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Unternehmen : „Sozialkompetenz ist keine sozialromantische Schwärmerei“

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Der unterschätzte Erfolgsbaustein erfüllt die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse. Die Manager profitieren dabei von der allgemeinen Beliebtheit und betreiben die effektivste Kundenwerbung.

          Mit dem Wettbewerbsdruck steigt der Leistungs- und Erfolgsdruck. Wenn diese Entwicklung auch niemanden im Berufsleben ausspart, so besteht doch kein Zweifel daran, daß die Führungskräfte und deren ambitionierter Nachwuchs die Wucht exponentiell steigender Anforderungen und Erwartungen am deutlichsten zu spüren bekommen. Mit dem Wunsch und dem Bemühen, erfolgreich zu agieren, ist folglich heute mehr als je zuvor die Frage verknüpft: Wie nehme ich diesem Druck zumindest ein wenig von seiner Brisanz?

          Der Arzt und Psychologe Michael Kastner, Professor für Organisationspsychologie an der Universität Dortmund und Leiter des Instituts für Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie in Herdecke, gibt auf diese Frage eine auf den ersten Blick verblüffende Antwort: „Vor allem durch die Kunst, sich nicht selber immer wieder im Wege zu stehen.“

          Wer unklug mit sich und anderen umgeht, verpulvert Kräfte

          In welche Richtung Kastners Denkanstoß zielt, verdeutlicht eine Bemerkung der Braunschweiger ärztlichen Psychotherapeutin Herta Wetzig-Würth. „So fordernd unsere Hochleistungs- und Hochgeschwindigkeitswirtschaft mit ihrem permanenten Veränderungs- und Anpassungsdruck und ihren zerfließenden Spielregeln auch immer ist“, sagt sie, „in sehr, sehr vielen Fällen ist die empfundene Belastung bei Licht besehen doch auch ein gutes Stück hausgemacht.“ Und dann wird die erfahrene Therapeutin mit Doktortitel sehr deutlich: „Wer unklug mit sich selbst und anderen umgeht, verpulvert Kräfte, die ihm anderweitig dann einfach nicht mehr zur Verfügung stehen, brennt aus eigenem Verschulden langsam aus, verschenkt Erfolgsmöglichkeiten und nur zu häufig auch unwiederbringliche Chancen.“

          Damit wird klar: Ein wesentliches Sicherheitsventil, um den Leistungs- und Erfolgsdruck nicht zum auszehrenden Lebenselement ausufern zu lassen, ist das eigene Verhalten. Kastner bringt diese Tatsache mit fast brutaler Deutlichkeit auf den Punkt, wenn er sagt: „Intelligenz, Bildung und Wissen, Fleiß, Disziplin, Beharrlichkeit und Leistungsmotivation reichen keinesfalls aus, um Erfolg zu haben. Wir müssen wissen, wo unsere Mitmenschen zu packen sind!“ Was so deftig klingt, ist aber zweifelsohne einer der wichtigsten Ratschläge, um im Strudel der Führungsverantwortung und der Anstrengungen auf der Karriereleiter sich nicht selber unnötigen Belastungen auszusetzen. Das wird schnell deutlich, liest man in Kastners Buch „Erfolgreich mit sozialer Kompetenz - das Programm für Menschen, die Verantwortung haben“ nach, worauf er mit seiner scharfzüngigen Bemerkung abzielt: Gerade weil die Welt immer komplexer wird, die Probleme immer unübersichtlicher und die Zeit immer knapper, sind wir angewiesen auf Menschen, die mitmachen. Es geht (also) darum, andere Menschen zu gewinnen - und dann gewinnen alle, die beruflich oder in anderen Zusammenhängen miteinander umgehen und arbeiten. Das ist für Kastner „die Schlüsselqualifikation der Chefs von morgen - und das Erfolgsrezept der Chefs von heute“.

          Erfüllung eines grundlegenden menschlichen Bedürfnisses

          Und damit ist auch das Schlüsselwort für dieses gleichermaßen Erfolgs- wie Entlastungsrezept bereits gefallen: Sozialkompetenz. In welche inhaltliche Richtung dabei nun gedacht werden muß oder sollte, sei an zwei Bemerkungen einschlägig kompetenter Frauen verdeutlicht. Die Hamburger Ehe- und Lebensberaterin Barbara Langmaack, die auch Unternehmen in Konflikt- und Verhaltensfragen berät, macht darauf aufmerksam, daß „man über die eigenen Gedanken und Empfindungen hinaus auch die der anderen spüren und sich auf die anderen einlassen muß“.

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