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Abkommen gesucht : Die Luftfahrt zittert vor dem Brexit

Die Fluggesellschaft Condor mit einer Zentrale wenige hundert Meter vom Frankfurter Flughafen entfernt gehört zum britischen Reisekonzern Thomas Cook, im TUI-Konzern aus Hannover mit der Gesellschaft TUI Fly würde die Kombination aus Briten und einem russischen Großaktionär wohl dazu führen, dass die Anteilseigner aus der EU in der Minderheit wären, der spanische Marktführer Iberia ist Teil des British-Airways-Mutterkonzerns IAG, sogar die irische Ryanair hatte zumindest in der Vergangenheit eine Mehrheit britischer Aktionäre.

Flugverkehr soll nicht zum Erliegen kommen

Geradezu einfach erscheint die Frage nach den Flügen zwischen Frankfurt und London. Die EU-Kommission hatte schon vor Weihnachten wissen lassen, dass sie auf jeden Fall verhindern will, dass der Flugverkehr zwischen Union und Vereinigtem Königreich zum Erliegen kommt. Eine Voraussetzung für eine Übergangsvereinbarung von etwa einem Jahr, in dem ein neues Luftverkehrsabkommen mit London ausgehandelt werden soll, wäre, dass die Briten mitziehen.

Denn nach einem lange praktizierten Grundsatz in der Luftfahrt beruhen Vereinbarungen immer auf Gegenseitigkeit. Vereinfacht gesagt: British Airways darf von London nach Frankfurt fliegen, wenn die Deutsche Lufthansa ihrerseits London ansteuern darf. Dass sich die Briten dagegen sperren, scheint nahezu ausgeschlossen. Neue Abkommen haben sie schon mit der Schweiz und den Vereinigten Staaten erreicht.

Die EU hat indes klargemacht, dass Übergangsmaßnahmen keineswegs bedeuten werden, dass alles bleibt, wie es ist. „Diese Maßnahmen werden lediglich die Aufrechterhaltung grundlegender Verkehrsverbindungen gewährleisten und keinesfalls Ersatz für die erheblichen Vorteile der Mitgliedschaft im einheitlichen europäischen Luftraum bieten“, hieß es im Dezember in Richtung London. Für Flüge von Schweden und Deutschland an spanische Strände bleibt Ungewissheit.

Keine Sorgen bei der Lufthansa

„Die Europäische Kommission und die britische Regierung haben deutlich gemacht, dass sie alles daransetzen, Flugzeuge auch bei einem No-Deal-Szenario in der Luft zu halten“, sagt eine Condor-Sprecherin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wir sind deshalb zuversichtlich, unsere Kunden unabhängig von einem Austrittsabkommen auch in diesem Sommer in den Urlaub zu fliegen.“ Seit Monaten wird an Konstruktionen gearbeitet, die Flugrechte in der EU erhalten sollen.

Iberia argumentiert, dass die Spanier ohnehin nur 49,9 Prozent der politischen Rechte an IAG übertragen hätten und der Rest noch immer in Spanien liege. Auch Condor arbeitet an einem Umbau. Solche Konstrukte – oft über Stiftungen – kommen immer wieder zum Einsatz, die Deutsche Lufthansa nutzte sie im Zuge der Übernahme der Schweizer Swiss, Air Berlin einst für die Übernahme von Niki aus Österreich. Man stehe „in engem Dialog mit den zuständigen Behörden in Europa, um sicherzustellen, dass sich unsere Pläne auch bei einem No-Deal-Szenario umsetzen lassen“, sagt die Condor-Sprecherin.

Die Lufthansa plagen derlei Sorgen nicht, sie rechnet sich sogar aus, dass nach einem Brexit Reisende von Umsteigeverbindungen über London Abstand nehmen und Wege über die Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt oder München nehmen.

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