https://www.faz.net/-gyl-9nh61

OECD-Studie : Deutschland ist für ausländische Fachkräfte nur mäßig attraktiv

  • Aktualisiert am

Fachkraft aus Palästina: Der Arzt Haythem Masry im Klinikum in Frankfurt an der Oder Bild: dpa

Für ausländische Studenten und Unternehmer ist Deutschland unter den attraktivsten Ländern, für Fachkräfte aus dem Ausland allerdings nicht. Ein Nachbarland schneidet in allen Kategorien besser ab.

          Für hoch qualifizierte Arbeitnehmer aus dem Ausland ist Deutschland nicht die erste Adresse. Das zeigt eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die an diesem Mittwoch in Berlin vorgestellt wird. Die Autoren der Studie stellen fest, dass Deutschland in der Rangfolge der attraktivsten Standorte für Fachkräfte mit Master-Abschluss oder Doktortitel nur den zwölften Platz belegt.

          Auf dem ersten Platz sehen die Forscher Australien, gefolgt von Schweden, der Schweiz, Neuseeland und Kanada. Sie böten vor allem „günstige Arbeitsmarktbedingungen“. Die Vereinigten Staaten folgten auf Platz sieben. Schlusslicht unter den 35 Staaten, die verglichen wurden, ist die Türkei.

          Einer der Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands sei, dass ausländische Abschlüsse „auf dem deutschen Arbeitsmarkt häufig stark abgewertet werden“. Untersucht wurden die Qualität der beruflichen Chancen, Einkommen, Steuern, Möglichkeiten für Familienangehörige, Einreise- und Aufenthaltsbedingungen, Zukunftsaussichten, das „Kompetenzumfeld“ und gesellschaftliche Diversität und Lebensqualität. Außerdem wurde betrachtet, wie einfach ausländische Fachkräfte an ein Visum oder eine Aufenthaltsgenehmigung kommen. Dabei ist Deutschland der Studie zufolge aber auf einem der vorderen Plätze.

          Deutschland für ausländische Studenten attraktiv

          „Für Fachkräfte ist die Geschwindigkeit der Visaerteilung ein wichtiger Faktor, aber für viele Hochqualifizierte sind auch die Rahmenbedingungen für Partner und Kinder wichtig“, sagte der OECD-Direktor für Arbeit und Soziales, Stefano Scarpetta. Erstellt wurde die Studie mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung.

          Sie zeigt, dass Deutschland als Zielland auf andere Gruppen von potentiellen Migranten durchaus eine große Anziehungskraft ausübt. Auf der OECD-Liste der attraktivsten Standorte für ausländische Studenten belegt Deutschland demnach den dritten Platz, hinter der Schweiz und Norwegen. Auf Platz sechs liegt Deutschland in der Rangfolge der besten Standorte für Unternehmer. Hier ist Kanada auf dem Spitzenplatz, gefolgt von Neuseeland, der Schweiz, Schweden und Norwegen.

          „Es ist erfreulich, dass Deutschland besonders für internationale Studierende gute Möglichkeiten bietet“, erklärte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. „Wir brauchen aber auch kurz- und mittelfristig mehr Zuwanderung von bereits akademisch ausgebildeten Fachkräften, für die Deutschland leider nicht besonders attraktiv ist.“

          Weitere Themen

          Die neue Flower-Power Video-Seite öffnen

          Parfumstadt Grasse : Die neue Flower-Power

          Das französische Grasse war als Weltstadt der Parfumindustrie bedroht. Es brauchte einen deutschen Roman, um an die Tradition zu erinnern. Nun aber kehren junge Leute, die großen Konzerne und die Duftmeister der Branche zurück.

          Die Kantinen-Not der Vegetarier

          Fleischfrei Mittagessen : Die Kantinen-Not der Vegetarier

          Wer kein Fleisch isst, hat es in deutschen Kantinen nicht leicht. Oft beschränkt sich die vegetarische Auswahl auf Beilagen oder ein Fertig-Etwas aus der Fritteuse. Geht das nicht auch anders? Die „Nine to five“-Kolumne.

          Topmeldungen

          Ehemaliger Lebensmittelladen in Loitz: Der Solidaritätszuschlag dient in erster Linie zur Finanzierung der Kosten, die die deutsche Wiedervereinigung verursacht hat. (Archiv)

          Wortbruch der Union : Soli-Schmerzen

          Dass ein Teil des Soli bleibt, dürfte für die Betroffenen finanziell zu verschmerzen sein. Nicht aber der Wortbruch der Union – und das bittere Gefühl, dass ihr Sondereinsatz für das Land nicht einmal wertgeschätzt wird.
          Trotz Sanktionen: Schweißer arbeiten Anfang April im Karosseriebau des Mercedes-Benz Werks im Industriepark Jessipowo bei Moskau

          Russland-Sanktionen : Der Preis des Zurückweichens

          Die Russland-Sanktionen waren ein Signal. Deren Aufhebung wäre es erst recht – die EU würde damit demonstrativ vor Moskaus Politik der Gewalt und Drohung zurückweichen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.