https://www.faz.net/-gyl-8fezk

Studie aus Jena : Schlechte Noten für Arbeitszeugnisse

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Bringt nichts, kostet nur Zeit und Geld: Wirtschaftswissenschaftler kritisieren, dass Arbeitszeugnisse zu einem sinnfreien Ritual geworden sind.

          Arbeitszeugnisse gehören aus der Sicht Thüringer Wissenschaftler am besten abgeschafft. Ihre Anfertigung sei „zu einem relativ sinnfreien Ritual mutiert“, meinen die Autoren einer Studie der Jenaer Ernst-Abbe-Hochschule. Dem erheblichen Aufwand an Zeit und Kosten stehe kein hinreichender Nutzen für die Personalauswahl gegenüber, fassen die Autoren der Studie vom Fachbereich Betriebswirtschaft der Hochschule, Steffi Grau und Klaus Watzka, ihr vernichtendes Urteil zusammen.

          Dabei machen den Experten drei Dinge besonders zu schaffen. Den Verfassern der Zeugnisse fehle es oft selbst an eigener Expertise für diese Tätigkeit. Dazu würden Zeugnisse kaum noch individuell verfertigt. Statt selbst zu schreiben, griffen die Autoren auf Versatzstücke aus dem Internet oder auf PC-gestützte Zeugnisgeneratoren zurück. Auf der anderen Seite verstünden die Mitarbeiter in den Personalabteilungen die verwendeten Formulierungen nicht wirklich.

          „Es existiert eher babylonische Sprachverwirrung als eine einheitliche, eindeutige Zeugnissprache, diese gehört ins Reich der gut gepflegten Mythen und Legenden“, so die Wissenschaftler.

          Es dominiert die Angst vor juristischem Streit

          Als eine Ursache für das Dilemma haben die Experten die deutsche Rechtsprechung ausgemacht. Die verlange zwar wahre, aber eben auch wohlwollende Formulierungen. Dadurch dominiere bei vielen Unternehmen offenbar die Angst vor juristischen Auseinandersetzungen. In der Praxis spielten Zeugnisse bei der Personalauswahl eine untergeordnete Rolle. Wichtiger für die Entscheidungen sind demnach Lebenslauf und Anschreiben.

          Die Jenaer Wissenschaftler treten deshalb für eine radikale Lösung ein. Allerdings müsse bei einer kompletten Abschaffung der Zeugnispflicht sichergestellt werden, dass ein ausscheidender Arbeitnehmer eine alternative Bestätigung über seine ausgeübten Tätigkeiten und wahrgenommenen Funktionen erhält.

          Für ihre Studie werteten ihre Autoren nach eigenen Angaben getrennte Fragebögen von Zeugniserstellern (insgesamt 97) und Zeugnisauswertern (89) aus. Von den jeweils angeschrieben 500 Unternehmen habe fast jedes fünfte geantwortet.

          Weitere Themen

          Lernen und flirten

          Universitätsbibliotheken : Lernen und flirten

          Uni-Bibliotheken sind beliebter denn je und ziemlich oft überfüllt. Was die Studenten suchen, wie sie arbeiten – und was sie sonst noch im Sinn haben.

          Der Kunstmarkt in Zahlen Video-Seite öffnen

          Kurz erklärt : Der Kunstmarkt in Zahlen

          Jährlich werden auf dem internationalen Kunstmarkt 60 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Doch wo viel Geld ist, sind Kunstdiebstahl und Fälschungen nicht weit. Jedes dritte Kunstwerk auf dem Markt soll nicht echt sein.

          Besser als Sudoku!

          Vorzüge der Stenographie : Besser als Sudoku!

          Braucht noch jemand Kurzschrift? Was als antiquiert gilt, kann in manchem Beruf, für Uni und Schule durchaus nützlich sein. Eine Reportage aus dem Steno-Kurs.

          Topmeldungen

          Karfreitag in Nordirland : Ein Tag der Trauer

          Dass es in Nordirland seit mehr als zwanzig Jahren weitgehend friedlich geblieben ist, gehört zu den großen Leistungen der Politik. Doch mit dem Mord an einer Frau in Londonderry ist die Gefahr für den Frieden wieder einmal deutlich geworden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.