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Branche : Solar - der Neue Markt ist wieder da

  • -Aktualisiert am

Die Sonnenbranche weckt Erinnerungen an dunkle Zeiten. Wieder einmal träumen Anleger vom ewigen Wachstum und treiben Aktienkurse extrem hoch. Allen voran Solarworld: In nur zwei Jahren stieg die Aktie von 6 auf 106 Euro - das Achtzehnfache.

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          Die Sonnenbranche weckt Erinnerungen an dunkle Zeiten. Wieder einmal träumen Anleger vom ewigen Wachstum und treiben Aktienkurse extrem hoch. Allen voran Solarworld: In nur zwei Jahren stieg die Aktie von 6 auf 106 Euro - das Achtzehnfache. Das gab es zuletzt vor mehr als fünf Jahren am Neuen Markt. Dennoch, einiges ist diesmal anders.

          Die Solarbranche boomt, seit Anfang 2004 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) novelliert wurde. Solarzellen auf dem Dach rechnen sich nun für den Bauern in Süd- wie für den Hausbesitzer in Norddeutschland. Alle können den Strom aus der Sonne zu einem festen Preis ins Netz einspeisen, 20 Jahre lang. Das EEG ist eine Lizenz zum Gelddrucken - auf dem Niveau einer Bundesanleihe.

          Erneuerbare-Energien-Gesetz als Linzenz zum Gelddrucken

          Wer also den Rohstoff Silizium verkauft, die notwendigen Rohplatten (Wafer) produziert und daraus Zellen und Module herstellt, ist im Geschäft. Genauso glänzend wie jene, die damit handeln oder ganze Solarsysteme entwerfen.

          Die Branche wächst rasant. 2005 setzen 30 000 Beschäftigte etwa 2,6 Milliarden Euro um. 2020 sollen es 18 Milliarden Euro und 200 000 Arbeitsplätze sein. Bis dahin will die Branche 119 Milliarden Euro investieren. Das schätzt die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft. 70 Prozent der Zellen und Module sollen dann in den Export gehen - nach Spanien, Amerika, China oder Südkorea. Das sind Märkte, die sich heute schon entwickeln.

          Nun an die Börse zu gehen ist für viele Solarunternehmen optimal, weil sie wie Q-Cells oder Ersol profitabel geworden sind und mehr Geld brauchen, um noch stärker zu expandieren. "Der Einfluß der Politik ist nicht mehr entscheidend", sagt etwa Ersol-Chef Klaus Beneking. Die Förderung steht bis 2007, dann wird das EEG überprüft. Starke Einschnitte sind unwahrscheinlich. Frank Asbeck, der Gründer des Marktführers Solarworld, sieht nicht nur Linkspartei, SPD, Grüne und bedingt die Union als Unterstützer. Sogar FDP-Chef Guido Westerwelle erwärme sich für Sonnenstrom.

          Entscheidend: Hierzulande entsteht eine Zukunftsindustrie, die im Weltmaßstab konkurrenzfähig ist. "Deutschland ist neben Japan Weltmarktführer", sagt Beneking. Das könnte so bleiben, denn die Solarbranche ist nicht besonders lohnintensiv. Bei Ersol entfallen weniger als acht Prozent der Kosten darauf. Hochqualifizierte Arbeitskräfte und technische Verbesserungen wiegen Lohnkostennachteile schnell auf. Pro Jahr sollen zudem die Kosten um fünf bis acht Prozent sinken. "Das schaffen wir auch", sagt Asbeck. Ende des Jahrzehnts wäre damit Strom, der in Südeuropa zu Spitzenzeiten geliefert wird, schon konkurrenzfähig, sagt Beneking. Dort, wo es keine Netze gibt, sind Solaranlagen schon die beste Lösung: etwa in China und Thailand. Auch für das Handy im Gebirge oder für Spitzenlasten mittags um 12 Uhr in Kalifornien ist Solar bereits optimal.

          So schön alle Wachstumsträume sind, für Anleger ist die Stärke der Unternehmen entscheidend. Die Börsenkandidaten Ersol und Q-Cells fühlen sich da gut aufgestellt. Beide sind sicher, stärker als der Markt zu wachsen, weil sie ihre Versorgung mit Silizium und Wafern teilweise bis ins nächste Jahrzehnt abgesichert hätten. "Wir wissen, was wir 2008 mindestens produzieren können", sagt Beneking.

          Analysten vergleichen Ersol schon mit Marktführer Solarworld, weil neben Solarzellen künftig auch das wichtige Vorprodukt Wafer im Konzern ist. Hier sowie bei Silizium gibt es derzeit den Engpaß, der das Marktwachstum kurzfristig hemmt. Daher brechen die Wachstumsraten kurzfristig auch ein (siehe Grafik). Doch bis 2010 sind wieder Steigerungsraten von mehr als 30 Prozent drin.

          Silizium und Waferkapazität als kritische Faktoren

          Wer sich wie Solarworld genug Silizium und Waferkapazität gesichert habe, bestimme dabei das eigene und das Wachstum anderer, sagt Asbeck. Anleger müssen solche Abhängigkeiten beachten, wenn sie die neuen Solaraktien beurteilen. Da die börsennotierten Aktien sehr hoch bewertet sind, orientieren sich die Neulinge daran. Anleger bezahlen also höchstens einen leichten Abschlag auf eine ohnehin schon hohe Bewertung. Das ist riskant.

          Eine Versorgungskrise oder politische Irritationen sind nicht in den Kursen drin. Davon wären die schwächsten Unternehmen am schnellsten betroffen. Spekulanten dürfen dennoch hoffen, auch auf die hochbewertete Solarworld. "Wir setzen 2010 eine Milliarde Euro um", sagt Asbeck und avisiert zudem ein gutes drittes Quartal. Schafft er dieses Jahr 300 Millionen, würde sich sein Umsatz in fünf Jahren mehr als verdreifachen.

          Fondsmanager wie Thomas Körfgen von der SEB warnen jedoch davor, nur auf Solarworld zu schauen. Manche neue Aktie könnte so überbezahlt werden. Andererseits: Die Branche boomt, da müssen Fondsmanager auch dabeisein. Zumindest bei Ersol und Q-Cells.

          Kleinere Aktien entwickeln sich zwar mitunter auch rasant, doch sie hängen oft am Ende der Verwertungskette. Sunline etwa: Das Unternehmen plant und vertreibt Solaranlagen, ist also ein Systemanbieter. Oder Centrosolar: Die Tochter der Centrotec Sustainable integriert Systeme und vermarktet komplette Solaranlagen. Im kommenden Jahr will sie 100 Millionen Euro umsetzen. 20 Millionen waren es im vergangenen Jahr.

          Solche Erfolgsgeschichten wollen auch Ersol und Q-Cells schreiben. Seit Samstag liegt der Ersol-Börsenprospekt im Internet vor, am Dienstag und Mittwoch präsentieren sich beide in Frankfurt. Gut möglich, daß der Boom weiter- geht. Doch eines vergessen Anleger seit dem Desaster am Neuen Markt nicht mehr: Die nächste Krise kommt bestimmt.

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