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Bode Miller : Der Extremist

  • -Aktualisiert am

Immer Vollgas: Bode Miller Bild: dpa

Seine Art Ski zu fahren begeistert die Fans, aber auch sein Image als Freigeist: Mit 36 Jahren möchte es Bode Miller nochmals wissen: Gold in Sotschi ist sein Ziel. Ein Sieg auf der Streif bleibt ein Traum - vorerst.

          3 Min.

          Es ist Januar 2013, Hahnenkamm-Wochenende in Kitzbühel. Bode Miller spaziert entspannt zum Interview ins Foyer des Hotels Weißes Rössl, an seiner Seite seine Frau Morgan. Er ist in diesem Jahr als Zuschauer in Kitzbühel, er hat auf die ganze Weltcup-Saison verzichtet, um eine Knieverletzung auszukurieren, einen neuen Anlauf zu nehmen für den kommenden Olympia-Winter 2013/14.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Miller kommt bald ins Plaudern, und wenn Miller mal ins Plaudern kommt, ist er schwer zu bremsen. Ein bisschen redet er, wie er Ski fährt, sehr schnell, sehr intensiv, sehr selten langweilig. Niemand weiß das besser als seine Frau Morgan. Einem amerikanischen Magazin sagte sie vor kurzem über das Leben mit Bode: „Nicht ein Gespräch bleibt an der Oberfläche. Jeder Tag ist wie eine Therapiesitzung.“

          Im Interview spricht Miller dann über seine Ziele für die Olympia-Saison, und was diese Ziele angeht, wird Miller recht deutlich: „Olympisches Abfahrts-Gold wäre ein großartiger Schlusspunkt“, sagt er. Und: „Der Weltcup-Abfahrtstitel ist mein Ziel Nummer eins, dann ein Sieg in Kitzbühel und die Olympischen Spiele. Das sind die drei Dinge, auf die ich mich konzentriere.“

          Bode Miller mit Ehefrau Morgan: „Jedes Gespräch ist eine Therapiesitzung“ Bilderstrecke

          Das klang ziemlich kühn. Selbst für seine Trainer. Vor der Saison sagte der Allround-Cheftrainer der Amerikaner, Forest Carey, zu Millers Zielen: „Ist es möglich? Ja. Ist Bode in der Lage, das zu schaffen? Ja, er hat es schon mal geschafft. Ist es dieses Jahr wahrscheinlich? Ummm.“ Und dann fügte Carey noch einen Satz hinzu, der das Phänomen Bode Miller ziemlich gut beschreibt: „Ich habe gelernt, niemals zu wetten, dass Bode etwas nicht schaffen kann.“

          Er fährt Schwünge wie sie keinem anderen gelingen

          Am Samstag kam in Kitzbühel die Stunde der Wahrheit: bei der Abfahrt auf der Streif. Miller hatte sich intensiv auf dieses Rennen vorbereitet, er hatte im einzigen Trainingslauf alle Konkurrenten in Grund und Boden gefahren, und als er nun mit der Startnummer elf ins Ziel kam, war er mit fast einer Sekunde Vorsprung der Schnellste.

          Doch er ahnte: Seine Bestzeit würde wohl keinen Bestand haben. Miller wirkte sauer, enttäuscht, geschlagen. Und er sollte recht behalten. Erst war der Norweger Aksel Lund Svindal schneller, dann der Österreicher Hannes Reichelt, der am Ende den ersten Abfahrts-Heimsieg auf der Streif seit acht Jahren schaffte. Miller wurde Dritter. Der Deutsche Stephan Keppler kam in der letzten Abfahrt seiner Karriere auf Rang 15.

          Seine Art, Ski zu fahren, sein Image als Freigeist begeistert

          „Ich fühlte mich wirklich mies, als ich ins Ziel kam“, sagte Miller. Weil er im unteren Teil „dumme Fehler“ gemacht hatte, so dumme, dass er vor Frust fast gar nicht mehr weitergefahren wäre. „Ich wollte schon über den Hausberg ins Ziel fahren“, sagte er - der aber war gesperrt, der spektakuläre Ritt über die Traverse war der schlechten Schneesituation zum Opfer gefallen, stattdessen führte der Kurs diesmal über den Ganslernhang ins Ziel. „Ich bin mit großen Erwartungen hierhergekommen“, sagte Miller, nicht zuletzt, weil ein Abfahrtssieg auf der Streif einer der wenigen Erfolge ist, die dem viermaligen Weltmeister noch fehlen. So aber bestätigte sich der Eindruck, den Miller im bisherigen Saisonverlauf hinterließ: Noch immer ist er der Mann für besondere Momente, er fährt Schwünge, schafft Läufe, wie sie keinem anderen gelingen. Aber er schafft sie nicht mehr regelmäßig, nicht mehr von oben bis unten. Zu oft schleichen sich verhängnisvolle Fehler ein. „Ich habe genug Speed, um Rennen zu gewinnen“, sagt Miller. „Aber dafür musst du das auch am Renntag zeigen, darfst keine Fehler machen. Und das ist im Moment die Herausforderung für mich.“

          So wartet Miller weiter auf seinen ersten Saisonsieg - wenngleich seine Ergebnisse für einen Rückkehrer nach 18 Monaten Weltcup-Pause aller Ehren wert sind. In Beaver Creek im Dezember überraschte Miller alle, als er im Riesenslalom auf das Podium fuhr, als Zweiter zwischen den Dominatoren Ted Ligety und Marcel Hirscher. Es folgten zwei fünfte Plätze in den Abfahrten von Gröden und Wengen, und vor einer Woche punktete der zweimalige Gesamtweltcup-Sieger und Kombinations-Olympiasieger sogar im Slalom, zum ersten Mal seit Dezember 2011.

          Platz 3 in Kitzbühel: „Das bricht einem ein bisschen das Herz“

          In Kitzbühel zeigte sich nun, wie sehr der Typ Bode Miller die Fans immer noch fasziniert: seine Art, Ski zu fahren, sein Image als Freigeist, seine alternative Lebensgeschichte, die auf die Spitze getriebene Individualität. Eine Geschichte, wie sie vielleicht gar nicht mal so ungewöhnlich ist für einen Amerikaner. Extrem ungewöhnlich aber für einen der besten Skirennfahrer der Welt.

          Auch deshalb hoffen viele, dass dies nicht die letzte Saison des Bode Miller sein wird. Am Samstag wurde er gefragt, ob er es noch mal versuchen werde auf der Streif, ob er einen letzten Anlauf nehmen werde, um diese Abfahrt von Kitzbühel zu gewinnen. Miller sagte: „Nach heute habe ich eigentlich erst mal keine Lust mehr, noch mal herzukommen.“ Miller ist 36 Jahre alt, er weiß, es könnte seine letzte Chance gewesen sein auf einen Sieg auf der legendären Strecke. Er hatte diesen Sieg in der Hand. Und er hat ihn vergeben. „Als Rennfahrer“, sagte Miller, „bricht einem das ein bisschen das Herz.“

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