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Boris Becker : Trainerdarsteller oder großer Stratege?

Der Mann an der Seite: Boris Becker zieht seine Wichtigkeit nicht mehr nur aus der Vergangenheit Bild: AP

Raus aus den Klatschspalten, rein in die Tennis-Welt: Zumindest Boris Becker tut seine neue Rolle als gut. Aber tut Becker auch Novak Djokovic gut?

          Ein Grand-Slam-Turnier hinterlässt normalerweise deutliche Spuren. Nach zwei Wochen sieht jeder müde und abgekämpft aus. Als Boris Becker am Mittwoch dagegen das riesige Tennisareal Melbourne Park verließ, wirkte er frischer als zu Turnierbeginn. Sein Spieler Novak Djokovic war zwar am Abend zuvor an Stanislas Wawrinka gescheitert, und an Häme hatte es nicht gefehlt. Die Verbindung war ja auch leicht zu ziehen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Dreimal nacheinander hatte der Serbe hier zuletzt triumphiert, und kaum holt er sich Becker an seine Seite, ist schon im Viertelfinale alles vorbei. „Es war klar, dass es ein Risiko war, gleich hier anzufangen“, sagt Becker und zeigt keine Spur von Selbstzweifel. Dass Djokovic ihm jedoch guttut, ist sichtbar - der neue Cheftrainer hat ein paar Kilo verloren. Aber tut Becker auch Djokovic gut?

          Nur ein Chearleader und Geschichtenerzähler?

          Viele sind davon überzeugt, andere warten nur darauf, dass es nun auch Ende Februar in Dubai schiefgeht, wo Djokovic ebenfalls wieder als Titelverteidiger antritt. Für die Befürworter ist Becker der Mann, der Djokovic auf der mentalen Seite weiterbringen kann, für die Zweifler ist er nur ein Trainerdarsteller. Natürlich fällt es ausländischen Beobachtern einfacher, Becker als einen Mann zu akzeptieren, der einiges im Tennis erlebt hat und wohl auch einiges davon versteht.

          Die Deutschen tun sich schwer damit, haben sie doch miterleben müssen, wie ihr einstiges Sportidol abrutschte in die Klatschspalten, wie er sich mit beängstigender Sicherheit selbst demontierte und der Lächerlichkeit preisgab. Mit dem Auftritt in der Gameshow von Oliver Pocher, mit dem er sich, wohl um den Verkauf seiner Autobiographie anzukurbeln, zuvor eine bizarre Auseinandersetzung via Twitter geliefert hatte, schien im November der Tiefpunkt erreicht.

          Cheerleader und Geschichtenerzähler: Novak Djokovics Freundin Jelena Ristic findet Becker unterhaltsam

          Nun ist er wieder da, auf der einzigen Bühne, auf der er sich mit Sicherheit bewegt. Es scheint unlogisch, dass Djokovic, der alles dem Erfolg im Tennis unterordnet, der nach einer Diät lebt, der sein Blut regelmäßig untersuchen lässt, um seine Regenerationsfähigkeit und den Mineralienhaushalt zu überwachen, sich einen ins Team holt, der nur als angemessen entlohnter Chearleader und Geschichtenerzähler für gute Laune sorgen soll.

          „Ich bin sehr zufrieden, wie wir hier gearbeitet haben und über was wir geredet haben“, hatte Djokovic über die erste Zusammenarbeit gesagt, „wir werden sehen, wie es weitergeht.“ Das lässt Raum für Interpretationen, und natürlich laufen in der Branche schon Wetten, ob es Wochen oder Monate werden.

          Der Mann, der Djokovic auf der mentalen Seite weiterbringen kann: Was stören da ein paar Kilo zu viel bei Boris Becker?

          Becker mag, soweit noch zu erkennen, blaue Augen haben, aber blauäugig ist er nicht. Was hinter den Kulissen läuft, wird er genau wissen, weil er jetzt wieder mittendrin ist, und in dieser Disziplin gehörte er immer zu den Besten. „Es ist interessant zu sehen, wie die Hierarchien in der Umkleidekabine sind“, sagt er, „Tennis ist auch Psychologie und ein Strategiespiel.“

          Das geht er anders an als Ivan Lendl, der vor zwei Jahren von Andy Murray angeheuert wurde und den Schotten im vergangenen Jahr zum ersten Wimbledonsieg eines Briten seit 1937 führte. Lendl scheute bei seiner Rückkehr die Öffentlichkeit, genauso wie Stefan Edberg, der nun als Berater von Roger Federer agiert. In den Talkshows der verschiedenen Sender, die von den Australien Open berichten, sind die beiden ehemaligen Weltranglistenersten nicht zu sehen - der Dritte im Bunde sitzt dagegen, wann immer es der Trainings- und Spielplan von Djokovic zulässt, bei Fox Sport und plaudert über Tennis.

          Wichtigkeit nicht mehr nur aus der Vergangenheit

          Doch anders als bei seinen sommerlichen Auftritten in der BBC während des Wimbledonturniers muss er nicht mehr den ehemaligen Sieger geben, muss seine Wichtigkeit nicht einzig aus der Vergangenheit beziehen. Er ist unterhaltsam, spricht gutes Englisch und klingt, als habe er sich tatsächlich mit dem Thema beschäftigt.

          Wenn da nicht die Zweifel blieben. Die haben viele. Mercedes etwa, das den Vertrag als Botschafter der Automarke ausgerechnet jetzt gelöst hat, wo Becker eine Chance hat, das Seichte zu verlassen. „Wir haben zwei Stunden mit dem ganzen Team offen über alles gesprochen, und so eine Analyse will Novak ja auch und fordert sie. Aus einer Niederlage kann man lernen und auch neue Motivation ziehen“, sagt Becker, und wenn man dabei die Augen zumacht, hört man einen richtigen Trainer sprechen, der Großes vorhat. Da ist nur noch leicht irritierend, dass dessen neuer Manager auch die TV-Komiker Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn unter Vertrag hat.

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