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Kita- und schulfreie Zeit : Wohin mit meinem Kind?

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Fast alle Kinder gehen im Sommer gerne ins Freibad. Wohl allen berufstätigen Mamas und Papas, bei denen auch mal die Großeltern den Badespaß beaufsichtigen können. Bild: dpa

Berufstätigen Eltern graut meist vor der langen Zeit im Sommer, wenn Schule und Kita mehrere Wochen dicht machen. Fünf Paare erzählen, wo sie den Nachwuchs dann unterbringen.

          In Hessen und Rheinland-Pfalz geht alles wieder seinen üblichen Gang für Familien, in Bayern oder Baden-Württemberg haben die Sommerferien gerade Halbzeitpause. Sechs schulfreie Wochen - für die Kinder ein Traum, für berufstätige Eltern meist eine echte Herausforderung.

          Denn so lange kann kaum ein Arbeitnehmer regulär Urlaub nehmen. Und selbst wenn der Nachwuchs noch nicht schulpflichtig ist: Auch viele Krippen und Kindertagesstätten schließen im Sommer mehrere Wochen.

          Dann heißt es, kreativ zu sein, um die Kinder gut betreut zu wissen. Fünf Elternpaare haben uns erzählt, wie sie die besonders lange kita- und schulfreie Zeit im Sommer überbrücken - von zweitem Kind über Ferienlager, den Großelternbesuch bis hin zur privaten Fahrgemeinschaft, um den Ferienhort im Nachbarort zu erreichen.

          Theresa und Michael Jung, 33 und 38 Jahre, mit Hannah (2)

          „Michael arbeitet Vollzeit als Bauingenieur, ich arbeite 50 Prozent als Lektorin. Von Montags bis Donnerstag besucht Hannah eine Kindertagesstätte der AWO. Ich kann sie bis 9 Uhr bringen und hole sie gegen 14.30/15 Uhr ab. Ab September geht sie dann auch noch am Freitag zu dieser Zeit in die Kita. Wir leben in Baden-Württemberg, wo gerade Sommerferien sind. Unsere Kita hatte Anfang August aber zum Glück nur zwei Wochen zu Ich habe auch Freundinnen, deren Kinder eine Kita besuchen, die im Sommer länger schließt. In der ersten Woche sind meine Eltern aus Ostwestfalen angereist, um auf Hannah aufzupassen, in der zweiten habe ich mir dann Urlaub genommen. 

          Ich wüsste nicht, wen ich außer meinen Eltern und den Schwiegereltern, die allerdings auch zwei Autostunden entfernt wohnen, noch einspannen sollte. Meine Schwester hat selbst zwei kleine Kinder, unser soziales Netz vor Ort ist ansonsten noch nicht so dicht, da wir erst vor kurzem hergezogen sind. Ferienprogramme gibt es für so kleine Kinder noch nicht. Auch Michael hätte sich theoretisch natürlich frei nehmen können, aber er ist in einer Führungsposition, da ist es etwas schwieriger, und wir hatten unseren gemeinsamen Jahresurlaub schon. Meine Arbeitsstelle ist flexibler, und ich habe einen sehr familienfreundlichen Chef.

          Wenn der Urlaub aufgebraucht wäre, würde ich mit ihm sicher auch eine Lösung finden, meine Arbeit am Abend oder am Wochenende zu erledigen. Da wir aber im November unser zweites Kind erwarten, bin ich doppelt froh, diese Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen zu müssen. Vielleicht muss ich das irgendwann, wenn die Kinder in der Schule sind und viel länger frei haben. Eine Freundin in Bonn hat schon mal eine Art Co-Working mit Kind ausprobiert, wo alle gemeinsam in einem Raum gearbeitet haben, und im Nachbarzimmer haben die Kinder gespielt. Das finde ich auch eine interessante Option, wenn man sich gut kennt.“

          Julia Lotz, 40 Jahre, mit Pauline (9) und Henri (5)

          „Mein Mann ist Kripobeamter, er möchte seinen Namen deshalb nicht in den Medien veröffentlicht wissen. Anders als mancher Polizeibeamter muss er nicht im Schichtdienst arbeiten, kann viel Home Office machen und sich seine Arbeitszeit recht flexibel einteilen. Wenn ein Kind krank ist, bleibt dann meist eher er daheim. Denn ich arbeite 50 Prozent in Teilzeit als Redakteurin bei einem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender im Schichtdienst. Die Dienste und die Schichten variieren in der Uhrzeit zwischen 6 und 23 Uhr. Pauline besucht eine sogenannte „betreuende Grundschule“ und bleibt dort bis 15 Uhr, ebenso Henri in seiner Kita.

          Die hatte jetzt im Juli drei Wochen geschlossen, aber das ist nichts gegen Paulines Schulferien von sechs Wochen. Seit sie zur Schule geht, müssen wir echt erfinderisch sein. Zum Glück wohnen beide Großeltern nur je etwa eine Autostunde entfernt, und die Kinder sind von ganz klein auf daran gewöhnt, auch mal eine Woche am Stück bei ihnen zu sein und freuen sich auch immer sehr darauf, weil Oma und Opa natürlich besonders tolle Ausflüge in die Natur oder ins Museum mit ihnen machen.

          Ich habe keine Ahnung, wie Eltern die kita- und schulfreie Zeit ohne Großeltern überbrücken. Als Pauline in der zweiten Klasse war, haben wir mal das Ferienangebot der Verbandsgemeinschaft in Rheinland-Pfalz, wo wir wohnen, in Anspruch genommen. In der Schule im Nachbarort wurde von 7.30 bis 15 Uhr drei Wochen in den Sommerferien eine Betreuung angeboten, was 60 Euro pro Woche gekostet hat, allerdings ohne Mittagessen. Man muss dem Kind also die gesamte Verpflegung mitgeben. Und an der Organisation des täglichen Fahrdienstes, bei dem wir Eltern uns abgewechselt haben, saß eine Mutter einen ganzen Abend lang.

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