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Lebensläufe : Gibt es die Generation Y gar nicht?

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Kernfrage nicht nur für die Generation Y: Wie dynamisch soll’s denn sein? Bild: Lukas Kreibig

Karrierefeindlich, verwöhnt, Teilzeit-abhängig - was mussten sich manche Generationen alles anhören. Reichlich übertrieben, sagt ein Soziologe: Im Grunde seien alle gleich.

          Generation Golf, die Babyboomer, die 68er, Generation Y, die aktuelle junge Generation Z: Die gibt es gar nicht, hat der Marburger Soziologe Martin Schröder herausgefunden. Er habe entsprechende Daten analysiert und keinerlei Unterschiede zwischen den Generationen festgestellt, sagte Schröder dem Evangelischen Pressedienst. „Die beruhigende Nachricht ist: Die heute jugendlichen Menschen machen im Laufe ihres Lebens Änderungen durch wie alle anderen auch. Sie ticken wie die Jugendlichen vor 30, 40 Jahren.“

          Schröder hat für seine Analyse Daten aus dem „Sozio-oekonomischen Panel“ herangezogen, für das seit 1984 jedes Jahr 10.000 bis 20.000 Deutsche befragt werden. Anhand dieser Daten konnte er nach eigenen Angaben zum Beispiel erkennen, dass die Generation Y - die Geburtsjahrgänge zwischen 1980 und 1990 also - genauso denkt „wie so ziemlich alle anderen Generationen vor ihr“.

          „Wir sind alle anders, wenn wir jung sind“

          Außerdem seien die Zuschreibungen für diese - angeblich unterschiedlichen - Generationen oft nebulös: So beschreibe die soziologische Literatur die Generation Y beispielsweise als ausgesprochen karriereorientiert und gleichzeitig als Generation, der die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtiger sei als das berufliche Vorankommen. Sie lege „viel Wert auf Emotionen“ oder wolle „Strategien der Zukunft neu definieren“. „Das liest sich teilweise wie ein Horoskop“, kritisierte der Marburger Professor.

          Gesellschaftliche Unterschiede rührten jedoch nicht vom Geburtsjahrgang her, sondern vom Bildungsniveau, Einkommen, Geschlecht oder Aufwachsen in Ost- oder Westdeutschland. „Wir sind alle anders, wenn wir jung sind. Alle unsere Einstellungen ändern sich, wenn wir älter werden“, konstatierte Schröder. Die meisten Bundesbürger wiesen einen „Standard-Lebenslauf“ auf. Das sei natürlich wenig spektakulär und keine „verrückte Nachricht“, die von den Medien aufgegriffen werde.

          Der Generationenbegriff sei unter anderem deshalb so populär, weil ein „gigantischer Markt“ mit Studien und Ratgeberliteratur dahinter stehe, erklärte Schröder. Außerdem fielen bei Jugendlichen Einstellungen „viel akuter“ auf als bei Erwachsenen: So horchten alle auf, wenn junge Arbeitnehmer sich flexible Arbeitszeiten wünschen. „Aber es könnte sein, dass das alle wollen. Es interessiert nur keinen, wenn das ein 55-Jähriger fordert.“

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