte Königreich wöchentlich 350 Millionen Pfund (knapp 400 Millionen Euro) an die EU weiterleiten müsse. Dieses Geld könne besser in den staatlichen Gesundheitsdienst NHS investiert werden. Was Johnson jedoch verschwieg: Großbritannien erhält einen erheblichen Teil seiner Beiträge zurück, etwa für die Landwirtschaft.

          Am kommenden Dienstag gibt die Konservative Partei bekannt, wer der Nachfolger der scheidenden Premierministerin Theresa May wird. Haushoher Favorit ist Johnson, dem viele zutrauen, enttäuschte Brexit-Wähler wieder ins Boot zu holen. Seinem Konkurrenten Außenminister Jeremy Hunt, werden kaum Chancen zugestanden. Bereits am Mittwoch soll der neue Premierminister dann May ablösen.

          Anti-Brexit-Aktivisten zeigen Marionetten von Nigel Farage (Mitte), Boris Johnson (links) und Jeremy Hunt (rechts) bei einer Demonstration in London.
          Anti-Brexit-Aktivisten zeigen Marionetten von Nigel Farage (Mitte), Boris Johnson (links) und Jeremy Hunt (rechts) bei einer Demonstration in London. : Bild: AFP

          Johnson will Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union führen – „komme, was wolle“. Er droht Brüssel auch mit einem ungeordneten Austritt. Das hätte jedoch große negative Folgen für die Wirtschaft und zahlreiche andere Lebensbereiche.

          In Großbritannien wird mit Ministerrücktritten zu Wochenbeginn und Neubesetzungen etlicher Posten im Kabinett nach Bekanntgabe des Siegers gerechnet. Im Gespräch mit Johnson soll auch der frühere Brexit-Minister David Davis sein, wie der „Telegraph“ am Samstag schrieb. Er war aus Protest gegen den Brexit-Kurs von May von seinem Posten zurückgetreten; Kritiker hielten ihn für faul und inkompetent. Davis könnte laut „Telegraph“ Finanz- oder Außenminister werden.

          Unruhe gibt es auch in der Labour-Opposition, die heillos zerstritten ist. Parteichef Jeremy Corbyn wird die Vorwürfe nicht los, er tue nicht genug gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen. Im Oberhaus droht ihm sogar eine Meuterei. Die Lords dürften am Montag bei einer Sondersitzung der Fraktion darüber entscheiden, ob ein Misstrauensantrag zur Abstimmung gebracht werden soll. Ein Votum gegen den Alt-Linken Corbyn hätte zwar nur symbolische Bedeutung, würde seinem Ansehen aber erheblich schaden.

          Weitere Themen

          Johnson kommt nach Brüssel

          Drama um Brexit-Deal : Johnson kommt nach Brüssel

          Die nächste Verlängerung: Ursula von der Leyen und Boris Johnson wollen ihre „bedeutsamen Meinungsunterschiede“ zu den künftigen Beziehungen zwischen EU und Großbritannien in einem persönlichen Treffen klären. Der Zeitdruck ist enorm.

          Topmeldungen

          Keine Vorverurteilungen: Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

          Kirche und Missbrauch : Wenn Bischöfe herumdrucksen

          Welche Unbedachtheiten ist man bereit in Kauf zu nehmen, solange es gegen den Kölner Kardinal Woelki geht? Sein Amtsbruder Bätzing hält nichts davon, Woelki als Blitzableiter zu benutzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.