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Massenflucht in Brasilien : Entflohene Häftlinge gefasst

  • Aktualisiert am

Haftanstalt „Penitenciária Agrícola de Monte Cristo“ in der Stadt Boa Vista. Bild: dpa

Rund 55 Gefangene sollen bei einer Massenflucht im Bundesstaat São Paulo aus einem Gefängnis entkommen sein, mindestens 40 konnten wieder festgenommen werden. Grund für die Unruhen sind offenbar Konflikte außerhalb der Gefängnisse.

          Nach dem Tod von mindestens 18 Häftlingen in zwei Gefängnissen im Norden Brasiliens hat es eine Flucht von Dutzenden Gefangenen aus einer Haftanstalt bei São Paulo gegeben. Die Polizei konnte aber nach mehreren Stunden mindestens 40 von rund 55 in einen angrenzenden Wald geflohenen Häftlingen wieder festnehmen, wie die Nachrichtenagentur Agência Brasil am Dienstag unter Berufung auf die Polizei berichtete.

          Am Montagabend war es in einer Psychiatrie eines Gefängniskomplexes in der Stadt Franco da Rocha zu einem Aufstand gekommen. Brände wurden gelegt, und Dutzende Häftlinge flohen zunächst. Anfänglich war sogar von 200 bis 300 entkommenen Kriminellen die Rede.

          Fábio Jabá, Chef der Gewerkschaft der Gefängnismitarbeiter in São Paulo, kritisierte in der Zeitung „Folha de S. Paulo“ die Zustände scharf: „Das Rezept ist perfekt. Der Mangel an Mittel und Strukturen macht das derzeitige Gefängnissystem zu einem Pulverfass, das jederzeit explodieren kann.“ Erst Ende September waren aus dem Gefängnis Jardinópolis (ebenfalls Bundesstaat São Paulo) rund 470 Häftlinge ausgebrochen, fast alle konnten aber wieder gefasst werden.

          Massenflucht war der dritte schwere Zwischenfall in 24 Stunden

          Die Massenflucht war der dritte schwere Zwischenfall in 24 Stunden. 18 Häftlinge kamen seit Sonntag bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Banden ums Leben. Mehrere Häftlinge wurden im Gefängnis der Stadt Boa Vista an der Grenze zu Venezuela nach Polizeiangaben enthauptet und verbrannt. Dort starben zehn Menschen. Bei einer Meuterei in einem Gefängnis in Porto Velho (Staat Rondônia) starben acht Personen.

          Hintergründe dieser beiden Gewaltausbrüche könnte ein Krieg zwischen zwei der berüchtigtsten Banden Brasiliens sein, dem Primeiro Comando da Capital (PCC/Erstes Kommando der Hauptstadt) mit Hauptsitz in São Paulo und dem Comando Vermelho (Rotes Kommando), das seine Bastion in Rio de Janeiro hat.

          Die Banden haben landesweit Anhänger und können auch in Haftanstalten in der Regel per Handy kommunizieren, da die Polizei sich im Inneren aus dem Geschehen oft heraushält. So blüht auch hinter den Mauern der Drogenhandel, die Gewerkschaften kritisieren vor allem eine völlig unzureichende Personalausstattung. „Sie haben sich den Krieg erklärt“, sagte der Chef der Justizbehörde des Bundesstaats Roraima, Uziel de Castro.

          Brasilien ist eines der Länder mit der höchsten Zahl an Gefängnisinsassen. Nach Angaben des Instituts IPCR gibt es derzeit im ganzen Land über 620.000 Häftlinge.

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