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Unternehmen : Ohne Frauen geht es nicht

  • -Aktualisiert am

Mehr Frauen in die Unternehmen: Dagmar Schipanski liefert Fakten Bild: picture-alliance / dpa

Eine Studie unter Managern zeigt: Ein höherer Frauenanteil in Unternehmen sorgt für mehr Effizienz. Als besondere Qualifikation der weiblichen Mitarbeiter gilt unter anderem die Team- und Kommunikationsfähigkeit.

          Ohne Frauen geht es nicht. Und das gilt für die deutsche Wirtschaft ganz besonders. Nach Meinung deutscher Manager funktioniert sie mit Frauen sogar besser. Das ist zumindest ein Ergebnis der neuen repräsentativen Studie der Initiative Soziale Marktwirtschaft (INSM) und des Leipziger Instituts für Marktforschung (IM), die jetzt auf dem 4. World Women Work Kongreß in Berlin veröffentlicht wurde.

          „Die meisten Unternehmen sehen die berufliche Gleichstellung von Frauen sowie stärkere weibliche Präsenz in der Wirtschaft als ökonomische Notwendigkeit. Das Thema ist damit aus der Mitleidsecke nach dem Motto ,Gebt den Benachteiligten eine Chance' heraus. Vielmehr sprechen harte wirtschaftliche Fakten für mehr Frauen im Beruf“, sagt Dagmar Schipanski, Präsidentin des Thüringer Landtags. Als Botschafterin der INSM präsentierte sie die Ergebnisse der Umfrage auf dem Berliner Kongreß.

          Frauen qualifizieren sich durch emotionale Intelligenz

          In der Unternehmensbefragung mit dem Titel „Managermeinungen zur Chancengleichheit von Frauen im Beruf“ hatten 63 Prozent der sogenannten Entscheider die Frage „Kann die verstärkte Präsenz von Frauen im Wirtschaftsleben für mehr Effizienz und Produktivität sorgen?“ bejaht. Der Grund: Frauen bringen besondere Qualifikationen in die Unternehmen ein, wie emotionale Intelligenz, Team- und Kommunikationsfähigkeit. Dies ist die eine Erkenntnis.

          Allerdings sehen auch 35 Prozent der befragten Führungskräfte dringenden Nachholbedarf, was Chancengleichheit für Frauen in Deutschland im Vergleich mit anderen westlichen Industrieländern anbelangt. Erwartungsgemäß sprechen sich mehr befragte Frauen als Männer für eine Verbesserung der Chancengleichheit aus. 46 Prozent Frauen sehen hier mehr Handlungsbedarf. Davon sind aber nur 25 Prozent der Männer überzeugt. Lediglich 12 Prozent der Unternehmensrepräsentanten glauben, daß Frauen in Deutschland mehr Chancengleichheit vorfinden als in anderen westlichen Industrieländern. 72 Prozent sagen, daß eine Verbesserung beruflicher Chancen für Frauen unverzichtbar ist.

          Politik muß mehr Verantwortung übernehmen

          Schon aus demographischen Gründen werden in Zukunft Frauen vermehrt in der Wirtschaft benötigt. Schipanski analysiert: „Der Geburtenschwund wird einen Engpaß an Fachkräften bringen. Um so wichtiger ist es, daß wir das vielfach noch brachliegende Potential gut ausgebildeter Frauen nutzen.“ Die Umfrage zeige, daß diese Einsicht bei den Entscheidern in den Unternehmen angekommen sei, betont die Professorin. Verstanden haben die Unternehmen auch, daß sie selber etwas ändern müssen. Gut jeder zweite sieht die Wirtschaft selbst in der Pflicht: Verstärkte Angebote von Teilzeit- und Telearbeit sind nötig.

          Die Unternehmen sollen Arbeitsformen mehr auf weibliche Bedürfnisse abstimmen. Gut drei Viertel der Wirtschaftsvertreter machen aber auch die Politik verantwortlich. Auch Schipanski sieht die Aufgabe des Staates und fordert: „Wer mehr Frauen im Beruf sehen will, der muß auch die entsprechenden Voraussetzungen schaffen - viele Akademikerinnen stellen ihren Kinderwunsch zurück, weil sie einen Karriereknick befürchten. In Sachen Kinderbetreuung müssen wir deutlich mehr tun, wenn der Wunsch nach mehr weiblicher Präsenz in den Unternehmen Wirklichkeit werden soll.“

          Umstellung der Arbeitszeitmodelle ist hilfreich

          Das ist im Münchener Unternehmen Comet Computer bereits geschehen. Die Firma ist ein gutes, aber seltenes Beispiel für Familienfreundlichkeit, mehr weibliche Präsenz und Chancengleichheit im Beruf. Dafür ist der Spezialist für technische Dokumentation schon viermal von der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet worden. Wie gelingt es der IT- Firma, für ihre Mitarbeiter Job und Familie harmonisch zu verbinden? Virtuelle Arbeitsplätze, Telearbeit und flexible Arbeitsmodelle sind in dem bayerischen Unternehmen schon lange selbstverständlich. Nur die Hälfte der Beschäftigten arbeitet Vollzeit. „Wir haben Mitarbeiter, die nur acht Stunden arbeiten und dennoch eine wichtige Position innehaben“, sagt Sissi Closs. Sie ist die Mitinhaberin und Geschäftsführerin von Comet Computer. In ihrer Firma arbeiten derzeit 72 Angestellte. Davon sind 60 Prozent Frauen. 22 dieser weiblichen Angestellten sind Mütter. Diese haben insgesamt 40 Kinder zu versorgen. Kind und Karriere sind kein Problem.

          Führungspositionen werden projektbezogen vergeben und sind vom Arbeitszeitmodell unabhängig. Die Professorin für Informations- und Medientechnik kennt allerdings die Schwierigkeiten, die eine Umstellung der Arbeitszeitmodelle in anderen Unternehmen macht: „Wir haben das Glück, uns von Anfang an so aufgestellt zu haben.“ Bei Comet Computer gehörte es seit der Gründung zum Firmenkonzept, Privatleben und Beruf in Einklang zu bringen. Wie kontrolliert das Unternehmen, ob seine Mitarbeiter zu Hause auch wirklich arbeiten? Closs gibt zu: „Ohne eine Basis an Vertrauen funktioniert so eine Geschichte nicht. Natürlich können wir nicht alles kontrollieren.“ Anhand von jahrelangen Erfahrungswerten wisse man aber, wieviel Arbeitszeit für welches Projekt benötigt werde, und habe somit Kontrollmöglichkeiten. Knackpunkt von flexiblen Arbeitszeitmodellen sei eine gute Kommunikation. Und selbstverständlich sind reibungslose Abläufe auch nicht. „Daran müssen wir ständig arbeiten“, sagt Sissi Closs.

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