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Unternehmensnachfolge : Haben Sie keinen Bruder?

  • -Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Immer öfter übernehmen die Töchter deutsche Familienunternehmen. Darum gebeten hat sie niemand - schon gar nicht die Väter. Ihren Führungsanspruch melden sie selbst an.

          Ausgerechnet eine Frau. Auf einer Messe kam sie auf Caroline Schwarz zu, die dort das Maschinenbauunternehmen ihrer Familie vertrat. Die Besucherin wollte den Geschäftsführer sprechen. „Der ist gerade nicht da, aber vielleicht kann ich Ihnen weiterhelfen? Ich bin die Tochter und gehöre auch zur Geschäftsführung“, antwortete Schwarz. „Ach, haben Sie keinen Bruder?“, war alles, was der Besucherin daraufhin einfiel. Und ob. Aber der macht Karriere als Arzt. Und an seiner Stelle hat sich die selbstbewusste Schwester die Unternehmensnachfolge gesichert. „Ich habe früh gemerkt, dass ich eine Führungspersönlichkeit bin“, sagt Schwarz. Die Achtundzwanzigjährige will selbst gestalten, Mitarbeiter zu Leistung anleiten und etwas verändern: „Im eigenen Familienunternehmen sind den Möglichkeiten da keine Grenzen gesetzt.“

          Wenn da nicht der Vater wäre. Der hatte eigentlich zuerst an den Sohn gedacht, als er sich mit fast fünfzig zum ersten Mal Gedanken über die Nachfolge für den Maschinenbaubetrieb der Familie machte. „Schließlich ist er der Ältere“, sagt Thorsten Eberding. Doch sein Sohn wollte nicht. „Das waren damals kritische Jahre zwischen uns. Aber meine Frau und ich haben keinen Druck gemacht.“ Also studierte der Sohn Medizin. „Dass unsere Tochter dann die Hand gehoben hat, hat uns schon überrascht“, gibt Eberding zu. „Sie hat gesagt: ,Ich studiere BWL und wäre da.’“

          Die Patriarchen sind noch in der Mehrheit

          80 Prozent der Familienunternehmen in Deutschland werden innerhalb der Familie weitergegeben. Mittlerweile sind etwas mehr als ein Viertel dieser Nachfolger Frauen. Ein Verhältnis, das Rosemarie Kay vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn noch nicht zufriedenstellt. Auch, wenn dadurch der Anteil der von Frauen geführten Familienunternehmen auf lange Sicht steigen dürfte. „Es wird besser, aber sehr, sehr langsam“, sagt die Wissenschaftlerin, die sich seit fast 20 Jahren mit der Rolle von Frauen als Unternehmerinnen beschäftigt. Das Umdenken in der Generation der Väter brauche seine Zeit. Aber die demographische Entwicklung komme den Töchtern zugute. Wie eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags zeigt, hat jedes dritte Familienunternehmen schon jetzt Probleme, überhaupt einen Nachfolger zu finden.

          Aber auch wenn der Wandel langsam einsetzt: Die konservativen Patriarchen sind noch in der Mehrheit. Eine Studie des IfM an der Universität Mannheim ergab: Unternehmer bevorzugen nicht nur ihre Söhne, falls sie einen haben, sie bleiben oftmals sogar so lange dran, bis sie auch einen haben. Die Studie zeigt: Die Senior-Generation hat deutlich öfter nur Söhne als nur Töchter. „Viele Unternehmer scheinen sich einen Sohn als Nachfolger zu wünschen“, sagt Jan-Philipp Ahrens, einer der Autoren. „Dieser Wunsch scheint sogar erkennbar Einfluss auf die Familienplanung zu haben.“

          „Als ich dann kam hatte ich keinen Schreibtisch“

          Offen wird über die Problematik nur selten gesprochen. Was kaum verwundert, wer trägt schließlich schon seine beruflichen wie privaten Interna gerne nach außen. Auch Eberding und Schwarz wollen ihre echten Namen nicht in der Zeitung lesen. Der Unternehmer erzählt jedoch offen davon, dass es seine Tochter war, die als Kind auf den Betriebsfesten das Bier gezapft hat. Die Mitarbeiter kannten sie als quirlige Jugendliche, die in den Semesterferien im Büro aushalf, bevor sie Ende 2009 bei ihrem Vater anrief und sagte: „Ich möchte jetzt in die Firma kommen.“ Eigentlich war geplant, dass sie noch einige Jahre extern Erfahrung sammeln sollte. Aber in der Krise 2009 waren die Möglichkeiten begrenzt. Sie arbeitete in der Verwaltung eines Personaldienstleisters und war dort unglücklich.

          Für den Vater war es nicht einfach, dass sie so früh in der Tür stand und Führungsansprüche anmeldete. Offiziell stieg Schwarz als Leiterin Marketing in den Betrieb ein, diesen Schwerpunkt hatte sie im Studium gesetzt und sie fand, dass ihr Vater diesen Bereich immer etwas vernachlässigt hatte. „Aber als ich dann kam, hatte ich keinen Schreibtisch, keinen Computer und keine Aufgaben“, erinnert sich Schwarz an den schwierigen Einstieg. „Mitarbeiter kamen zu mir und fragten: ,Was machst du eigentlich so den ganzen Tag?’“ Wenn sie Aufgaben beim Vater einforderte, sollte sie die Ablage machen. „Aber das hatte ich jahrelang in den Ferien gemacht. Jetzt wollte ich Verantwortung.“

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